„ Da setzt wohl das Hirn aus“

Top- Al­pi­nist Ro­land Ne­werk­la warnt vor un­ver­ant­wort­li­chen Ski- Aben­teu­ern:

Kronen Zeitung - - Österreich -

Er ist ge­prüf­ter Berg­füh­rer, Be­zwin­ger meh­re­rer Acht­tau­sen­der und ei­ner der bes­ten Al­pi­nis­ten des Lan­des. Auch als Uni- Do­zent und Psy­cho­lo­ge weiß Dr. Ro­land Ne­werk­la über die Ge­fah­ren der Schnee­mas­sen Be­scheid. Er sprach mit „ Kro­ne“- Re­dak­teur Mark Perry über das Ver­häng­nis der Pul­ver­schnee- Eu­pho­rie.

Herr Dr. Ne­werk­la, Ihnen ist als Berg­stei­ger kei­ne Gefahr fremd. Pla­nen Sie je­des Ri­si­ko bis ins letz­te De­tail?

Ich wä­ge wo­chen­lang da­vor ab und be­rei­te mich auch men­tal auf die Grenz­er­fah­rung vor. Das üb­ri­gens auch bei Tou­ren ins hei­mi­sche Hoch­ge­bir­ge.

Das tun der­zeit zahl­rei­che un­ver­ant­wort­li­che Frei­zeit­sport­ler, die trotz War­nung in ge­sperr­te Hän­ge ein­fah­ren oder trotz er­heb­li­cher La­wi­nen­ge­fahr ab­seits der Pis­ten ins Tal bret­tern, nicht?

Lei­der nein, denn da setzt wohl das Hirn aus. Wir spre­chen von ei­ner Art Pul­ver­schnee- Eu­pho­rie, die je­der von uns kennt, wenn die glit­zern­den Kris­tal­le nur so stau­ben und ei­nen ein­hül­len. Die­ses Er­leb­nis sei je­dem Na­tur­lieb­ha­ber ge­gönnt.

Aber die Freu­de an der un­be­rühr­ten Na­tur ist doch kein Grund, sein ei­ge­nes Le­ben aufs Spiel zu set­zen.

Na­tür­lich nicht. Doch vie­le su­chen im Tief­schnee je­ne Frei­heit, die sie im All­tag so nicht er­fah­ren kön­nen! Das ist psy­cho­lo­gisch ge­nau so zu deu­ten. Denn die­ses Fahr­er­leb­nis be­deu­tet auch Un­be­schwert­heit und Los­ge­löst­sein vom All­tag.

Gibt es hier aber trotz­dem Men­ta­li­täts- Un­ter­schie­de?

Wir müs­sen zwi­schen Pis­tenski­fah­rern und Tou­ren­ge­hern un­ter­schei­den. Bei Ers­te­ren ist der Ge­dan­ke an Ge­fah­ren wie La­wi­nen so na­he ne­ben dem ge­si­cher­ten Ski­raum kaum ge­ge­ben. Bei Tou­ren­ge­hern han­delt es sich hin­ge­gen um rei­fe­re Cha­rak­te­re, die ih­re Tou­ren sorg­fäl­tig pla­nen und ab­wä­gen. Da­bei ent­steht ei­ne be­wuss­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem vor­han­de­nen Ge­fah­ren­po­ten­zi­al. Ge­feit ist al­ler­dings frei­lich nie­mand vor der plötz­li­chen Be­dro­hung des Le­bens.

Auf den Gip­feln zu Hau­se, wägt Ne­werk­la im­mer die zu er­war­ten­de Gefahr ab.

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