TV- Jour­na­lis­tin ver­ge­wal­tigt und er­würgt

We­gen Re­cher­chen? Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa hat­te über Be­trugs­fäl­le mit EU-För­der­gel­dern be­rich­tet

Kurier - - Politik - – STE­PHAN POLET

Am Sams­tag war die Lei­che der 30-jäh­ri­gen Jour­na­lis­tin Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa in ei­nem Park na­he dem Do­nau-Ufer in der nord­bul­ga­ri­schen Stadt Rus­se ent­deckt wor­den. Me­di­en be­rich­ten, die Jour­na­lis­tin sei ge­schla­gen, ver­ge­wal­tigt und er­würgt wor­den. Der Ta­ther­gang wur­de vom bul­ga­ri­schen In­nen­mi­nis­ter Mla­den Ma­ri­now be­stä­tigt.

Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa war die Mo­de­ra­to­rin der Sen­dung „De­tek­tor“beim lo­ka­len Fern­seh­sen­der TVN. In der jüngs­ten Aus­ga­be der Sen­dung be­rich­te­te sie über Re­cher­chen bul­ga­ri­scher und ru­mä­ni­scher In­ves­ti­ga­ti­vjour­na­lis­ten zur mög­li­chen Ver­un­treu­ung von EU- För­der­gel­dern durch Ge­schäfts­leu­te und Po­li­ti­ker.

Ob ih­re Er­mor­dung im Zu­sam­men­hang mit ih­rer Ar­beit steht, ist un­klar: Die Po­li­zei prüft so­wohl ei­nen per­sön­li­chen wie ei­nen be­ruf li­chen Hin­ter­grund des Ver­bre­chens, so der Be­zirks­staats­an­walt von Rus­se, Ge­or­gi Ge­or­gi­ew.

Ge­tö­te­te Jour­na­lis­ten

Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa ist die drit­te Jour­na­lis­tin, die in­ner­halb ei­nes Jah­res in Eu­ro­pa er­mor­det wur­de. Im Ok­to­ber 2017 war in Mal­ta Daph­ne Ca­rua­na Ga­li­zia durch ei­ne Au­to­bom­be ge­tö­tet wor­den. Die mal­te­si­sche Jour­na­lis­tin hat­te zu­vor im­mer wie­der über Kor­rup­ti­ons­fäl­le in ih­rem Land be­rich­tet.

Im Fe­bru­ar 2018 ist der slo­wa­ki­sche Jour­na­list Ján Ku­ci­ak zu­sam­men mit sei­ner Ver­lob­ten er­schos­sen wor­den. Er re­cher­chier­te zu Ver­bin­dun­gen zwi­schen Po­li­ti­kern und der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät.

Die ös­ter­rei­chi­sche Jour­na­lis­ten­ge­werk­schaft GPAd­jp ver­ur­teil­te den Mord an Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa auf das Schärfs­te und wies auf die de­so­la­te Si­tua­ti­on der Pres­se­frei­heit in Bul­ga­ri­en hin. Das Land liegt auf Platz 111 der Rang­lis­te von „Re­por­ter oh­ne Gren­zen“. Die Jour­na­lis­ten­ge­werk­schaft sieht jetzt nicht nur die Re­gie­rung in Sofia ge- for­dert: Auch die EU müs­se Druck auf Bul­ga­ri­en aus­üben, um die Pres­se­frei­heit zu schüt­zen.

Die EU-Kom­mis­si­on hat am Mon­tag „ra­sche und gründ­li­che Er­mitt­lun­gen" ge­for­dert. Es müs­se schnells­tens ge­klärt wer­den, ob ein Zu­sam­men­hang be­ste­he mit der Ar­beit von Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa, be­ton­te der Spre­cher der EU-Kom­mis­si­on.

Der Fall Khas­hog­gi

Auch ei­ne an­de­re mut­maß­li­che Er­mor­dung ei­nes Jour­na­lis­ten sorgt der­zeit welt­weit für Schlag­zei­len: Der re­gime­kri­ti­sche Jour­na­list Ja­mal Khas­hog­gi aus Sau­di-Ara­bi­en wird ver­misst. Nach­dem er ver­gan­ge­ne Wo­che das sau­di­sche Kon­su­lat in Istanbul be­tre­ten hat­te, hat er die­ses nicht mehr ver­las­sen.

Die Er­mitt­ler der tür­ki­schen Po­li­zei ge­hen da­von aus, dass Khas­hog­gi in der Bot­schaft von sau­di­schen Agen­ten er­mor­det wur­de. Sau­di-Ara­bi­en weißt je­de Schuld von sich.

Am Mon­tag be­rich­te­ten tür­ki­sche Me­di­en, dass die Be­hör­den in der Tür­kei das Kon­su­lat in Istanbul durch­su­chen wol­len. Die For­de­rung sei dem Bot­schaf­ter in An­ka­ra über­mit­telt wor­den. Man er­war­te sich von Ri­ad „voll­stän­di­ge Ko­ope­ra­ti­on‘‘. Die je­me­ni­ti­sche Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin Ta­wak­kul Kar­man ver­langt Kon­se­quen­zen – auch für den Kron­prin­zen Mo­ham­med bin Sal­man.

Die bul­ga­ri­sche Jour­na­lis­tin Wik­to­ri­ja Ma­ri­no­wa wur­de am Sams­tag tot auf­ge­fun­den

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