Kickl krem­pelt Po­li­zei um

„Su­per­be­hör­de“für Frem­den­we­sen. Das dürf­te erst der Be­ginn ei­ner Neu­struk­tu­rie­rung sein

Kurier - - Erste Seite - VON DO­MI­NIK SCHREI­BER

Wi­en. Der In­nen­mi­nis­ter will beim Frem­den­we­sen ei­ne neue Su­per­be­hör­de schaf­fen – nicht die ein­zi­ge ge­plan­te Än­de­rung.

In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl (FPÖ) baut um. Vor­erst wer­den die Um­bau­maß­nah­men in sei­nem Haus por­ti­ons­wei­se der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tiert, das in der Exe­ku­ti­ve ver­pön­te Un­wort „Re­form“will nie­mand in den Mund neh­men. Nach der Neu­ori­en­tie­rung des Ver­fas­sungs­schut­zes (und des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes) ist nun das Frem­den­we­sen an der Rei­he. Doch das dürf­te noch nicht al­les ge­we­sen sein.

Wie der KU­RI­ER be­reits En­de April be­rich­te­te, gibt es seit dem Früh­jahr Plä­ne für ei­ne gro­ße „Aus­län­derSu­per­be­hör­de“, die nun als eig­ne Sek­ti­on kommt. Die­se „Sek­ti­on V – Frem­den­we­sen“soll künf­tig die The­men Grenz­schutz, Auf­ent­halt, Asyl­be­rech­ti­gung, Gr­und­ver­sor­gung und Rück­kehr­be­reich un­ter ei­nem Dach zu­sam­men­fas­sen. Das Bun­des­amt für Asyl­we­sen wird von dort aus „an­ge­lei­tet“, der Be­reich Men­schen­han­del und Schlep­pe­rei dürf­te aus­ge­klam­mert wer­den und im Bun­des­kri­mi­nal­amt blei­ben.

Rund 300 bis 320 Per­so­nen wer­den der Sek­ti­on zu­ge­ord­net, knapp halb so vie­le wie im Bun­des­kri­mi­nal­amt. Es sol­len kei­ne neu­en Per­so­nen auf­ge­nom­men, son­dern die Grup­pen dort­hin um­ge­schich­tet wer­den. Als zu­stän­di­ger „Su­per-Sek­ti­ons­chef “dürf­te laut KU­RI­ER-In­for­ma­tio­nen Pe­ter We­bin­ger – bis­her Grup­pen­lei­ter im Asyl­be­reich – in der Fa­vo­ri­ten­rol­le sein. Im In­nen­mi­nis­te­ri­um wird al­ler­dings be­tont, dass die­se Funk­ti­on erst aus­ge­schrie­ben wird. Der Sek­ti­ons­chef soll zu Jah­res­be­ginn of­fi­zi­ell fest­ste­hen.

Kickl be­grün­det den Um­bau da­mit, dass die letz­te Struk­tur­än­de­rung 2014 mit der Ein­füh­rung des Bun­des­amts für Frem­den­we­sen und Asyl ge­schah und es nun an der Zeit sei, ei­ne „wei­te­re Ver- 2019 än­de­rung vor­zu­neh­men“. Die Mi­gra­ti­ons­kri­se 2015 ha­be die Be­hör­den vor völ­lig neue Her­aus­for­de­run­gen ge­stellt – „Her­aus­for­de­run­gen, die man vorher nicht für mög­lich ge­hal­ten hat.“

Dass die FPÖ das Res­sort grö­ßer um­bau­en will, ist be­reits seit De­zem­ber 2017 klar. Noch vor der of­fi­zi­el­len Re­gie­rungs­er­klä­rung gin­gen, wie be­rich­tet, der spä­te­re Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Gold­gru­ber und der nun­meh­ri­ge Ka­bi­netts­chef Rein­hard Teu­fel laut meh­re­ren In­si­dern durch das Res­sort und kün­dig­ten gro­ße Ve­rän­de­run­gen an. Die Be­am­ten gin­gen zu­nächst da­von aus, dass der Po­li­zei­um­bau erst nach der EU-Rats­prä­si­dent­schaft pas­sie­ren wer­de. Durch die Raz­zia im Ver­fas­sungs­schutz über­schlu­gen sich dann die Er­eig­nis­se. Im Schat­ten der Af­fä­re wur­de et­wa Bun­des­kri­mi­nal­amts­chef Franz Lang über­ra­schend doch ver­län­gert – um nicht in den Ge­ruch ei­ner po­li­ti­schen Um­fär­bung zu kom­men.

Doch ne­ben der Frem­den­sek­ti­on sind wei­te­re Neu­struk­tu­rie­run­gen ge­plant oder im Gan­ge. Tei­le der Ob­ser­va­ti­on wur­den vom Ver­fas­sungs­schutz (BVT) ins Bun­des­kri­mi­nal­amt über­sie­delt. Die gro­ße Neu­ord­nung in die­sem Be­reich wird der­zeit aber erst aus­ge­ar­bei­tet.

Neue Ein­hei­ten

Ne­ben den neu­en Ein­hei­ten (be­rit­te­ne Po­li­zei, Pu­ma) dürf­te auch ei­ne Re­form der Kri­mi­nal­po­li­zei ins Haus ste­hen. Vor al­lem in Wi­en wur­de zu­letzt im­mer wie­der von Plä­nen be­rich­tet, so ge­nann­te Schwer­punkt-Kom­mis­sa­ria­te zu bil­den. So könn­te es et­wa ei­ne ei­ge­ne Di­enst­stel­le für Ein­bruch ge­ben, von der aus dann die ge­sam­te Bun­des­haupt­stadt be­treut wird. Bis­her sind die­se über meh­re­re Be­zir­ke ver­teilt. Doch in­ner­halb der Po­li­zei gibt es Be­den­ken, ob so ein Um­bau tat­säch­lich ef­fek­tiv wä­re.

In man­chen Bun­des­län­dern wird auch ein Um­bau der Spit­zen in den Lan­des­po­li­zei­di­rek­tio­nen er­war­tet. Kon­kre­te Plä­ne sind bis­her noch nicht be­kannt. Kä­me es aber da­zu, dann wä­re das tat­säch­lich ei­ne Re­form in der Grö­ßen­ord­nung der Zu­sam­men­le­gung von Po­li­zei und Gen­dar­me­rie durch Ernst Stras­ser.

Nach der eMail-Af­fä­re könn­te das In­nen­res­sort auch ei­nen neu­en Res­sort­spre­cher be­kom­men – auf Nach­fra­ge wird das aber (noch) ent­schie­den de­men­tiert.

Der FPÖ-In­nen­mi­nis­ter baut die Po­li­zei wei­ter um, nach dem Ver­fas­sungs­schutz wird nun auch das Frem­den­we­sen um­struk­tu­riert

We­bin­ger: Su­per-Sek­ti­ons­chef?

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