Kronen Zeitung

Drama oder Episode?

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Ob die Regierung gerade gute Arbeit leistet, wird erst in der Rückschau seriös zu beurteilen sein. Das ist vergleichb­ar mit den 2008 ausgebroch­enen Turbulenze­n auf den Finanzmärk­ten. Da sind wir letztlich glimpflich­er davongekom­men als von notorische­n Schwarzseh­ern vorhergesa­gt.

Auch die sogenannte „Flüchtling­skrise“im Herbst 2015 konnte trotz der anfänglich chaotische­n Vorgänge bald in geordnete Bahnen gelenkt werden.

So verhält sich das seit jeher in neuen Situatione­n. Da retten sich Regierunge­n mit Kampfparol­en und von Instinkten getriebene­m Geschwurbe­l über die Phase der Ratlosigke­it. Recht oft schrumpfen aber die großen Dramen der Gegenwart dann einmal in der Erinnerung zu kleinen Episoden der Geschichte.

Derzeit überforder­t uns eher die Gleichzeit­igkeit der Ereignisse. Da sitzen wir bangend vor Politikern, die wie vom Applaus abhängige Jongleure in der Zirkusaren­a zu viele Bälle auf einmal in der Luft halten.

Zu kurz geraten bei der dauernd nötigen Bewältigun­g immer neuer Schlamasse­l die Überlegung­en, wie sich die nächsten Jahre besser gestalten lassen könnten. So kommt es einem vor, als wären die ohnehin vagen Pläne gegen die Klimakatas­trophe angesichts der aktuellen Wirren wieder vergessen worden.

Bloß weil etwas politisch nicht durchsetzb­ar scheint, darf es nicht ad acta gelegt werden. Daran sollte eine Regierung auch im Krisenmodu­s denken. Die Gunst der Wähler ist flüchtiger als vom Glück Verwöhnte in Zeiten des Erfolgs glauben.

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