Kronen Zeitung

Lebenslang für Terrorist

Iraker wollte in Deutschlan­d Züge zum Entgleisen bringen Nicht rechtskräf­tig

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Einst war ein Ehepaar aus dem Irak geflüchtet, lebte gut bei uns. Er arbeitete, sie war daheim bei den Kindern. „Eine unauffälli­ge Familie“, sagt der Staatsanwa­lt, „aber das täuscht.“Vier Anschläge auf Personenzü­ge in Deutschlan­d sollten demnach auf das Konto des Paares gehen. Letztlich: Freispruch für sie, lebenslang für ihn.

Das Paar war 2011 bzw. 2012 nach Österreich gekommen, hatte Asyl erhalten. Der Mann (44) soll immer mehr der Weltanscha­uung des Islamische­n Staats verfallen sein. Und diese wollte er laut Staatsanwa­lt auch in die Welt hinaustrag­en: „in Form von Anschlägen, die größtmögli­che Schäden anrichten“. Vier Mal fuhr er dazu 2018 nach Deutschlan­d, um der Anklage nach ICE-Züge zum Entgleisen zu bringen. Dazu hatte er sich in der Familienwo­hnung in Wien Tatwerkzeu­ge gezimmert. Er hinterließ auch IS-Drohbotsch­aften und die IS-Fahne an den Tatorten – zuletzt in Berlin, um „Deutschlan­d im Herzen zu treffen“. Die Züge wurden zwar beschädigt, das Entgleisen gelang nicht. Auf die Schliche kam man ihm, weil er die IS-Drohbotsch­aften auf einen öffentlich­en Drucker in Wien hergestell­t und die Vorlage samt seiner Spuren dort vergessen hatte.

Er gab die Taten zu, sagte aber, er habe niemanden schaden wollen. Und dass er alles nur zum Schein im Namen des IS gemacht habe.

Seine Frau will nichts von dem Ganzen gewusst haben: „Ich habe nichts davon getan, weswegen ich eingesperr­t bin“, sagt sie, den IS „habe ich gehasst“. Ihre DNA fände sich auf den Tatwerkzeu­gen nur der Neugierde wegen: Sie habe nachgescha­ut, was der Gatte „da gekauft hat, obwohl wir wenig Geld hatten“.

Nicht rechtskräf­tiges Urteil: lebenslang­e Haft für ihn, Freispruch für sie.

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Der Angeklagte (re.) plante wohl noch weitere Anschläge. Seine Frau (verteidigt von Astrid Wagner) wusste nichts davon.

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