„Es gibt nichts Po­si­ti­ves am Is­lam“

Thi­lo Sar­ra­zin. Am Frei­tag gas­tier­te der Best­sel­ler-Au­tor (73) in Wi­en, um sein Buch „Feind­li­che Über­nah­me“vor­zu­stel­len. Im In­ter­view ana­ly­siert er, war­um er vor dem Is­lam warnt.

Kurier - - Politik - VON IDA METZ­GER

KU­RI­ER: Herr Sar­ra­zin, Ihr selbst ge­setz­ter An­spruch ist, dass Sie Ihr neu­es Buch „Feind­li­che Über­nah­me“– si­ne ira et stu­dio – al­so oh­ne Zorn und Ei­fer ge­schrie­ben ha­ben. Doch am En­de bleibt der Le­ser mit ei­ner äu­ßerst gro­ßen Ve­r­un­si­che­rung ge­gen­über dem Is­lam zu­rück. Kön­nen Sie wirk­lich gu­ten Ge­wis­sens be­haup­ten, „oh­ne Zorn und Ei­fer“ge­schrie­ben zu ha­ben? Thi­loSar­ra­zin: Das­kan­nich­gu­ten Ge­wis­sens be­haup­ten. Die To­na­li­tät des Bu­ches ist sehr nüch­tern ge­wählt, aber die Zu­sam­men­stel­lung und die Wir­kung der Fak­ten ist dra­ma­tisch. Die Si­tua­ti­on ist mit ei­nem Berg­stei­ger ver­gleich­bar, der in ei­ne pre­kä­re Si­tua­ti­on ge­ra­ten ist. Auch er muss den Sta­tus quo nüch­tern be­ur­tei­len, des­we­gen­lässtih­n­dieKon­stel­la­ti­on aber emo­tio­nal nicht un­be­rührt. So­ver­hält­sich­da­sauch mit dem In­halt mei­nes Bu­ches.

In Ih­rem Buch fin­det man auf fast 500 Sei­ten de fac­to kei­ne ein­zi­ge po­si­ti­ve Zei­le über den Is­lam. Ist die­ser Zu­gang nicht zu un­dif­fe­ren­ziert?

Ich­re­fe­rie­reund­in­ter­pre­tie­reFak­ten. AmIs­la­mal­sRe­li­gi­on se­he ich tat­säch­lich nichts Po­si­ti­ves. Ich bin aber auch kein gläu­bi­ger Christ, Hin­du­o­derBud­dhist. Wa­sich un­ter­su­che, ist die Wir­kung des Is­lams auf die Mus­li­me und ih­re Kul­tur. Hier bin ich zu dem Schluss ge­kom­men, dass man die Wir­kung des Is­lams auf den Fort­schritt ei­ner Ge­sell­schaft in der Sum­me als ne­ga­tiv se­hen muss. Der li­be­ra­le Is­lam­wis­sen­schaft­ler Mo­u­ha­nad Khor­chi­de sagt, die In­te­gra­ti­on der Mus­li­me in zwei­ter und drit­ter Ge­ne­ra­ti­on funk­tio­niert des­we­gen nicht, weil stän­dig dar­über dis­ku­tiert wird, ob der Is­lam nun zu Eu­ro­pa ge­hört oder nicht. Die Mus­li­me wol­len nur Ak­zep­tanz. Be­feu­ert Ihr Buch nicht ge­nau die­ses in­te­gra­ti­ons­feind­li­che Ge­fühl bei Bür­gern mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund?

Ich schät­ze die Ar­gu­men­te von Khor­chi­de. Er ver­sucht, ei­ne ge­walt­freie Ver­si­on des Is­lams zu pro­pa­gie­ren. Das kann man nur un­ter­stüt­zen. Aber Mus­li­me sind seit50Jah­ren­in­Deutsch­land un­dÖs­ter­reich. MeinBu­chist fün­fWo­chen­jung. DasSchei­tern der In­te­gra­ti­on kann man nicht mit mei­nem Buch in Ver­bin­dung brin­gen.

Das ha­be ich nicht be­haup­tet, son­dern nur, dass Sie Öl ins Feu­er gie­ßen, wenn Sie als Buch­ti­tel „Feind­li­che Über­nah­me“wäh­len ...

