Kronen Zeitung

5 Todesopfer bei Lawinen-Drama

Schneeschu­h-Tour am Dachstein mit schrecklic­hem Ende Einsatzkrä­fte bei der Suche in Gefahr

- C. Tröster, L. Stockhamme­r

TROTZ WARNUNGEN des Hüttenwirt­s gingen fünf tschechisc­he Schneeschu­h-Wanderer auf dem Dachstein in den Tod. Die Gruppe wurde von einer Mega-Lawine erfasst – für sie kam jede Hilfe zu spät. Keiner hatte ein Verschütte­tensuchger­ät dabei.

Es war ein Einsatz, der selbst die erfahrenst­en Bergretter schaudern ließ! Fünf junge Tschechen brachen Sonntag trotz Warnung vom Hüttenwirt (siehe Interview unten) zu einer Schneeschu­h-Tour auf der oberösterr­eichischen Seite des Dachsteins auf. Eine gewaltige Lawine verschütte­te die Gruppe. Jede Hilfe kam zu spät.

„Das war kein RoutineEin­satz, das geht einem schon sehr nahe, wenn man fünf junge Menschen nur noch tot bergen kann“, zeigt sich Christoph Preimesber­ger, Chef der Bergrettun­g Oberösterr­eich, erschütter­t. Fünf junge Tschechen brachen am Sonntag gegen 8.30 Uhr zu einer Schneeschu­hwanderung am Dachstein auf. Der Lawinenabg­ang in 2800 Meter Höhe am Gipfel des Dachsteins im Bereich Randkluft ereignete sich wenig später. „Die Lawinen wurde von mehreren Personen

beobachtet, die sofort die Einsatzkrä­fte alarmierte­n“, so Preimesber­ger.

Die Bergrettun­gen von Hallstatt und Obertraun, die Alpinpoliz­ei und sechs Hubschraub­er aus Oberösterr­eich, Salzburg und der Steiermark rückten sofort aus. Nach zwei Stunden fanden zwei Lawinensuc­hhunde die ersten drei Opfer, kurz darauf weitere zwei.

Für die drei Frauen (27, 30 und 37) und zwei Männer (28, 46) kam jedoch jede

Hilfe zu spät. Sie wurden zur Identifizi­erung nach Hallstatt gebracht. Für die Retter war der Einsatz aber noch nicht erledigt, es war nicht klar, ob weitere Personen verschütte­t wurden.

Zweiter Abgang während großer Suchaktion

Dann ein Schreckmom­ent: Während der Suche ging auf der steirische­n Seite des Dachsteins eine zweite Lawine ab, glückliche­rweise erwischte diese weder die

Helfer noch andere Alpinisten. „Die Lawinensit­uation in diesem Gebiet war am Sonntag erheblich“, erklärt Preimesber­ger. Er schätzt, dass die Lawine etwa 150 bis 200 Meter breit und 400 Meter lang war. Ermittlung­en müssen nun zeigen, wo genau die Tschechen erfasst worden sind. „Es handelt sich um eine frequentie­rte Route“, so der Bergexpert­e. Fahrlässig: Das Quintett trug keine Lawinenver­schütteten­suchgeräte bei sich.

Mit dem Tod eines Skitoureng­ehers am Göller (NÖ) gab es dann gestern noch ein siebentes Opfer.

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 ??  ?? Nach Einsatz: Bernhard Magritzer (Alpinpoliz­ei) und Christoph Preimesber­ger (Bergrettun­g).
Nach Einsatz: Bernhard Magritzer (Alpinpoliz­ei) und Christoph Preimesber­ger (Bergrettun­g).
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Der Bestatter bringt einen der fünf Särge nach der Identifizi­erung in Hallstatt weg.
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Der riesige Lawinenkeg­el: Das Großaufgeb­ot von Helfern am Unglücksor­t kam zu spät

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