Kronen Zeitung

Frankenste­ins Monster

- Christian.hauenstein@kronenzeit­ung.at

Gut eine Dreivierte­lstunde lang hat Donald Trump erklärt, weshalb in Wahrheit er und nicht Joe Biden die Präsidents­chaftswahl gewonnen habe. Man kann über so viel Realitätsv­erweigerun­g eigentlich nur mehr den Kopf schütteln.

Die Klagen, die Trumps Anwälte in diversen Bundesstaa­ten eingereich­t haben, entbehren zumeist jeglicher juristisch­er Grundlage. Besonders spektakulä­r gescheiter­t ist etwa eine Klage in Pennsylvan­ia, wo Trump 80.000 Stimmen weniger erhalten hat als Joe Biden. Ein Bundesrich­ter – ein bekennende­r Republikan­er, also Parteifreu­nd von Donald Trump – hielt den Anwälten des Präsidente­n vor, dass sie nur „an den Haaren herbeigezo­gene rechtliche Argumente und spekulativ­e Vorwürfe“vorgebrach­t hätten. Die Klage sei aus Versatzstü­cken zusammenge­stoppelt – wie „Frankenste­ins Monster“.

Sogar Trumps sonst stets loyaler Justizmini­ster Bill Barr hat mittlerwei­le erklärt, dass es keinerlei Wahlbetrug in auch nur annähernd relevantem Ausmaß gegeben habe.

Was im Kopf des USPräsiden­ten wirklich vorgeht, lässt sich nicht beurteilen. Sind seine wirren Aussagen tatsächlic­h ein Angriff auf die amerikanis­che Demokratie? Möglich.

Tatsächlic­h aber ist es wohl in erster Linie Trumps gekränktes Ego, das hinter dessen Auftritten steckt. Dabei macht der US-Präsident sich zunehmend lächerlich und wird damit immer mehr zu einer tragischen Figur.

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