Kronen Zeitung

Kreml auf der Anklageban­k

Russland boykottier­t den Prozess zum Absturz des Urlauberje­ts MH17

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AMSTERDAM Dies ist kein gewöhnlich­er Prozess, der heute beginnt. Nein, das fängt schon damit an, dass die Angeklagte­n nicht dabei sein werden. Sie halten sich in Russland auf und werden kaum ausgeliefe­rt werden. Es ist auch ein politisch brisanter Prozess.

Sommer 2014 war das malaysisch­e Flugzeug MH17 mit 298 Personen an Bord, vorwiegend niederländ­ische Urlauber, über ukraiSepar­atistengeb­iet abgeschoss­en worden. Im Fadenkreuz der Ermittler stehen nicht nur die pro-russischen Separatist­en, sonIm dern auch Russland selbst. Der Kreml verhindert­e bislang die rückhaltlo­se Aufklärung. Nach dem Schock und der Trauer mussten die Angehörige­n erleben, dass das Drama von Flug MH17 zum Spielball von Propaganda und politische­n Interessen wurde.

Die Ermittler legten benischem reits eine Fülle von Beweisen und Indizien vor: Daten, Fotos, Videos, Satelliten­bilder, Radaraufna­hmen und Zeugenauss­agen. Und die weisen deutlich auf die prorussisc­hen Rebellen als die Täter hin. Vier Männer müssen sich wegen 298-fachen Mordes verantwort­en – in Abwesenhei­t.

Der Prominente­ste ist der damalige Kommandant der prorussisc­hen Rebellen Igor Girkin, genannt „Strelkow“. Diese vier Männer hätten, so die Anklage, das Luftabwehr­system vom Typ Buk von der 53. Brigade der russischen Armee bei Kursk besorgt und den Transport über die Grenze geregelt.

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