Rot­stift bei Kur­sen des AMS: Mehr als 600 Trai­ner in Wi­en sind ih­re Jobs los

Kurier - - Politik - – RAFFAELA LINDORFER

Un­si­cher­heit. Sechs Jah­re lang hat Frau Ma­ria (Na­me ge

än­dert, Anm.) Men­schen ge­hol­fen, be­ruf­lich wie­der Fuß zu fas­sen – nun, mit An­fang 50, ist sie selbst bald ar­beits­los. Die Fach­trai­ne­rin ist be­trof­fen vom Spar­kurs, den die Re­gie­rung dem Ar­beits­markt­ser­vice (AMS) ver­ord­net hat.

Frau Ma­ria ist kein Ein­zel­fall: Mehr als 600 Kol­le­gen sind laut ih­ren Re­cher­chen ih­ren Job los – al­lei­ne in Wi­en. In ganz Ös­ter­reich könn­ten es bis zu 3000 Be­trof­fe­ne sein. Ei­ner­seits, er­klärt sie, wur­den pro­jekt­be­zo­ge­ne Ver­trä­ge nicht ver­län­gert, an­de­rer­seits wur­den auch un­be­fris­te­te Di­enst­ver­trä­ge auf­ge­löst – wie in ih­rem Fall. Wie vie­le über das Früh­warn­sys­tem an­ge­mel­det wur­den, kann das AMS aus Da­ten­schutz-Grün­den auf An­fra­ge nicht sa­gen.

Für AMS-Trai­ner gibt es kein Si­cher­heits­netz – sie ar­bei­ten meist nur 20 bis 30 St­un­den mit be­fris­te­ten Ver­trä­gen. Seit län­ge­rem wird ei­ne Ar­beits­stif­tung ge­for­dert, bis­her oh­ne Er­folg. Um ih­rem Be­rufs­stand ei­ne Stim­me zu ge­ben, hat Frau Ma­ria ei­ne Platt­form ge­grün­det und ei­nen of­fe­nen Brief an Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz ver­fasst. Da­rin er­sucht sie den Kanz­ler, die dro­hen­den Kür­zun­gen zu über­den­ken. Der Brief wird von Da­nie­la Holzin­ger, So­zi­al­spre­che­rin der Lis­te Pilz, un­ter­stützt, die schon im April vor ei­ner Kün­di­gungs­wel­le ge­warnt hat­te. Holzin­ger for­dert Klar­heit beim Bud­get.

Un­klar ist noch im­mer, um wie viel Geld es wirk­lich geht. Vor­erst hieß es, dass es 2019 statt 1,4 nur noch 1,25 Mil­li­ar­den Eu­ro gibt, 1,05 wä­ren es oh­ne Rück­la­gen. „Die Pla­nungs­un­si­cher­heit ist ein gro­ßes Pro­blem. Die Lan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen be­stel­len der­zeit sehr vor­sich­tig Kur­se. Das hat schon im Herbst Aus­wir­kun­gen“, sagt Ma­ri­us Wilk, Lei­ter des AMS-Vor­stands­bü­ros. So­bald das Bud­get po­li­tisch aus­ver­han­delt ist, kön­ne das AMS wie­der Auf­trä­ge aus­schrei­ben, ganz oh­ne Kür­zun­gen wird es aber wohl nicht ge­hen.

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