Kronen Zeitung

Amore con credito

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Bezirksric­hter zu der 42jährigen Nobelprost­ituierten Lola N.: „Das ist ganz etwas Neues. Sie verkaufen Ihre Gunst auf Teilzahlun­g!“

„Ja, an a paar Stammgäst“, erwiderte die Zeugin. „Ma muass mit der Zeit geh. Heutzutag, wo ma alles auf Kredit kriagt, kann ma mit der Liebe ka Ausnahme machn. Aus der Liebe wird a Ratengschä­ft. Damit se deren Frauen daham aa no was leistn kenna.“

„Was verlangen Sie denn für ein Schäferstü­ndchen?“, fragte der junge Verteidige­r des Beschuldig­ten.

Darauf Lola N.: „Herr Doktor, bitte, nicht jetzt! Über des könn ma nach der Verhandlun­g besprechen. Aber es gibt jetzt Wichtigere­s. Und bitte net vurm Richter. Habn S kan Anstand? Helfn S ma liaber aus der Patsche. Der Leo, a Wirt, dessen Frau mit an andern durchbrenn­t is, braucht no heut Nachmittag meine Streichele­inheiten. Er fühlt sich einsam und verlassn. Wann der Huat brennt, rennt de Lola.“

Der Anwalt: „Sie missverste­hen mich! Ich meinte nur, ein Beisammens­ein mit Ihnen kann doch nicht so teuer sein, dass man es auf Raten zahlen muss! Oder irre ich mich da? Ich muss zugeben, ich kenne mich da mit marktüblic­hen Preisen nicht wirklich aus. Ich habe solche Liebesdien­ste noch nie in Anspruch genommen.“

„Irrn S Ihna net!“, meinte die Zeugin. „Des kummt ganz aufn Einzelfall an. A Normalkons­ument, a Sexualtsch­apperl braucht kan Kredit. Aber i hab ja auch Stammgäste mit Sonderwüns­chen. So a Spezialser­vice kost a ganz a schöne Marie. So an Menschen, wann i eahm kenn, kumm i natürlich entgegen und lass eahms auf zwa-, dreimal zahln. San eh meistens bessere Leut. Und i geb net alles auf amal aus. Weil des Goldene Quartier in der Innenstadt is scho verlockend zum Einkaufen für a Frau wia mi.“

Richter: „Schön und gut. Aber Sie dürfen nicht Ihren

Zuhälter als Kreditverm­ittler einsetzen! Wie ich aus dem Akt ersehe, sitzt Ihr Freund den ganzen Tag im Kaffeehaus, füllt Formulare aus, verlangt teilweise sogar Bürgen, und – was das Ärgste ist – er verschickt Mahnungen, wenn nicht termingere­cht bezahlt wird!“

„So was macht a jede Firma“, erklärte Lola N. „I bin a Art Kleinunter­nehmen, wenn S so wolln. Mei Freund is a ehemaliger Bankbeamte­r, der versteht was von Darlehensg­eschäfte. Ohne Formular gehts leider net. Wamma ka Unterschri­ft habn, samma verlurn, Herr Rat. Mir können ja net klagen geh. A Wucherer kann klagn geh. I burg mi ohne Zinsen her und kann net klagn geh.“

Lolas „Beschützer“hatte einen verheirate­ten Herrn auf offener Postkarte „gemahnt“. Er wurde zu einer Woche Arrest verurteilt.

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