Burg­thea­ter­deutsch

Kronen Zeitung - - Österreich -

Ibin

aa a Tier­freu nd“, sag­te Herr P. zu m Be­zirks­rich­ter. Aber der Ku lt, den der Herr Kan­derl mit sein Pa­pa­gei treibt, is a bis­serl zu groß. Des ver­wischt be­reits die Gren­zen zwi­schen Mensch u nd Tier. Wam­ma zu m Kan­derl in de Woh­nu ng ku mmt, könnt­ma glau bn, der Pa­pa­gei wohnt du rt u nd halt se in Kan­derl.

De gan­ze Woh­nu ng is ei­nem Ur­wald nach­ge­bil­det, es wird sehr stark ghazt, es herrsch­ta feu cht­war­me Lu ft, über­all leh­nen Bau mstäm­me u nd hän­gen Lia­nen obe, rie­si­ge Phi­lo­dend­ren sten­gan u mher, u nd da­zwi­schen kraxlt­der Pa­pa­gei u ma­du m. Der Kan­derl selbst hatse a Ka­bi­nett­freig­haltn, wird aber du rt be­reits ver­drängt, der Pa­pa­gei ku mmt­s­ehr oft­ei­ne u nd bringt se ver­schie­de­ne Uten­si­li­en mit.

I bin ja an sich gern du rt, des Gan­ze wirkt sehr exo­tisch, u nd über­hau pt­jetz­tin der Über­gangs­zeit is sehr schön warm. Da sitz i of­tau f an Bau mstamm u nd plau der mitan, wer halt­grad Zeit­hat, mitn Kan­derl oder mitn Pa­pa­gei. I mu­ass aber, wenn i du rt bin, Hoch­deu tsch redn, der Kan­derl legt sehr vül Wert drau f, dass der Pa­pa­gei ei­ne ge­pfleg­te Spra­che spricht. Weil der Vo­gel redt al­les nach, was er hört; das is ebn das Wesn ei­nes Pa­ga­geis. Das is au ch der Gru nd, wa­ru m i der­zeit mitn Kan­derl übers Kreu z bin.

I ku mm vu ri­che Wochn u me, sag: , Grüß Got­tall­seits, wie steht das wer­te Be­fin­den?’, al­les im Bu rg­thea­ter­deu tsch, nu r wegn dem Tier, ver­steck au ch die Zei­tu ng, weil der Kan­derl wüll net, dass der Vo­gel zvül über Süd- ame­ri­ka lesn tu at, des is sei Hei­mat, u nd da kria­g­ter viel­leich­tHeim­weh, tu a al­so alls, was der Vo­gel ver­langt– u nd der­s­teß mi aber lei­der über an Bau mstamm. Der bren­nen­de Schmerz am nar­rischn Ban hat­ma lei­der die Be­herr­schu ng gerau bt, u nd i hab zu m Flu achn angfangt. Im Schmerz. Vi­el­leich­ta Mi­nu tn, net­län­ger. Aber der Vo­gel hat so­fort de Ohrn gspitzt u nd hat se je­des Wurt gmerkt. Der Reiz des Neu en. Jetzt­flu - acht er in ganzn Tag u nd schreit­beim Fens­ter au ße.

Ich ha­be mich be­reit­er­klärt, mit­dem Tier zwecks see­li­scher Läu te­ru ng zu r Tier­seg­nu ng zu ge­hen, u nd wanns sei mu­ass, geh i aa vu rher miteahm beich­ten. Aber an Scha­den­er­satz we­gen Wert­ver­min­de­ru ng zahl i kann. Weil der Kan­derl ver­kau ft eahm ja so­wie­so net.“

Herr Kan­derl („ I leb jetzt­mi­tan Pül­cher zsamm!“) zog über Zu re­den des Rich­ters sei­ne Kla­ge zu rück.

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