Der Schau­spie­ler als Pro­du­zent

Si­mon Schwarz über den Ki­no film „Zer­schlag mein Herz“.

Kurier - - Kultur - VON CHRIS­TOPH SIL­BER

Nu­schelnd, mit Hun­de­blick und ver­schmitzt lä­chelnd schnorrt sich der Rom Pe­pe durch­Wi­en:„Bit­te, Ma­dame, bit­te, bit­te, dan­ke, al­les Gu­te.“Um dann das Geld beim bru­ta­len On­kel Ro­cky ab­zu­lie­fern. Und nun soll er die jun­ge Mar­ce­la, die aus dem glei­chen Dorf in der Ost­slo­wa­kei stammt, an­ler­nen. Die hat Glück, dass Ro­cky sie nicht auf den Strich schickt, nach­dem sich ihr Va­ter bei ihm ver­schul­det hat.

Es ist ei­ne frem­de Welt mit­ten in Wi­en, in die Alex an dr aMa­ka­ro­vás Spiel­film- Erst­ling„ Zer­schlag mein Herz“führt. Mit Mut zur Ori- gi­nal­spra­che und Un­ter­ti­teln wird dieGe schich­te e in er­ver­un­mög lich­ten Lie­bes zwei­er jun­ger Ro­ma und de­ren Su­che nach Frei­heit er­zählt.

„Fast wie Ro­meo und Ju­lia und doch ganz an­ders, weil so ei­ne Ge­schich­ten urin die­ser Kul­tur so statt­fin­den kann. Die ist ar­cha­isch, bunt, lie­bens­wert, hat Ener­gie, be­inhal­tet aber auch Dra­ma, Tra­gik und Grau­sam­keit“, er­zählt Si­mon Schwarz dem KU­RIER. „Die­ser Film emo­tio­na­li­siert und ist emo­ti­ons­ge­la­den wie die­se Kul­tur.“

Vie­le De­büts

Der Schau­spiel-Star gibt da­mit sein Pro­du­zen­ten-De­büt. „Ich bin hin­ein ge­rutscht. Ei­gent­lich­soll­te ich ei­nen Kurz film mit Lai­en­Schau­spiel-Coach be­glei­ten.“

Nach vie­len Mü­hen an der För­der-Front und in­ten­si­ven Re­cher­chen ist es ein (fi­nan­zi­ell klei­ner) Film ge­wor­den, der von der Kraft der Bil­der und der Au­then­ti­zi­tät sei­ner Haupt­dar­stel­ler – Si­mo­na Ko­váčo­váun­dRo man Pok uta – lebt, de­ren ers­te Schau­spiel-Er­fah­rung das war. Fran­tišek Ba­log, Darstel­ler des Ro­cky, ist üb­ri­gens der ers­te und ein­zi­ge Rom, der in der Slo­wa­kei am Staats thea­ter fix en­ga­giert ist–was„ Zer­schlag mein Herz“in die be­drü­cken­de Rea­li­tät zu­rück­führt.„ Der Film ist sehr wahr­haf­tig, aber es ist kein do­ku­men­ta­ri­scher Film.“

Mit dem Start in ös­ter­rei­chi­schen Ki­nos ist nach zä­hem Kampf ei­ne gro­ße Hür­de ge­nom­men. Schwarz: „Ich bin sehr er­leich­tert, dass wir es ir­gend­wie nun doch ge­schafft ha­ben.“Nach und nach kom­men nun auch die Fes­ti­val-Ein­la­dun­gen her­ein.

Ge­gen­wind

Er ha­be sich als Pro­du­zent „man­ches ein­fa­cher vor­ge­stellt und war er­staunt über den Ge­gen­wind, den ich man­cher­orts zu spü­ren be­kom­men ha­be. Es war nicht übe­r­all will­kom­men, dass da ein Neu­er auf­taucht“, räumt der 47-Jäh­ri­ge ein. Es ge­be in Ös­ter­reich eben ei­ne Viel­zahl an Men­schen mit gro­ßen krea­ti­ven Po­ten­zi­al. Aber der Platz am Trog sei ganz klein.

An dem Punkt pocht der Wie­ner auf die Ver­ant­wor­tung der Po­li­tik: „Sie nimmt Film nicht ernst. Da­bei ist das die der­zeit re­le­van­tes­te Kul-

tur­form. Be­weg­tes Bild prägt die ge­sam­te Ju­gend via YouTube, Ins­ta­gram, Face­book. Des­halb ist die Do­tie­rung der Förd er mit­tel im Ver­gleich zur Hoch­kul­tur un­ver­ständ­lich. Es ist das der Be­deu­tung von Film nicht an­ge­mes­sen.“

„Zer­schlag mein Herz“hat–we­gen ge­rin­ger För­de­run­gen und trotz vie­ler Spon­so­ren–den N eo-Pro du­zen- ten wirt­schaft­lich be­las­tet. „Da ge­hört schon ei­ni­ges an Lei­den­schaft da­zu, das mit­zu­ma­chen. Aber ich lei­de nicht dar­un­ter. Ganz im Ge­gen­teil“, be­tont Schwarz, der auch künf­tig als Pro­du­zent wir­ken will.

Seit dem Ab­schluss der Dreh­ar­bei­ten steht er nun selbst lau­fend vor der Ka­me­ra. Heu­te, Frei­tag, ist er in ei­ner Fol­ge der er­folg­rei­chen „Ei­fel­pra­xis“(20.15, ARD) zu se­hen, in­der ei­nen eher un­kon­ven­tio­nel­len Arzt im Roll­stuhl spielt. Ak­tu­ell dreht ei­nen­wei­te­ren, de­rer­folg­rei­chen „Es­sens­fil­me“nach Ri­ta Falk: „Le­ber­käs­jun­kie“. „Die Re­so­nanz des Pu­bli­kums ist groß­ar­tig. Es hat mich ge­lehrt, dass das Ki­no auch in länd­li­chen Re­gio­nen von gro­ßer Be­deu­tung ist. Heu­er ha­ben wir den Herrn Tom Crui­se rechts chnell­vonP latz eins ge­holt. Das zeigt, dass der deutsch­spra­chi­ge Film auch ge­gen US-Wa­re be­ste­hen kann.“

IN­FO Sonn­tag 7.10., 17 Uhr im Top­ki­no, Rahl­gas­se 1,1060 Wi­en: Film vor­füh­rung und Pu­bli­kums ge­spräch mit Re­gis­seu­rin Alex­an­dra Ma­ka­ro­vá und Pro­du­zent Si­mon Schwarz

Brot­be­ruf: Si­mon Schwarz in der ARD-„Ei­fel­pra­xis“(20.15)

Bunt, emo­tio­nal, ar­cha­isch: Alex­an­dra Ma­ka­ro­vás Spiel­film-Erst­ling „Zer­schlag mein Herz“führt in ei­ne frem­de Welt mit­ten in Wi­en

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