Wie lan­ge blei­ben Sie Kanz­ler, Herr Kurz?

Kronen Zeitung - - Interview -

Die Kür­zung der Min­dest­si­che­rung ver­grö­ße­re die Ar­mut in die­sem Land. Macht Sie so was nach­denk­lich?

Ich ver­su­che im­mer, mei­ne ei­ge­ne Po­li­tik auch zu hin­ter­fra­gen, aber bei der Kür­zung der Min­dest­si­che­rung für Zu­wan­de­rer bin ich fel­sen­fest da­von über­zeugt, dass das der rich­ti­ge Weg ist. Wenn man Men­schen 850 Eu­ro pro Mo­nat über­weist und sie mit ein paar St­un­den Pfu­schen auf mehr kom­men, als sie in ei­nem Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis ver­die­nen kön­nen, dann ist das ein ab­sur­des Sys­tem. Es lädt nicht da­zu ein, ar­bei­ten zu ge­hen, es lädt da­zu ein, in der Min­dest­si­che­rung zu ver­har­ren, und das ist Gift für die Gesellschaft.

Stimmt es, dass Sie auch über­le­gen, aus dem glo­ba­len Mi­gra­ti­ons­pakt der UNO aus­zu­stei­gen?

Der Pakt ist noch nicht ab­ge­schlos­sen, das heißt, man kann noch nicht aus­stei­gen. Die Fra­ge ist, in wel­cher Art und Wei­se und ob wir ein­stei­gen. Und da ist für uns klar, dass wir die Sou­ve­rä­ni­tät Ös­ter­reichs auf­recht­er­hal­ten und si­cher­stel­len wol­len, dass wir in Mi­gra­ti­ons­fra­gen auch selbst ent­schei­den kön­nen.

Sie sind mit 32 Jah­ren auf der Welt­büh­ne zu Hau­se. Wenn Sie ganz ehr­lich sind: Ha­ben Sie nie das Ge­fühl, et­was zu ver­säu­men im Le­ben?

Ich ha­be das Ge­fühl, dass ich ei­ne sehr, sehr, sehr in­ten­si­ve Auf­ga­be ha­be. Aber ich bin ein sehr glück­li­cher und zu­frie­de­ner Mensch. Ich ha­be ein schö­nes Pri­vat­le­ben, ich füh­le mich in mei­ner Fa­mi­lie ge­bor­gen und ha­be gu­te Freun­de. Na­tür­lich bleibt bei ei­ner so her­aus­for­dern­den Auf­ga­be et­was we­ni­ger Zeit für das Pri­va­te, aber ich ha­be es mir selbst aus­ge­sucht. Und es wird noch an­de­re Pha­sen in mei­nem Le­ben ge­ben.

Träu­men Sie nie da­von, mehr Zeit zu ha­ben?

Na­tür­lich gibt es Mo­men­te, in de­nen ich lie­ber durch­schla­fen wür­de, als ge­wis­se Ver­pflich­tun­gen zu er­fül­len, die nicht im­mer hun­dert­pro­zen­tig Freu­de ma­chen. Und wenn ich oft­mals bis um eins oder zwei in der Nacht im Bü­ro sit­ze, den­ke ich schon manch­mal dar­über nach, dass es schön wä­re, jetzt schon schla­fen zu ge­hen. Aber in Sum­me ist es ei­ne wun­der­schö­ne Tä­tig­keit, und ich bin dank­bar, dass ich den Men­schen in Ös­ter­reich und der Re­pu­blik die­nen darf.

Wie lan­ge blei­ben Sie Kanz­ler?

Das hängt na­tür­lich von den Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­chern ab. Ich möch­te so lan­ge in der Po­li­tik tä­tig sein, so­lan­ge ich das Ge­fühl ha­be, ei­nen Bei­trag leis­ten zu kön­nen.

Der längst­die­nen­de Kanz­ler, Bru­no Kreis­ky, war 13 Jah­re lang im Amt. Wenn Sie so lan­ge blei­ben, wä­ren Sie erst 45.

Wir wer­den se­hen. Jetzt ste­he ich ein­mal ganz am Be­ginn der ers­ten Pe­ri­ode.

Könn­ten Sie sich ei­ne zwei­te Pe­ri­ode vor­stel­len?

Um Ös­ter­reich nach­hal­tig zum Po­si­ti­ven zu ver­än­dern, braucht man schon Zeit. Wir sind zwar mit sehr viel Tem­po dran, aber es gibt auch noch vie­le Pro­jek­te, die auf uns war­ten.

Was kommt dann? In ei­nem un­se­rer In­ter­views ha­ben Sie ge­sagt, dass Sie nicht ewig in der Po­li­tik blei­ben wol­len.

Um ehr­lich zu sein, ha­be ich kei­ne Zeit, dar­über nach­zu­den­ken. Ich tu das auch nicht, weil ich ger­ne im Hier und Jetzt le­be. Ge­dan­ken ma­che ich mir dar­über, wie Ös­ter­reich in 20, 30 Jah­ren da­ste­hen soll und wel­chen Bei­trag ich da­für ge­leis­tet ha­be, nicht, was ich da tun wer­de. Ich ha­be mich ir­gend­wann vom Ge­dan­ken ver­ab­schie­det, dass man das Le­ben wirk­lich pla­nen kann.

Stich­wort Pla­nung: Ist es in­dis­kret, Sie zu fra­gen, ob bei Ih­nen und Ih­rer Freun­din bald ei­ne Hoch­zeit ins Haus steht?

Es ist nicht in­dis­kret zu fra­gen, aber ich den­ke doch, dass ich das eher mit mei­ner Freun­din be­spre­che als mit der „ Kro­ne“.

Nach dem Ter­min be­glei­tet Se­bas­ti­an Kurz mich bis hin­un­ter zum Ball­haus­platz. „ Ich hab mich wirk­lich ge­freut“, sagt er bei der Si­cher­heits­schran­ke und schüt­telt mir zum Ab­schied die Hand. Ein Blick zu­rück zeigt den Kanz­ler, wie er ganz al­lein wie­der über die Prunk­stie­ge hin­auf in sein Bü­ro geht.

Mit Con­ny Bi­schof­ber­mer: „ MAnch­mAl den­ke ich schon, es w, re schön, jetzt schlA­fen zu me­hen.“

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