Auf­se­her sind be­sorgt: Ban­ken ver­ge­ben wie­der zu lo­cker Kre­di­te

Fi­nanz­auf­sicht. Di­gi­ta­les Zeit­al­ter birgt Ri­si­ken. „Die nächs­te Kri­se wird si­cher kom­men“, sagt Chef­auf­se­he­rin Nouy.

Kurier - - Wirtschaft - VON H. SILEITSCH-PARZER

Frü­her muss­te sich ein Kun­de zu­min­dest zur Bank be­que­men, wenn er Geld be­nö­tig­te. Im Zeit­al­ter von On­li­ne- Bank ing,Apps und so­zia­len Me­di­en sind Kre­di­te oft nur ei­nen Maus­klick ent­fernt. Den Kun­den wer­den An­ge­bo­te fast schon auf­ge­drängt.

Die Finanzmark­t auf­sicht (FMA) ist­be­sorgt, dasssover­mehrt Kre­di­te ab­ge­schlos­sen wer­den, die die Kon­su­men­ten gar nicht brau­chen, sag­te F MA-Vor­stand KlausKumpf mül­ler am Don­ners­tag bei­der Auf­sichts kon­fe­renz in Wi­en. Noch da­zu, wo die Com­pu­ter al­go­rith­men oft den ma­xi­mal mög­li­chen Kre­dit­rah­men gleich mit aus­spu­cken.

„Ja, wir se­hen auch auf eu­ro­päi­scher Ebene, dass die Ban­ken die Kre­dit­ver­ga­beStan­dards lo­ckern “, sag­te Da­niè­leNouy,Eur opas obers­te Ban­ken auf­se­he­rin, zum KU­RIER. Das ha­be zu­nächst ge he­bel­te Kre­di­te be­trof­fen, zu­se­hends aber auch an­de­re Ar­ten. Zum Teils ei das so­gar ver­ständ­lich :„ Wenn reich­lich bil­li­ges Geld ver­füg­bar ist und die Ge­win­ne ge­ring sind, ge­hen die Ban­ken hö­he­re Ri­si­ken ein.“Die Auf­se­her ach­ten nun strik­ter dar­auf, dass grund­le­gen­de Kre­dit-Ver­ga­be­kri­te­ri­en be­folgt wer­den.

Bes­se­re recht­li­che Hand­ha­be wünscht sich die FMA auch für Kryp­towäh­run­gen wie Bit co in und da­mit ver­bun­de­ne Geld be­schaf­fungs ak­tio­nen. Be­reits je­de zwei­te F MA Straf an­zei­ge an die Staats­an­walt­schaft­ent­fal­le auf denBe reich, sag­teKumpf mül­ler: „Was wie ein Fi­nanz­in­stru­ment wirkt, muss wie ein sol­ches be­auf­sich­tigt wer­den.“

Geld­wä­sche-Pro­ble­me

Ei­ne Leh­re aus der Kri­se von 2008 war, dass glo­ba­le Ban­ken nicht von ei­nem Flick­werk na­tio­na­ler Auf­se­her ge­bän­digt wer­den kön­nen. Nouy ver­ant­wor­te­te die Eta­b­lie­rung des eu­ro­päi­schen Auf­sichts mecha­nis­mus (SSM) mit. Heu­te sei die­ses Netz­werk mit 26 Be­hör­den aus 19 Län­dern, des­sen Fä­den bei der EZB in Frank­furt zu­sam­men­lau­fen, der größ­te Ban­ken­auf­se­her der Welt.

Für den Kampf ge­gen Geld­wä­sche hat derSSMfrei­lichk ei­nen Auf­trag, das ist noch na­tio­na­le An­ge­le­gen­heit. Der Fall der dä­ni­schen Dans­keBank, der­nun­von­der US-Jus­tiz ho­he Mil­li­ar­den stra­fen dro­hen, weil sie im Bal­ti­kum ge­gen An­ti-Geld­wä­sche­re­geln ver­sto­ßen hat, zei­ge, dass ei­ne eu­ro­päi­sche Be­hör­de ähn­lich dem SSM sinn­voll wä­re, sag­te Nouy.

En­de 2018 wird die Fran­zö­sin nach fünf Jah­ren im Amt aus­schei­den. Die Nach­fol­ge ist noch nicht ent­schie­den, als Fa­vo­ri­ten wer­den die iri­sche No­ten ban­ker in Sh aron Don­ne­ry, der Chef der eu­ro­päi­schen Ban­ken­be­hör­de EBA,d er Ita­lie­ner And­re­aEn­ria,un­dd er Lei­ter der fran­zö­si­schen Auf­sicht Ro­ber­tO­phe­le ge­han­delt. Der-oder die­je­ni­ge müs­se„ fair und hart zugleich“sein, sag­teNouy. Und be­reit, viel zu ar­bei­ten. Denn die nächs­te Kri­se wer­de mit Si­cher­heit fol­gen.

Da­niè­le Nouy (68) schei­det En­de 2018 aus – Nach­fol­ge ist noch of­fen

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