Angst vor Strei­te­rei­en und Still­stand in der Re­gie­rung

Kurier - - Politik - – KON­RAD KRAMAR

Kri­tik an CSU wird lau­ter. Er woll­te mit sei­ner Kri­tik nicht ein­mal das De­ba­kel ab­war­ten. Vol­ker Bouf­fier, CDU-Mi­nis­ter­prä­si­dent in Hes­sen, fiel schon am Wahl­tag über die Schwes­ter­par­tei her. Das ha­be man da­von, atta­ckier­te er in der Welt CSU-Vor­sit­zen­den Horst See­ho­fer, wenn man „die Ba­cken auf bläst und den Leu­ten er­zählt, jetzt al­les zu lö­sen...“

Bouf­fiers An­grif­fig­keit ist des­sen Ner­vo­si­tät ge­schul­det. Schließ­lich sind es nur noch zwei Wo­chen, bis er sich selbst in Hes­sen Land­tags­wah­len stel­len muss. Sei­ne CDU liegt in Um­fra­gen fast zehn Pro­zent un­ter ih­rem letz­ten Er­geb­nis und muss da­her um das Über­le­ben der dor­ti­gen schwarz-grü­nen Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on ban­gen.

Auch an­de­re pro­mi­nen­te CDU-Ver­tre­ter kön­nen nach der Wahl mit ih­rer Kri­tik nicht mehr an sich hal­ten. So for­der­te Schles­wig-Hol­steins Mi­nis­ter­prä­si­dent Da­ni­el Gün­ther „per­so­nel­le Kon­se­quen­zen“bei der CSU. Oh­ne die, so Gün­ther, wer­de es kaum funk­tio­nie­ren. Die Re­tour­kut­sche aus Bay­ern kam prompt. Wer mei­ne, jetzt der Schwes­ter­par­tei Rat­schlä­ge er­tei­len zu müs­sen, sol­le vor der ei­ge­nen Tür keh­ren.

Vom Streit ge­schwächt

Tat­säch­lich wird die Wahl in Bay­ern auch für die Re­gie­rung in Ber­lin in den kom­men­den Wo­chen zur exis­ten­zi­el­len Her­aus­for­de­rung. Ei­ner­seits muss die CDU ver­su­chen, das De­ba­kel in Bay­ern der CSU um­zu­hän­gen, um nicht be­schä­digt zu wer­den. An­de­rer- seits darf man den Re­gie­rungs­part­ner, mit dem man oh­ne­hin in der Flücht­lings­fra­ge auf Kriegs­fuß steht, nicht all­zu sehr ver­är­gern.

Die­se Strei­te­rei­en, ge­steht CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er of­fen ein, hät­ten der wahl­kämp­fen­den CSU ge­scha­det – und die CDU sei da­ran mit­schul­dig.

Doch Kramp-Kar­ren­bau­ers Fest­stel­lung, dass es der CSU auf­grund der chro­ni­schen Kon­flik­te nicht ge­lun­gen sei, ih­re Leis­tun­gen und Zie­le in den Vor­der­grund zu stel­len, gilt eben­so für die Re­gie­rung in Ber­lin. Die steht seit ih­rem An­tritt im Zei­chen von Strei­te­rei­en und Per­so­nal­de­bat­ten: Ob es sich nun um die Exis­tenz­kri­se der SPD han­delt, die am Ein­tritt in die Ko­ali­ti­on fast zer­bro­chen wä­re, oder den Kon­flikt zwi­schen Kanz­le­rin Mer­kel und CSU-In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer um den rechts­las­ti­gen Chef des Ver­fas­sungs­schut­zes, Hans-Ge­org Maa­ßen.

Par­tei­tag im De­zem­ber

Zu­rück­hal­tend agie­ren zu­min­dest die mög­li­chen Her­aus­for­de­rer und Nach­fol­ger von An­ge­la Mer­kel – Kram­pKar­ren­bau­er selbst zählt ja zu den der­zeit aus­sichts­reichs­ten. Doch auch die könn­ten nach ei­ner Wahl­nie­der­la­ge in Hes­sen aus der De­ckung kom­men. Dann wä­re die Fort­set­zung der Per­so­nal­de­bat­ten zu­min­dest bis De­zem­ber ga­ran­tiert. Dann näm­lich muss sich An­ge­la Mer­kel der Wie­der­wahl als CDU-Vor­sit­zen­de stel­len.

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