Span­nen­de Wahl im Nach­bar­land Bay­ern

ist mehr als ein Fuß­ball­klub. Es ist das größ­te Bun­des­land in Deutsch­land mit den zweit­meis­ten Wäh­lern. Des­halb kommt der heu­ti­gen Land­tags­wahl bei un­se­ren Nach­barn gro­ße Be­deu­tung zu. Eben­so span­nend sind die Ver­glei­che mit Ös­ter­reich.

Kronen Zeitung - - News -

Fast 9,5 Mil­lio­nen bay­ri­sche Wahl­be­rech­tig­te dür­fen ih­re Stim­me ab­ge­ben. Das sind rund drei Mil­lio­nen mehr als in Ös­ter­reich. Auch die Par­tei­en­viel­falt ist mit 23 zur Wahl ste­hen­den Lis­ten viel grö­ßer als bei uns. Gleich­zei­tig ist je­doch Bay­ern so­zu­sa­gen das Nie­der­ös­ter­reich der Deut­schen.

So wie die dor­ti­ge ÖVP Wah­len über­le­gen ge­winnt, herrscht im Land­haus in Mün­chen de­ren Mit­te­Rechts- Schwes­ter­par­tei CSU mit gro­ßer Mehr­heit. Zu­letzt er­hielt man fast 50 Pro­zent der Stim­men und stell­te 90 der 180 Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten. 2003 wa­ren es gar über 60 Pro­zent und 124 Par­la­men­ta­ri­er ge­we­sen.

Das muss man wis­sen, um bes­ser zu ver­ste­hen, war­um Um­fra­ge­da­ten um 35 Pro­zent und dar­un­ter für die CSU als Ka­ta­stro­phe gel­ten. Je­de ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­par­tei wür­de so ein Er­geb­nis be­ju­beln, doch für Mi­nis­ter­prä­si­dent und Spit­zen­kan­di­dat Mar­kus Sö­der zählt nur die ab­so­lu­te Macht.

Es ist nicht so, dass im kon­ser­va­ti­ven Bay­ern die Zahl der Lin­ken zu­ge­nom­men hat. Den So­zi­al­de­mo­kra­ten droht ein De­ba­kel im viel­leicht ein­stel­li­gen Er­geb­nis­be­reich. Doch die Rech­te teilt sich in CSU, AfD und die Lis­te „ Freie Wäh­ler“– auch die bei­den Letzt­ge­nann­ten lie­gen klar über 10 Pro­zent – auf. Als ge­lern­te Ös­ter­rei­cher wis­sen wir aus der Ge­schich­te von FPÖ, BZÖ, Team Stro­nach & Co., dass ei­ne Zer­split­te­rung der rech­ten Par­tei­en häu­fi­ger vor­kommt. Die Fra­ge der Fra­gen in Bay­ern ist da­mit je­ne der mög­li­chen Ko­ali­tio­nen nach der Wahl. Laut ZDFPo­lit­ba­ro­me­ter will un­ab­hän­gig vom Wah­l­er­geb­nis we­ni­ger als ein Drit­tel der Bay­ern wei­ter­hin ei­ne CSUAl­lein­re­gie­rung. Mehr als je­der Zwei­te fän­de das schlecht.

Am be­lieb­tes­ten wä­re – wie bei uns im na­he­ge­le­ge­nen Ti­rol und Vor­arl­berg der Fall – ei­ne schwarz- grü­ne Ko­ali­ti­on. Be­mer­kens­wert ist näm­lich, dass die Grü­nen, ganz an­ders als bei uns, Um­fra­ge­wer­te von klar über 15 Pro­zent ha­ben. Zweit­wunsch wä­re ein wohl rech­ne­risch un­mög­li­ches Bünd­nis von CSU und Frei­en Wäh­lern.

Drei­er­va­ri­an­ten sind denk­bar, aber schwie­rig. Mit der AfD will nie­mand ko­alie­ren, wo­durch die­se ih­re Wäh­ler mit dem Auf­schrei „ Aus­gren­zung!“leich­ter bei der Stan­ge hält. Wie frü­her die FPÖ bei uns. Und noch ei­ne Ge­mein­sam­keit: Als ak­tu­ell wich­tigs­tes Pro­blem in Bay­ern nen­nen die Wäh­ler das The­ma Flücht­lin­ge, was rech­ten Par­tei­en hilft.

Mar­kus Sö­der und Horst See­ho­fer ( re.): Heu­te St­un­de der Wahr­heit für die CSU.

Pe­ter Filzmaier ist Pro­fes­sor für Po­li­tik­wis­sen­schaft an der Do­nau- Uni­ver­si­tät Krems und der Karl- Fran­zens- Uni­ver­si­tät Graz.

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