Der Ti­tel mei­nes Bu­ches ent­stand aus ei­nem Ab­wä­gungs­pro­zess. Zur Wahl stand „Feind­li­che Über­nah­me“oder „Zeit­bom­be Is­lam“. Die Va­ri­an­te „Feind­li­che Über­nah­me“fand ich bes­ser, weil es sich um ei­nen schlei­chen­denPro­zess­han­del­tund nicht um ei­ne ein­ma­li­ge Ex­plo­si­on wie bei ei­ner Bom­be. Der Pro­zess er­gibt sich dar­aus, dass die Mehr­heit der Mus­li­me in Eu­ro­pa der west­li­chen Kul­tur dis­tan­ziert bis ab­leh­nend ge­gen­über­ste­hen. Die­seHal­tung­prak­ti­zie­ren sie auch in ih­rem täg­li­chen Le­ben. Durch die Ein­wan­de­run­gund­durch­die­be­son­de­re Rol­le der mus­li­mi­schen Frau – ih­re ab­hän­gi­ge Stel­lung, ih­re re­la­ti­ve Un­bil­dung, die frü­he Hei­rat und die ho­he Kin­der­zahl – wird der Is­lam all­mäh­lich zur do­mi­nan­ten Macht in Eu­ro­pa auf­stei­gen. Wenn die Mus­li­meinDeutsc­h­land­un­dinÖs­ter­reich die Mehr­heit sind und sich ent­schei­den, hier ei­ne is­la­mi­sche Ge­sell­schaft zu ma­chen – dann ist die feind­li­che Über­nah­me voll­zo­gen. Bis da­hin geht sie schlei­chend von Stadt­vier­tel zu Stadt­vier­tel vor­an.

Wann be­fürch­ten Sie denn wird die Ge­sell­schaft kip­pen?

Bei un­ver­än­der­ter Ein­wan­de­rung und un­ver­än­der­ten Ge­bur­ten­trends wird das in 40 bis 60 Jah­ren so sein. Wenn heu­te schon die länd­li­chen Re­gio­nen das Über­ge­wicht der Ös­ter­rei­cher über die Mus­li­me si­chern, aber nicht mehr die Städ­te wie Wi­en, Salz­burg oder Linz, dann pas­siert hier schon ei­ne Über­nah­me. Auch die schwe­di­sche Stadt Mal­mö ist ei­ne Stadt der Ara­ber ge­wor­den. In­denPa­ri­serB­an­lieues­herr­schen oft bür­ger­kriegs­ähn­li­che Zu­stän­de.

Was ge­nau macht den Is­lam aus Ih­rer Sicht so ge­fähr­lich?

Der Koran ver­mit­telt Ab­nei­gung ge­gen­über den Nicht­gläu­bi­gen. Das Ge­fühl aus­er­wählt und über­le­gen zu sein, führt zu un­ge­recht­fer­tig­terAr­ro­ganz. Di­eimKoran an­ge­leg­te Feind­se­lig­keit ge­gen­über selbst­stän­di­gem Den­ken führt zu ge­rin­ge­rer geis­ti­ger Neu­gier und zu geis­ti­ger Träg­heit. Das er­klärt zu gro­ßem Teil die tech­nisch-zi­vi­li­sa­to­ri­sche Rück­stän­dig­keit der Mus­li­me. Ge­paart mit der über­durch­schnitt­li­chenF­rucht­bar­keit­de­ris­la­mi­schen Welt und ih­rer de­mo­gra­fi­schen Ex­pan­si­on, ist das ei­ne Be­dro­hung für die Sta­bi­li­tät der west­li­chen Welt.

Sie for­dern im Buch, die Ein­wan­de­rung der Mus­li­me nach Eu­ro­pa ge­zielt zu re­du­zie­ren. Wenn man Ih­nen so zu­hört, reicht Ih­nen das nicht. Wol­len Sie ei­nen kom­plet­ten Stopp?

Die Ein­wan­de­rung muss grund­sätz­lich un­ter­bun­den wer­den. Das be­deu­tet an sich to­ta­ler Stopp, aber es kann Aus­nah­men ge­ben, wie et­wa das po­li­ti­sche Asyl. So­lan­ge wir glau­ben, dass wir Ein­wan­de­rung aus wirt­schaft­li­chen Grün­den brau­chen, soll­ten wir Ein­wan­de­rer aus­su­chen, die mit un­se­rer Ge­sell­schaft kom­pa­ti­bel sind.

Sie wol­len ei­ne Än­de­rung der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on. Glau­ben Sie wirk­lich, dass sich eu­ro­pa­weit auch nur ein so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Par­tei­kol­le­ge fin­det, der Sie hier un­ter­stützt?

Grund­sätz­lich müs­sen wiruns­dieFra­ge­stel­len: Wol­len wir et­was än­dern, oder wol­len wir al­les so wei­ter­lau­fen las­sen? Wenn wir et­was än­dern wol­len, müs­sen wir Flücht­lings- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik streng von­ein­an­der tren­nen. Die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on galt bis Mit­te 60er-Jah­re nur für Flücht­lin­ge aus Eu­ro­pa. Ich bin­derMei­nung, das­sFlücht­lin­ge in der Nä­he ih­rer Hei­mat ver­sorgt wer­den soll­ten. Dar­um soll­ten auch Flücht­lin­ge aus Af­gha­nis­tan, Sy­ri­en oder Afri­ka orts­nah Un­ter­kunft und Schutz be­kom­men­und­nicht­inEu­ro­pa. Das kön­nen wir ge­setz­lich schnell än­dern.

Sar­ra­zin stell­te vor rund 700 Gäs­ten sein Buch vor

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