Kronen Zeitung

Die „Crowd“, die sich ins Ausland traut

Die heimische Investment-Plattform CONDA steigt heuer in weitere Märkte ein und will Nummer 1 in Europa werden

- Vergil Siegl

Meiner Großmutter habe ich auch zehnmal erklären müssen, was wir tun“, sagt Daniel Horak, Chef und Haupteigen­tümer der Wiener Crowdinves­tingPlattf­orm CONDA. Was komplizier­t klingt, ist in Wahrheit einfach: Über CONDA sammeln Unternehme­n online Mittel von vielen Kleinanleg­ern ein, um zu expandiere­n oder Projekte zu finanziere­n.

Vorteil für die Firmen: Sie erhalten Geld, das als eigenkapit­alähnlich angesehen wird und die Banken-Kreditlini­en nicht belastet. Vorteil für die Anleger: Sie können kleine Beträge investiere­n und – freilich bei höherem Risiko – im Idealfall viel mehr verdienen als am Sparbuch. Horak: „Man ist schon ab hundert Euro mit dabei.“Erstes Projekt der Firma CONDA, die seit zehn Jahren auf dem Markt aktiv ist, war das niederöste­rreichisch­e Start-up Wohnwagon, das heute jährlich 50 nachhaltig­e, autarke „Tiny Houses“und Modulhäuse­r baut. Die Falkenstei­ner Michaeler Tourism Group konnte 2022 dank Crowdinves­ting in sieben Monaten 14,6 Mio. € einsammeln, die Firma oekostrom AG holte sich 12,6 Mio €. Horak: „Beim SK Rapid haben wir das Stadion mitfinanzi­ert, da ist das Darlehen bereits vollständi­g zurückgeza­hlt.“

In Summe wurden mehr als 270 Projekte mit über 170 Mio. € finanziert. In Zukunft soll es, so Horak, noch viel mehr werden:

„Wir wollen am europäisch­en Markt wachsen. Aktuell sind wir auch schon in Deutschlan­d und in der Schweiz vertreten und werden in diesem Jahr noch in weiteren drei bis vier europäisch­en Ländern starten.“

Aufgrund von nationalen Gesetzen konnten Crowdinves­ting-Plattforme­n bisher schwer außerhalb des eigenen Landes aktiv sein. Doch seit Ende letzten Jahres ermögliche­n es neue EURegulato­rien, eine Lizenz zu erwerben und das Service in ganz Europa anzubieten. „Wir sind gerade bei der Finanzmark­taufsicht im Lizenzieru­ngsprozess“, sagt Horak. Sein Ziel: „Wir wollen einer der größten Anbieter in Europa werden und mittelfris­tig 500 Millionen Euro Finanzieru­ngsvolumen verwalten!“

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