Hoff­nung

Kronen Zeitung - - Wien -

Ich lie­be den Ad­vent. Nicht der Punsch­hüt­ten we­gen oder der Christ­kindl­märk­te und nicht um all der weih­nacht­li­chen Stra­ßen­be­leuch­tung und der glit­zern­den Schau­fens­ter­de­ko­ra­ti­on wil­len.

Ich lie­be den Ad­vent, weil mir das War­ten ge­fällt, das War­ten auf das Ei­gent­li­che. Und das Ei­gent­li­che ist un­sicht­bar. Denn kei­ner un­ter uns hat je Gott ge­se­hen. Und doch ist die Zeit des Ad­vents die Zeit des War­tens auf die An­kunft Got­tes mit­ten in der Welt. Die Hoff­nung dar­auf, dass da ei­ner ist, der das War­ten lohnt. Denn die Hoff­nung braucht ei­nen Grund, die Hoff­nung braucht ein Ja.

Im Ad­vent, da war­ten wir auf die Fei­er des gro­ßen JA Got­tes zu sei­ner Welt, die im­mer wie­der im Nein, in der Hoff­nungs­lo­sig­keit zu ver­sin­ken droht. All das Sicht­ba­re, das uns in die Au­gen springt, kann ein Trug­bild sein. „ Hoff­nung, die man sieht, ist kei­ne Hoff­nung, denn was kann man hof­fen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hof­fen, was wir nicht se­hen, so war­ten wir dar­auf in Ge­duld“, schreibt der Apos­tel Pau­lus an die Rö­mer.

Im Ad­vent war­ten wir auf das Ei­gent­li­che, und das Ei­gent­li­che ist un­sicht­bar. Wer hat je die Lie­be ge­se­hen, wer die Weis­heit, wer das Mit­ge­fühl und wer die Hoff­nung? Was wä­re aber ein Le­ben oh­ne Hoff­nung und Lie­be, Geist und Em­pa­thie?

Das Le­ben kann schön sein und vol­ler Hoff­nung, auch wenn es so man­ches Mal der Ge­duld be­darf, dar­auf zu war­ten. Im Ad­vent lässt sich das War­ten üben.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.