Heu­schreck zum Früh­stück

Kurier - - Wien - SI­MO­NE HOEPKE si­mo­[email protected]­ri­er.at

Der Kol­le­ge ver­zieht an­ge­wi­dert das Ge­sicht. Zwi­schen sei­nen Schnei­de­zäh­nen hängt ein Bein­chen, das dort de­fi­ni­tiv nicht hin­ge­hört. Es warTeil­derHeu­schre­cke, die­er­sich gera­de in den Mund ge­steckt hat. In­sek­ten­ver­kos­tung.

Die Heu­schre­cke schmeckt nus­sig, ana­ly­siert der Kol­le­ge und se­ziert das Bein, das er mitt­ler­wei­le aus sei­nen Zäh­nen ope­riert hat. Ein biss­chen tro­cken, fin­det er – und weiß sich zu hel­fen. Er greift zur nächs­ten Heu­schre­cke, tunkt sie in sei­nen Kaf­fee, steckt sie in den Mund. Jetzt ver­zie­hen al­le an­ge­wi­dert das Ge­sicht. „Was?!“, fragt er. „Mach’ ich mit dem Nuss­kip­ferl auch so.“

Ich ver­zich­te auf Heu­schre­cken als Nuss­kip­fer­ler­satz. Ge­gen Le­be­we­sen mit mehr als vier Bei­nen hab ich ei­ne Ab­nei­gung. Als Nah­rung kom­men sie für mich nicht in­fra­ge. In­sek­ten­ver­kos­tung hin oder her.

Ich grei­fe zum Mehl­wurm. Kei­ne Bei­ne, kei­ne gro­ßen Au­gen. Trotz­dem graus­lich. Rein­bei­ßen kos­tet Über­win­dung.

Dass be­reits die al­ten Rö­mer und Grie­chen In­sek­ten ge­ges­sen ha­ben, be­ein­druckt mich nicht. Das Rö­mi­sche Reich ist un­ter­ge­gan­gen, und den Grie­chen geht es auch nicht so be­son­ders.

Der In­sek­ten-Ver­käu­fer ap­pel­liert an mein Ge­wis­sen. Für die Pro­duk­ti­on von ei­nem Ki­lo In­sek­ten braucht man zwei Ki­lo Fut­ter, für ei­nen Ki­lo Rind­fleisch bis zu 16 Ki­lo. Wer In­sek­ten isst, leis­tet ei­nen Bei­trag zum Kli­ma­schutz.

Al­so – Au­gen zu und durch. Geht ja nur durch den Mund ein bissl schwer.

Ich kos­te.

Ein Buf­fa­lo­wurm schmeckt wie Erd­nuss-Snips. Werd’ ich nicht täg­lich es­sen. Nicht, dass mir das Kli­ma wurscht ist. Aber Heu­schre­cken ha­ben auf mein Kon­to die­sel­beWir­kungwie­auf­einMais­feld. Sie fres­sen es leer.

Ein Ki­lo Heu­schre­cken kos­tet rund 300 Eu­ro. 75-mal so viel wie ein Ki­lo Schwei­ne­fleisch. Ich neh­me ei­ne Mi­ni-Pa­ckung Wür­mer. Kre­den­ze­sie­tags­dar­aufF­reun­den als Sa­lat­top­ping.

Kommt nicht gut an.

Erst wird ge­mault, dass der Sa­lat nicht ge­wa­schen ist. Dann gleich das gan­ze Es­sen als „Hun­gers­not-Me­nü“ab­ge­kan­zelt.

Ba­n­au­sen.

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