„Re­vo­lu­ti­on“ab­ge­bla­sen: SPÖ pfeift auf Mei­nung ih­rer Mit­glie­der

Par­tei­re­form gek­ü­belt. SPÖ-Wi­en und Bun­des­par­tei dre­hen neue Mit­glie­der­rech­te ab. Wi­der­stand for­miert sich, Streit auf dem Par­tei­tag ist pro­gram­miert.

Kurier - - Politik - VON MICHA­EL BACHNER UND DANIELA KITTNER

Die SPÖ-Spit­ze um Pa­me­la Ren­di-Wag­ner hat auf Ge­heiß der Wie­ner SPÖ die lang de­bat­tier­te Par­tei­re­form ent­sorgt. Im Ju­ni gab es da­zu ei­ne Mit­glie­der­be­fra­gung, bei der 22 Pro­zent mit­ge­macht und sich mit Zu­stim­mungs­ra­ten von 70 bis 80 Pro­zent für ein­zel­ne Re­form­punk­te aus­ge­spro­chen ha­ben.

Ab 20 Pro­zent ist die Mit­glie­der-Be­fra­gung bin­dend. Das hat der Par­tei­vor­stand noch un­ter Chris­ti­an Kern be­schlos­sen. Aber das zählt jetzt nicht mehr. Kern und die von sei­nem Ge­schäfts­füh­rer Max Ler­cher aus­ge­ru­fe­ne „Re­vo­lu­ti­on“wird um min­des­tens zwei Jah­re ver­scho­ben. Ler­cher wur­de mitt­ler­wei­le ab­ge­löst. Kern ist ge­gan­gen.

Ge­gen Husch-Pfusch

Den­noch, die SPÖ-Lan­des­chefs in Wi­en, Ei­sen­stadt, Kla­gen­furt und St.Pöl­ten un­ter­stüt­zen das Aus­set­zen der ei­ge­nen Be­schlüs­se. Man brau­che mehr Zeit, wol­le kei­ne Husch-Pfusch-Ak­ti­on, der Par­tei­tag im No­vem­ber sei mit der Wahl von Ren­di-Wag­ner und Andre­as Schie­der so­wie dem Be­schluss des neu­en Par­tei­pro­gramms oh­ne­hin voll­ge­stopft.

Er wol­le den Fo­kus nun auf die In­hal­te der Par­tei und nicht auf „Ver­eins­meie­rei“le­gen, sagt Wi­ens Bür­ger­meis­ter Micha­el Lud­wig. „Sta­tu­ten­rei­te­rei“brin­ge nichts in die­ser „doch sehr her­aus­for­de­ren­den Si­tua­ti­on für die So­zi­al­de­mo­kra­tie“.

Der hei­kels­te Punkt der Par­tei­re­form wä­re ge­we­sen, dass SPÖ-Po­li­ti­ker künf­tig nur zehn Jah­re im Amt blei­ben dür­fen. Au­ßer, sie wer­den von ei­ner Zwei­drit­tel­mehr­heit der De­le­gier­ten be­stä­tigt. Das Pro­blem: Heu­te sit­zen 23 der 52 SPÖ-Ab­ge­ord­ne­ten schon die zwei­te Pe­ri­ode im Par­la­ment – wür­den al­so im Fall ei­ner Wie­der­kan­di­da­tur ei­ne Zwei­drit­tel­be­stä­ti­gung brau­chen. Lud­wig war stets ge­gen die­se Hür­de.

Nicht al­le las­sen sich die Ab­sa­ge der Re­form ge­fal­len, denn die­se soll Jun­gen Auf­stiegs­chan­cen bie­ten und vor al­lem die Mit­be­stim­mung der Mit­glie­der aus­wei­ten (z.B. Ur­ab­stim­mung über Ko­ali­ti­ons­ab­kom­men). Die Jun­gen in der Par­tei schimp­fen, die SPÖOber­ös­ter­reich, die Sek­ti­on 8 aus Wi­en und Trais­kir­chens Bür­ger­meis­ter Andre­as Ba­bler pro­tes­tie­ren. Ba­bler zum KU­RI­ER: „Die Öff­nung der Par­tei ist die ent­schei­den­de Zu­kunfts­fra­ge. Ei­ne Mit­glie­der­par­tei darf sich nicht vor Mit­glie­der­ent­schei­dun­gen fürch­ten. Die neue Vor­sit­zen­de muss ge­stärkt wer­den, auch ge­gen be­stimm­te Cli­quen, die nur an ih­ren Macht­er­halt den­ken.“

Ba­bler will da­für sor­gen, dass auf dem Par­tei­tag sehr wohl über die Par­tei­re­form ab­ge­stimmt wird: „Kei­ne Re­de von Husch-Pfusch, wir dis­ku­tie­ren das seit Jah­ren.“

Re­form ver­tagt: Ren­di-Wag­ner und Droz­da be­schwich­ti­gen

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