Al­pha­männ­chen mit Herz

Ra­pid-Trai­ner Küh­bau­er. Ten­nis­fan, Mu­sik­ken­ner, Bü­cher­wurm, Fa­mi­li­en­mensch und Li­ga­de­büt ge­gen die Hei­mat Ro­ses Rei­se zum Schau­platz sei­ner ers­ten Nie­der­la­ge

Kurier - - Sport - VON DIE­NER/ LEENA MANHART

zer, Rou­ti­nier Num­mer zwei, in­die­an­de­reMann­schaft­stel­len – und konn­te sich zu­rück­leh­nen, denn die Ehr­geiz­ler trie­ben die Spie­ler in ih­ren Teams an.

Für Kum­pel „Sa­bi“gab es von Küh­bau­er Jah­re spä­ter ei­nen Rüf­fel. Her­fried woll­te 2010 mit sei­nem 15-jäh­ri­gen Sohn Mar­cel in den Se­mes­ter­fe­ri­en Ski­fah­ren statt ihn mit Küh­bau­er ins Trai­nings­la­ger fah­ren zu las­sen, das Küh­bau­er mit den Ama­teu­ren der Ad­mi­ra ma­chen durf­te.

Küh­bau­er führ­te spä­ter nicht nur Mar­cel Sa­bit­zer in die höchs­te Spiel­klas­se. Die Lis­te(oh­neAn­spruch­aufVoll­stän­dig­keit) ist nam­haft; Ho­si­ner, Wind­bich­ler, Dre­scher, Lack­ner, Eb­ner, Di­bon, Au­er, Schwab.

Küh­bau­ers Au­ge für fuß­bal­le­ri­sche Qua­li­tä­ten hat er sich in 20 Jah­ren als Pro­fi an­ge­eig­net, in ei­ner Füh­rungs­rol­le in der Mit­te des Spiels. Küh­bau­er ra­cker­te nach hin­ten und trieb das Spiel nach vor­ne an mit groß­ar­ti­gem Pass­spiel. Und das von März 1988, als ihn kurz vor sei­nem 17. Ge­burts­tag Ad­mi­ra-Trai­nerGust­lS­tare­kin­derBun­des­li­ga de­bü­tie­ren ließ, bis 2008.

Fünf Jah­re Ra­pid

Starek hol­te Küh­bau­er 1992 nach Hüt­tel­dorf, wo er in nur fünf Jah­ren zu ei­nem „Mr. Ra­pid“wur­de. 1997 ging er nach San Se­bas­tián, auch ei­ne Fol­ge des Schick­sals­schlags mit dem Un­fall und spä­te­rem Tod sei­ner ers­ten Frau. Es­war­wohl­die­er­stegro­ße Zä­sur im Le­ben des da­mals 26-Jäh­ri­gen. In den drei Jah­ren lern­te er Spa­nisch. Man­che stau­nen vi­el­leicht, weil das Eti­kett des Pro­le­ten an ihm pickt. Er will es aber auch nicht krampf­haft los­wer­den. Dass er Mu­sik­ken­ner mit Hun­der­ten­Al­be­nist, wis­sen die we­nigs­ten. Und ob­wohl er, als er noch im sie­ben­ten Wie­ner Be­zirk ge­wohnt hat, mit ei­nem di­cken Sa­ckerl aus der Tha­lia ge­kom­men ist, hat kaum ei­ner er­ahnt, wie ger­neund­wie­vie­le Bü­cher er liest. Vor der Jahr­tau­send­wen­de lern­te er in Spa­ni­en sei­ne jet­zi­ge Frau ken­nen. 2004wur­deE­mi­ly­ge­bo­ren, 2007 Kim.

„MitE­cken­un­dKan­ten­ge­bo­ren“, be­schreibt er sei­ne ei­ge­ne Kind­heit. Die­se spü­ren sei­ne Mäd­chen so gut wie nie. Sies­ind­wohl­er­zo­gen, freund­lich und ehr­gei­zig. Der­zeit be­son­ders Kim, die in der Süd­stadt bei Thiem-Coach Bres­nik und Thiem-Va­ter Wolf­gang trai­niert. Kim ist Ös­ter­reichs Num­mer zehn in der U-12-Rang­lis­te. Emi­ly ist der­zeit in der Schu­le ehr­gei­zi­ger, wird in der ÖTV-Rang­lis­te in ih­rer Al­ters­klas­se aber noch als 118. ge­führt.

Ten­nis war auch die Lei­den­schaft von Mut­ter In­grid, einst ta­len­tier­te Nach­wuchs­spie­le­rin und noch im­mer für den hei­mat­li­chen TC Wul­ka­pro­ders­dorf Sonn­tags­spie­le. En­de Au­gust 2017gas­tier­teSalz­burg­nach zwölf un­ge­schla­ge­nen Spie­len bei Sturm und kas­sier­te mit ei­nem 0:1 die ers­te Nie­der­la­ge un­ter Trai­ner Mar­co Ro­se. In die­ser Sai­son ist der ös­ter­rei­chi­sche Se­ri­en­meis­ter vor dem heu­ti­gen Gast­spiel in Graz (17 Uhr) so­gar schon 17 Par­ti­en un­be­siegt.

