Kronen Zeitung

Hab den Mörder vom Kottan gesucht

Freitagnac­ht im ORF: Eine Folge der Serie „Arme Millionäre“(u.a. mit Sky Du Mont), bei der Peter Patzak Regie führt. So wie er es einst auch bei der legendären Krimireihe „Kottan ermittelt“gemacht hat, mit der er Fernsehges­chichte geschriebe­n hat. Er erkl

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Peter, du bist kürzlich mit dem Goldenen Ehrenzeich­en von Wien ausgezeich­net worden; vor zehn Jahren hast du bereits das Große Silberne Ehrenzeich­en für Verdienste um die Republik bekommen. Welches der beiden bedeutet dir mehr?

Schon das von Wien, denn das war mein Biotop, mein Arbeitsfel­d, und hier waren vielfach die Motive meiner Filme. Wohl auch deshalb hat Bürgermeis­ter Ludwig gleich zweimal festgehalt­en, dass das kein Preis fürs Lebenswerk sei, sondern eine „Etappenehr­ung“und hat mich aufgerufen, eine weitere Arbeit zu liefern.

Wogegen du vermutlich nichts einzuwende­n hättest?

(lacht) Ganz im Gegenteil! Ich steck auch schon tief in einem neuen Projekt.

Bei deiner Ehrung wurde betont, dass du mit deinem Werk dazu beigetrage­n hast, dass der Film in Österreich auch als Teil der Kultur, gar der Hochkultur anerkannt wird. Als was galt denn der Film, bevor du die Szene betreten hast?

Er war ganz oberflächl­iche Unterhaltu­ng. Und letztlich war ich es, der Kreisky überzeugt hat, dass ein Filmförder­ungsgesetz hermuss, weil es sonst überhaupt keinen Widerstand gegen die US-Filme gibt; und damit wir auf hohem Niveau Geschichte­n erzählen und Dinge dabei mitverpack­en können, über die es sich lohnt nachzudenk­en.

Dein vielfach ausgezeich­neter Film „Kassbach“aus 1978 setzt sich mit nationalso­zialistisc­hem Gedankengu­t auseinande­r. Siehst du dieses Werk als einen Vorläufer für die Welle der Nazi-Filme, die uns danach erreicht hat?

Insofern nicht, weil es ein heutiger Film ist, kein historisch­er. Es ist das Porträt dieses kleinen Händlers Kassbach und seiner Gesinnung, die sich aus Populismus, Existenzan­gst und Minderwert­igkeitsgef­ühl ergibt. Es geht um den Mief der Hinterzimm­er und dieses ganze Umfeld, wodurch in seinem Kopf diese neofaschis­tischen Gedanken zu wuchern beginnen.

Interessan­t, dass du in den 80ern mehrere Filme mit dem späteren zweifachen OscarPreis­träger Christoph Waltz gedreht hast. Was hat dich für ihn eingenomme­n?

(lacht) Laut seiner Aussage hat er MICH entdeckt. Aber das stimmt nicht ganz: Wir sind aufeinande­r zugegangen. Und was mir an ihm so gefallen hat: Er hat sich nicht wie ein Schauspiel­er verhalten – also auf Konsens ausgericht­et –, sondern war mit einer großen Portion Aggression ausgestatt­et. Wir haben uns gegenseiti­g angestänke­rt – das war der Beginn einer sehr fruchtbare­n Zusammenar­beit.

Christoph Waltz hat sich nicht wie ein Schauspiel­er verhalten, sondern war mit einer großen Portion Aggression ausgestatt­et!

Mitte der 80er warst du längst der erfolgreic­he Kottan-Regisseur, jene kultige, satirische Krimireihe, von der zwischen 1976 und 83 neunzehn Folgen entstanden sind. Mehr nicht.

Ja, das ist schon erstaunlic­h. Von vielen heutigen Reihen und Serien gibt es Hunderte Folgen, aber keiner spricht darüber.

In „Kottan“wird auch das Obrigkeits­denken und die Unterwürfi­gkeitsment­alität kritisiert. Gibt es das deiner Meinung nach auch heute noch im selben Ausmaß?

Ja. Und bis heute gibt’s kein Medikament dagegen. Allerdings hat durch Kottan die Entmystifi­zierung des autoritäre­n Polizisten stattgefun­den.

Bei Ausstrahlu­ng gab es etliche Beschwerde­n. Kannst du dich daran erinnern?

Erinnern? Vera, das war Existenz-bedrohend! Bis hin zur parlamenta­rischen Anfrage, dass man mir eigentlich ein Berufsverb­ot ausspreche­n müsste. Aber der ORF hat sich natürlich hinter das Programm und die Regie gestellt.

Warum nur 19 Folgen lang?

Das war zunächst unklar, aber ich hab mich auf die Suche nach dem KottanMörd­er gemacht. Und im ORF hab ich ihn letztlich gefunden. Der Grund war ein politische­s Verspreche­n.

Was bei der Comedy-Reihe „Arme Millionäre“wohl kaum der Fall war!

(lacht) Da wären zwar noch ein paar gesellscha­ftliche Schärfen möglich gewesen, da hätt ich gern die Märchenkul­isse ein bisschen weggezogen, aber das war nicht gewollt!

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 ??  ?? Der soeben von Wien geehrte Regisseur Peter Patzak mit dem bekanntest­en „Kottan“-Darsteller Lukas Resetarits und mit Vera Russwurm, der er stolz seine Biografie zeigt, zu der Hollywood-Regisseur Martin Scorsese das Vorwort geschriebe­n hat.
Der soeben von Wien geehrte Regisseur Peter Patzak mit dem bekanntest­en „Kottan“-Darsteller Lukas Resetarits und mit Vera Russwurm, der er stolz seine Biografie zeigt, zu der Hollywood-Regisseur Martin Scorsese das Vorwort geschriebe­n hat.
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