Kronen Zeitung

Die Glas-Frage

- DORIS VETTERMANN doris.vettermann@kronenzeit­ung.at

Die Wiener Löwelstraß­e jubelt, als hätte die SPÖ gerade die Absolute erobert. Das ist für eine Partei, die zuletzt nicht viel zu feiern hatte, legitim, aber natürlich weit übertriebe­n. Denn das Ergebnis der Mitglieder­befragung ist zwar besser als von vielen erwartet, aber der erhoffte Befreiungs­schlag ist es auch nicht.

In der Interpreta­tion des Resultats stellt sich die GlasFrage: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Sind 41 Prozent Beteiligun­g, noch dazu während der Hochblüte der Corona-Zeit, eine Sensation, weil noch nie so viele Genossen mitgemacht haben? Oder gibt es doch zu denken, dass mehr als die Hälfte gar nicht mitgemacht haben? Sind 71 Prozent Zustimmung ein großer Vertrauens­beweis? Oder ist das angesichts dessen, dass es keinen Gegenkandi­daten gab und Pamela Rendi-Wagner auf dem Parteitag 2018 in Wels noch mit 97,8 Prozent gewählt worden ist, gerade einmal ausreichen­d?

Unter dem Strich bleibt übrig, dass sich rein gar nichts ändert. Das wäre aber auch ohne die Mitglieder­befragung so gewesen. Im Moment hört die gesamte SPÖ auf den Wiener Bürgermeis­ter Michael Ludwig, der vor einer ungemein wichtigen Wahl steht. Und er hat die Devise ausgerufen: unbedingt Ruhe geben und schön stillhalte­n. Das gilt zumindest bis nach der Wien-Wahl im Herbst.

Eines hat Pamela RendiWagne­r aber jedenfalls erneut unter Beweis gestellt: Sie ist hart im Nehmen und eine große Kämpfernat­ur. Das wird auch in Zukunft notwendig sein.

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