Aboud

Kronen Zeitung - - Wien - con­ny. bi­schof­ber­ger@ kro­nen­zei­tung. at

Heu­te vor drei Jah­ren ha­be ich ei­nen Asyl­wer­ber bei mir auf­ge­nom­men. Aboud, 22, ge­flüch­tet aus Deir ezZor im Os­ten Sy­ri­ens. Sie­ben Mo­na­te teil­ten wir Kühl­schrank, Wasch­ma­schi­ne und WLAN, aßen ge­mein­sam Wei­zen­pi­ta mit sei­nem ge­lieb­ten Mt­ab­balMe­l­an­za­ni- Auf­strich, dis­ku­tier­ten über Frau­en­rech­te und den Ter­ror des Is­la­mi­schen Staa­tes. Noch heu­te pickt ei­nes je­ner far­bi­gen Post- its auf der Be­steck­la­de, mit de­nen Aboud Vo­ka­beln auf Deutsch, Ara­bisch und Eng­lisch lern­te. Zu­hau­se – bait – ho­me.

Dann ver­lor ich ihn aus den Au­gen, bis er mich die­se Wo­che über­ra­schend zu ei­nem sy­ri­schen Abend­es­sen ein­lud. War der gut­aus­se­hen­de jun­ge Mann im schö­nen dun­kel­ro­ten Man­tel, mit dem neu­en Haar­schnitt und dem Lä­cheln auf dem Ge­sicht wirk­lich Aboud? Da stand er, und es fühl­te sich ein biss­chen an wie das Wie­der­se­hen mit dem ver­lo­re­nen Sohn. Un­ser Jah­res­tag, ver­kün­de­te er fast fei­er­lich.

Sei­ne Er­folgs­sto­ry im Schnell­durch­lauf: Al­le Deutsch­kur­se in­klu­si­ve B2 ab­sol­viert. Land und Leu­te stu­diert. Be­ken­nen­der Mus­lim, der sich vor­stel­len könn­te, ei­ne An­ders­gläu­bi­ge zu hei­ra­ten. Job bei ei­ner Mo­de­ket­te, lei­der kei­ne An­stel­lung nach drei Mo­na­ten Pro­be­zeit. Jetzt wie­der auf der Su­che. 2019 will er ein Stu­di­um an der Mon­tan­uni Leo­ben be­gin­nen.

Hast du manch­mal Heim­weh? Aboud nimmt sich noch ei­nen Löf­fel vom ge­schmor­ten Lamm in Jo­ghurt­sau­ce. Je­den Tag, sagt er und zeigt mir ein Fo­to von sei­ner „ Yom“– sy­risch für Ma­ma. Da müs­sen wir bei­de wei­nen.

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