Trotz­dem: Die schlech­te Er­fah­rung macht klug. Ob­wohl Sturm 2018 we­nig mit Stur­m2017zu­tun­hat, ge­hen die Salz­bur­ger mit dem nö­ti­gen Re­spekt an die An­ge­le­gen­heit her­an. „Die Gra­zer ha­ben­beimLASKei­n­sehr­gu­tes Spiel ge­gen den Ball ge­zeigt. Sie be­sin­nen sich der­zeit auf De­fen­si­ve und Sta­bi­li­tät. Das ist der Klas­si­ker, wenn Din­ge nicht so funk­tio- ak­tiv. Auch den Na­men­Diet­marKüh­bau­er­fin­det man auf der ÖTV-Home­page. Un­ter an­de­rem als Dop­pel­part­ner von Nor­bert Pam­mer. Der ist Co-Trai­ner von Ost­li­ga­klub Parn­dorf und häu­fi­ger Ten­nis­part­ner. Wie auch­der­ehe­ma­li­geMit­spie­ler An­ton Kös­ze­gi, der Wirt­schafts­ma­gis­ter, der beim Aus­tria Wirt­schafts­ser­vice ar­bei­tet. Seit April hin­dert Zeit­man­gel Küh­bau­er an sei­ner gro­ßen Lei­den­schaft ne­ben dem Fuß­ball.

Von 25. No­vem­ber 2015 bis 1. April 2018 hat­te er mehr Zeit, weil es die täg­li­che Ar­beit auf dem Trai­nings­platz nicht gab. Zwei­ein­halb Jah­re war er oh­ne Trai­ner­job. Es war die ers­te gro­ße Pau­se nie­ren“, ana­ly­sier­te Salz­burgs Coach. Sturm sei trotz „schwer wie­gen­der Ab­gän­ge“im Som­mer „noch im­mer ei­ne sehr gu­te Mann­schaft“, die fuß­bal­le­ri­sche Ak­zen­te set­zen kön­ne. „Es braucht Zeit, Au­to­ma­tis­men zu ver­in­ner­li­chen.“

Dax­ba­cher un­ter Druck

In Inns­bruck ist gro­ße Er­nüch­te­rung ein­ge­kehrt nach nur zwei Sie­gen in den ers­ten neun Par­ti­en. „Mich nervt die­se Si­tua­ti­on wahn­sin­nig“, ge­steht Trai­ner Karl Dax­ba­cher vor dem Du­ell mit dem LASK (14.30 Uhr). Wie 2016 bei St. Pöl­ten hat er auch mit Wa­cker ei­nen Ne­ga­tiv­lauf. „Dass jetzt die Dis­kus­sio­nen um mich los­ge­hen, ist mir klar“, sagt der 65-Jäh­ri­ge. vom Fuß­ball in sei­ner Kar­rie­re, die zwei­te gro­ße Zä­sur in sei­nem Le­ben. Als ORF- Ex­per­te blieb er aber am Ball, lern­te ei­ne an­de­re Sei­te des Sports ken­nen. Er ana­ly­sier­te, was er an­ders ma­chen will – den Um­gang mit Me­di­en und mit den Schieds­rich­tern.

Er woll­te auch weg vom Image des Bauch­trai­ners, der von neu­er Tech­nik nicht viel hält. Das war wohl ein Grund, war­um­sich­dieRa­pid-Tech­no­kra­ten vor ein­ein­halb Jah­ren für Ca­na­di und ge­gen ihn ent­schie­den hat­ten – für die Lap­top-Prä­sen­ta­ti­on, ge­gen die bo­den­stän­di­ge Ana­ly­se.

Brenn­punkt Bern

Nicht­nur­die­seEr­fah­rung­mo­ti­vier­te Küh­bau­er, wie­der in den Job ein­zu­stei­gen und sei­ne neu­en Sei­ten zu zei­gen. Er be­such­te Adi Hüt­ter. In Bern sah Küh­bau­er, wel­che Mög­lich­kei­ten es bei ei­nem Schwei­zer Top-Klub gibt. Das konn­te St. Pöl­ten nicht bie­ten. Aber das Him­mel­fahrts­kom­man­do – der letz­te Platz so gut wie si­cher, die Zu­kunft auf zwei Re­le­ga­ti­ons­spie­len fu­ßend – bot die Chan­ce auf den Wie­der­ein­stieg ins Trai­ner­ge­schäft. Es war nicht der leich­tes­te Weg, aber auch bei Ra­pid trat er den Job just vor dem schwe­ren Eu­ro­pa­cup­spiel bei den Glas­gow Ran­ger­san. Und­nicht­vor­der­heu­ti­gen Mat­ters­burg-Par­tie.

Dort ist er auf­ge­wach­sen, dort­spiel­tee­r­ab2002. Er­führ­te­denKlub­zu­mAuf­stieg, zwei Mal in ein Cup­fi­na­le, in den Eu­ro­pa­cup. 2008 wur­de Küh­bau­er­vonKlub­che­fMar­tinPu­cher nicht mehr ge­fragt, ob er ein Jahr an­hän­gen will. Er häng­te die Fuß­ball­schu­he an den Na­gel und stieg ins Trai­ner­ge­schäft ein.

Heim­kehr: 26 Jah­re nach­dem Küh­bau­er als Spie­ler zu Ra­pid ge­kom­men ist, wur­de er Trai­ner

Rei­be­baum Re­fe­ree: Küh­bau­er konn­te sich für die Kar­ten­spie­le nur sel­ten er­wär­men

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.