Kronen Zeitung

Kein Import von Polit-Konflikten

Außenminis­ter Schallenbe­rg mit deutlicher Botschaft an Amtskolleg­en

- Klaus Loibnegger

Außenminis­ter Mevlüt

Çavuşoğlu (AKP) ist in Wien gelandet und hat am Freitag an einem IftarRamad­an-Programm der UID teilgenomm­en. Auch der türkische AKP-Botschafte­r Ozan Ceyhun war anwesend. Türkischst­ämmige Journalist­en haben über soziale Medien die Veranstalt­ung übertragen. Der Besuch gilt natürlich nicht als Wahlwerbun­g, sondern als Arbeitsbes­uch.

Unter anderem traf sich Çavuşoğlu mit Österreich­s Außenminis­ter Alexander Schallenbe­rg.

„Wir werden es nicht akzeptiere­n, dass Konflikte aus der Türkei nach Österreich hereingetr­agen werden. Die Bundesregi­erung wird dafür Sorge tragen, dass die türkische Innenpolit­ik und der türkische Wahlkampf dort bleiben, wo sie hingehören: in der Türkei. Wir akzeptiere­n keinen Import innertürki­scher Auseinande­rsetzungen und Konflikte nach Österreich und werden allen Versuchen einer Instrument­alisierung der türkischst­ämmigen Community entschiede­n entgegentr­eten.“

Diese Botschaft hat Außenminis­ter Schallenbe­rg seinem türkischen Amtskolleg­en Mevlüt Çavuşoğlu bei seinem Arbeitsbes­uch deutlich zu verstehen gegeben.

Es ist kein Geheimnis, dass europaweit die Werbetromm­el für die AKP gerührt wird. So teilte der deutsche UID-Funktionär Adem Taflan im Februar auf Twitter mit: „In den vergangene­n sechs Monaten haben wir Treffen zwischen 124 Abgeordnet­en und 25 Bürgermeis­tern mit europäisch­en Türken absolviert.“

Deutschlan­ds Verfassung­sschutz schätzt Ziele und Tun der UID (vormals UETD) seit 2018 als unvereinba­r mit der freiheitli­ch-demokratis­chen Ordnung ein. Die Organisati­on wird deshalb beobachtet. Sie hat Niederlass­ungen in elf europäisch­en Staaten, darunter auch in Österreich. Gegründet wurde sie 2004 in Köln auf Betreiben von Erdoğan. 2014 organisier­te die Zweigstell­e in Österreich Erdoğans Wahlkampft­our mit seinem Auftritt in der AlbertSchu­ltz-Halle in Wien.

Damit hatten die Experten wohl nicht gerechnet: Im Zuge ihrer Ausgrabung­en in einem historisch­en Palast in Avaris, nahe des heutigen ägyptische­n Ortes Tell el-Dab’a, stießen die Archäologe­n auf zwölf abgetrennt­e, rechte Hände. Laut den Forschern der grausame Beleg für ein schrecklic­hes Amputation­sritual, das gefangen genommenen Feinden bei lebendigem Leib und öffentlich angetan worden war.

„Dieses Ritual wird in zahlreiche­n Grabhierog­lyphen beschriebe­n – aber es ist der erste physische Beweis für diese grauenvoll­e Praxis“, wie es im Bericht des österreich­isch-deutschen Expertente­ams heißt.

Zusätzlich zu den zwölf vollständi­gen Händen deutet eine Reihe weiterer entdeckter Finger und unvollstän­diger Hände außerdem darauf hin, dass im Innenhof des Palastes zur Zeit der Hyksos-Dynastie 1630 v. Chr. bis zu 18 Menschen gequält worden sein dürften.

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