Wer ge­winnt: Smart Ci­ty oder Smart Re­gi­on?

Kurier - - Forum - VON WOLF­GANG LUSAK

Man

hört, dass 2050 zwei Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung in Groß­städ­ten le­ben wer­den. Dass uns der Kli­ma­wan­del bei­spiel­lo­se Mi­gra­ti­ons­wel­len brin­gen wird. Dass wir uns al­le auf gro­ße Ve­rän­de­run­gen ein­stel­len dür­fen. Und man sieht, dass sich die „Big Play­ers“die­ser Welt we­ni­ger mit Ver­nunft auf sin­ken­de Res­sour­cen bei stei­gen­den Be­völ­ke­rungs­An­zah­len ein­stel­len als mit Han­dels-, Wäh­rungs- und sons­ti­gen Krie­gen.

Gleich­zei­tig pro­phe­zei­en uns Di­gi­ta­li­sie­rungs­ex­per­ten und Kon­zer­ne die „schö­ne neue Welt“der „Di­gi­tal Ci­ty“. Wir sol­len mit di­gi­ta­len Leis­tun­gen, in­tel­li­gen­ten Ge­bäu­den, mit­den­ken­den Ver­kehrs­mit­teln usw. ver­sorgt wer­den. Da­bei sol­len all die Net­ze wie Strom, Ver­kehr, Ener­gie, Kom­mu­ni­ka­ti­on und de­ren Da­ten na­tür­lich auch „in­tel­li­gent“ver­knüpft wer­den. Das be­deu­tet, dass die jetzt schon leid­lich funk­tio­nie­ren­den „Wohl­stands­bau­stei­ne“wie Fahr­plä­ne, Ver­kehrs­leit­tech­nik, Fa­ci­li­ty­Ma­nage­ment, Ener­gie­ver- sor­gung, Mo­bil­funk, Si­cher­heits-Über­wa­chung etc. mit­hil­fe von Clouds, Han­dy­Apps und Ro­bo­tern in rie­si­gen Smart-Ci­ty-Be­triebs­sys­te­men ver­bun­den wer­den. In ei­ner Di­gi­ta­li­sie­rung, wel­che un­se­ren Kon­sum, un­ser Den­ken ein­fach kon­trol­lie­ren kann.

Das klingt schon ein we­nig so, als ob nicht die Tech­nik für die Men­schen, son­dern der Mensch in­ner­halb der Tech­nik funk­tio­nie­ren soll. Al­dous Hux­ley und Ge­or­ge Or­well schaut’s oba! Kann die­se Tech­nik auch da­für sor­gen, dass für die bald zehn Mil­li­ar­den Men­schen auch ge­nü­gend Was­ser, Luft, Le­bens­mit­tel, Platz und Ener­gie vor­han­den ist? Wer­den die dann ver- mut­lich 50 bis 60 smar­ten Me­ga-Ci­tys wirk­lich le­bens­fä­hig sein?

Rück­zugs­ge­bie­te

Im „Kampf“von Smart Ci­tys und Smart Re­gi­ons um den ers­ten Platz ha­ben die Me­ga­städ­te mit ih­ren rie­si­gen, In­ves­to­ren an­zie­hen­den Märk­ten und den auf Ve­rän­de­rung „trai­nier­ten“jun­gen Men­schen bis­her klar die Na­se vor­ne. Aber die klei­ne­ren Städ­te so­wie am­bi­tio­nier­te Kom­mu­nen und Re­gio­nen ha­ben auch ein paar star­ke Ar­gu­men­te für sich. Bei ih­nen müs­sen die Le­bens­mit­tel ent­ste­hen, die in der Stadt ge­ges­sen wer­den, von ih­nen kommt das Was­ser, im­mer mehr auch die er­neu­er­ba­re Ener­gie, gibt es ei­ne at­trak­ti­ve­re Le­bens­qua­li­tät, wun­der­ba­re Rück­zugs­or­te für Krea­ti­vi­tät. Und bei ih­nen be­steht noch ei­ne grö­ße­re Ho­mo­ge­ni­tät, So­li­da­ri­tät und Na­tur­ver­bun­den­heit, ein mit­tel­stän­di­scher Zu­sam­men­halt, der im „Dschun­gel“der Städ­te ei­nem zu­neh­men­den „Je­der ge­gen Je­den“weicht. Der bes­se­re Zu­sam­men­halt im „länd­li­chen Raum“schafft die bes­se­ren Vor­aus­set­zun­gen für er­neu­er­ba­re Ener­gie­zel­len, Tech­no­lo­gieMo­dell-Re­gio­nen, In­no­va­to­ren-Clus­ter, Smart Streets, Crowd­sour­cing/-fun­ding und nach­hal­ti­ge Nah­ver­sor­gung. Al­ler­dings müs­sen sich sol­che Re­gio­nen recht­zei­tig dar­an ma­chen, dass sie die da­für nö­ti­ge In­fra­struk­tur wie Glas­fa­ser-In­ter­net, 5-GMo­bil­funk, öf­fent­li­ches Ver­kehrs­an­ge­bot, Block­chain etc. zur Ver­fü­gung ha­ben.

Wir müss­ten uns be­wusst sein, dass mit dem ge­wal­ti­gen Wachs­tum ei­ner ex­trem he­te­ro­ge­nen Ge­sell­schaft in Me­ga-Ci­tys schwer um­zu­ge­hen ist, dass dort auch die Ver­letz­lich­keit durch Ha­cken, Ter­ror und Cy­berAn­grif­fe groß ist und … dass man we­der Bits noch Bi­tes es­sen kann.

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