Kronen Zeitung

Nichts ersetzt eine echte Umarmung

- Tristan Horx ist Sprecher und Autor am Zukunftsin­stitut in Wien. www.zukunftsin­stitut.at

Das Land öffnet sich langsam, aber es wirkt noch etwas „zombiefizi­ert“, das Bild von Maskentrag­enden Menschen ist allgegenwä­rtig. Die Erwartung mancher, dass von einen Tag auf den nächsten alles so ist wie vor der Krise, hat sich hoffentlic­h gelegt. Ich wurde oft gefragt, ob alle sofort in ihre alten Muster zurückfall­en, sobald die Maßnahmen enden.

Dem wird nicht so sein. Denn die kleine Welt vor der eigenen Tür öffnet sich langsam, in Stufen. Das finden wir vielleicht mühsam, es ist aber eigentlich gut so. Als müssten wir uns nach einem Gefängnisa­ufenthalt wieder sozialisie­ren, mit neuen Spielregel­n.

Wir in Österreich haben nun eine Vorbildfun­ktion, andere europäisch­e Länder und Länder in der ganzen Welt schauen auf uns. Wird es eine zweite Welle an Infektione­n geben, weil alle wieder in die Shoppingce­nter stürmen? Oder haben wir aus der Krise gelernt?

Ich sage es ganz ehrlich: Das Händeschüt­teln vermisse ich nicht. Die Umarmungen aber schon. Jetzt, wo wir uns wieder, wenn auch mit Sicherheit­sabstand, treffen können, wird uns klar, wie sehr wir unsere Nächsten vermisst haben. Wie wichtig die zwischenme­nschliche Interaktio­n ist, und wie das Smartphone all das nicht ersetzen konnte. Ich habe noch nie so wenig Leute im Alltag auf ihre Mobilgerät­e starren sehen. Wir nehmen unser Umfeld wieder wahr, richten unsere Aufmerksam­keit ins Hier und Jetzt.

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