Wo­zu Tie­re ein­an­der be­rüh­ren

Bei ih­rem Kör­per­kon­takt geht es nur sel­ten um Lieb­ko­sun­gen.

Kurier - - Mein Sonntag - VON HEDWIG DERKA

Ku­schel­nistk ein na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Be­griff, es ist ein dum­mes Mo­de­wort “, är­gert sich Andrea sH antschk.Mit„Be rüh­rung“da­ge­gen kann der Bio­lo­ge im Na­tur his­to­ri­schen Mu­se­um Wi­en viel­mehr an­fan­gen. Denn das tun vie­le Ar­ten im Tier­reich – wenn auch aus un­ter­schied­li­chen Grün­den.

„Die Brut­pfle­ge war ei­ne Stern­stun­de der Evo­lu­ti­on “, zi­tier­tHantschk den Zoo­lo­gen Iren­äusEibl-Eib es feldt und be­zieht­sich da­mit auf den So­zi­alKon­takt. Durch die Ver­sor­gung der Jung­tie­re ent­stand ei­ne star­ke Bin­dung zwi­schen Mut­ter tier und Nach­wuchs, sie schlägt mit Freund­schaft und Lie­be bis ins mensch­li­che Ver­hal­ten durch. Fell an Fell, Haut anHaut, Lau­sen, auch­derKuss ist höchst­wahr­schein­lich aus dem Mund-zu-Mund-Füt­tern her­vor­ge­gan­gen; so wie das Schnä­beln beim Fe­der­vieh.

Die Vo­gel­welt ist reich an Be­rüh­run­gen: Grau­gän­se­neh­men ih­re Kü­ken un­ter die Fit­ti­che, Schwanz­mei­sen näch­ti­gen auf ih­ren Zü­gen in dich­ten Trau­ben; Nest­lin­ge schlich­ten sich zu Wär­me­py­ra­mi­den.

Apro­pos Käl­te­schutz: Nied­ri­ge Tem­pe­ra­tu­ren las­sen mit­un­ter Tie­re zu­sam­men­rü­cken, die sonst nicht so die Nä­he von Art­ge­nos­sen su­chen. Bie­nen bil­den bei Frost ei­ne Ku­gel, durch Mus­kel­zu­cken hal­ten sie sich warm. Pin­gui­ne fin­den sich in Ko­lo­ni­en mit wech­seln­den Au­ßen­pos­ten zu­sam­men. Fle­der­mäu­se über­win­tern in Mas­sen­quar­tie­ren. Stel­len sich Mo­schus­och­sen zu­sam­men, hilft das der Her­de dop­pelt .„ Es wärmt und es schützt die Jung­tie­re in der Mit­te vor Wöl­fen“, weiß der Mu­se­ums­päd­ago­ge, der nicht zu­letzt die Be­rüh­rung zum Zweck der Fort­pflan­zung nennt: Man­che Schlan­gen paa­ren sich in­derMas­se, ei­ni­geErd­krö­ten bal­len sich zu­sam­men.

Die Tu­bi­fex wie­der­um, ei­ne Wurm art, sind Ge­sell schafts ti­ger: Fehlt ih­nen der Schlamm, wol­len sie sich in Ih­res­glei­chen ver­gra­ben. Sehr be­rüh­rend.

Grup­pen­sex: Erd­krö­ten pflan­zen sich im Was­ser fort, bis zu zehn Männ­chen bal­len sich um ein Weib­chen

Schnä­beln: Die un­zer­trenn­li­chen Edel­pa­pa­gei­en ver­tie­fen mit dem Ri­tu­al ih­re Part­ner­schaft

Be­rüh­rungs­reiz: Tu­bi­fex le­ben im Schlamm, wird der weg­ge­wa­schen, su­chen sie an­ders­wo Haut­kon­takt

Hu­dern: Ka­na­da­gän­se neh­men ih­re Kü­ken un­ter die Fit­ti­che zum Schutz vor Käl­te, Re­gen oder gro­ßer Hit­ze

Mas­sen­paa­rung: Strumpf­band­nat­ter-Weib­chen lo­cken Männ­chen an, sie schlän­geln sich zu ei­nem Knäu­el

Fell­pfle­ge un­ter Schwes­tern: Lö­win­nen be­stär­ken mit der Groß­kat­zen­wä­sche ih­re Ver­bun­den­heit

Käl­te­schutz: Bie­nen bil­den rund um die Kö­ni­gin ei­ne Win­ter­trau­be und er­zeu­gen mit Mus­kel­zu­cken Wär­me

Her­den­schutz: Mo­schus­och­sen ste­hen eng bei­ein­an­der, um ih­re Käl­ber ge­gen Fress­fein­de zu ver­tei­di­gen

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