Kronen Zeitung

Der Kampf um die Singles

Partnerver­mittler im Web buhlen um zwei Millionen Alleinsteh­ende auf ihrem Weg zur großen Liebe

- Peter Stadlmülle­r

Jede fünfte Beziehung in Österreich ist online entstanden, „in den letzten beiden Jahren waren es 51 Prozent, die sich im Internet kennengele­rnt haben“, weiß Martin Dobner, Österreich-Chef von Dating-Marktführe­r Parship. Die Partnerver­mittler kämpfen um eine größer werdende Zahl an Singles – zwei Millionen Österreich­er, fast 30 Prozent, haben keine bessere Hälfte.

Dating-Apps bei jungen Menschen sehr beliebt

Wer auf der Suche ist, kann einerseits auf Apps wie Lovoo und Tinder vertrauen, zwischen Fotos swipen („wischen“) und ein Match finden, sollte der andere auch ein „Like“vergeben haben. Neben Gratisvers­ionen gibt es Premium-Abos, sie kosten zwischen 10 und 20 Euro monatlich. Lovoo hat im deutschspr­achigen Raum mehrere Millionen vor allem junge Nutzer. Daneben ist Tinder erfolgreic­h, wobei der Hype abflachte, auch an der Börse: Die Aktie der „Match Group“verlor in einem Jahr 64 Prozent.

„Die Nachfrage hat sich nach Corona etwas reduziert. Es fehlen die Nutzer, die sich auf Dating-Apps während der Lockdowns zur reinen Unterhaltu­ng eingefunde­n haben“, so Ina Szlosze vom Singlebörs­envergleic­h. Auf Tinder und Lovoo haben sich auch schon viele Paare kennengele­rnt, teils geht es aber um lockerere Liebschaft­en und den einen oder anderen One-Night-Stand. Wer nur an Ernsthafte­m Interesse hat, geht oft lieber zu Parship und Co.

Ältere suchen nach ernsten Beziehunge­n

„Wir merken, dass die Leute weniger swipen wollen und ernsthafte Beziehunge­n suchen. Slow Dating ist im Trend, man will sich besser kennenlern­en“,

so Dobner, der vor allem die Generation 30+ anspricht. Szlosze: „Bei den über 50-Jährigen hat das Interesse an OnlineDati­ng deutlich zugenommen.“Ein Abo bei Parship ist kostspieli­ger: bei sechsmonat­iger Bindung 75 Euro monatlich, bei zweijährig­er Bindung 35 Euro. Achtung: Wer rasch seine Liebe findet, muss weiter zahlen.

Weil der Markt so umkämpft ist, gibt es immer mehr Anbieter. Der Trend zum Casual Dating für erotische Abenteuer etwa sei ungebroche­n, so Expertin Ina Szlosze.

Nischen für Singles mit speziellen Wünschen

„Aber auch Nischen-Portale sind beliebt“, sagt Szlosze. Allen voran Angebote für Homosexuel­le wie Romeo oder Plattforme­n für Sadomaso-Liebhaber. Auch ausgefalle­nere Angebote sind erfolgreic­h: etwa Dich-mitStich für tätowierte Singles, dogs-2-love.at für Hundebesit­zer oder KathTreff für besonders Fromme. Sogar Veganer haben eigene Dating-Seiten, ebenso Landwirte.

Originell ist zudem der „Schlussmac­her“Peter

Treichl. Er hilft Männern und Frauen, die ihrem Partner den Laufpass geben wollen, die enttäusche­nde Botschaft zu überbringe­n. Sollte der frische Single dann gleich einen neuen Partner suchen, ist Treichl aber auch mit seiner Partnerver­mittlung zur Stelle, ein Gutschein ist beim „Schlussmac­h-Angebot“um 390 Euro dabei.

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