Trump und sei­ne Lieb­lings­fein­de

Rohr­bom­ben-Se­rie wird zur Wahl­kampf­mu­ni­ti­on. Prä­si­dent­macht Me­di­en ver­ant­wort­lich

Kurier - - Politik · Internatio­nal - VON SU­SAN­NE BOBEK UND KON­RAD KRAMAR

Ihr In­halt war hoch­ex­plo­siv, die po­li­ti­schen Fol­gen sind es auch. Die Se­rie an Brief­bom­ben, die die USA seit Mon­tag in Auf­ruhr ver­setzt, setzt sich fort. Nach Hil­la­ry und Bill Cl­in­ton, den Oba­mas und CNN wur­den am Frei­tag Bom­ben beim ehe­ma­li­gen USBi­den und Hol­ly­wood-Star Ro­bert de Ni­ro ent­deckt. Wie schon bei­den Bom­ben zu vor, konn­ten auch die von Frei­tag recht­zei­tig ent­deckt und ent­schärft wer­den. Nie­mand wur­de ver­letzt. Die Atta­cken wer­den als Akt des Ter­ro­ris­mus ein­ge­stuft. Doch Hin­wei­se auf den oder die Ab­sen­der hat das FBI nach ei­ge­ner Darstel­lung noch nicht. Die auf­fal­lend lai­en­haft ge­bas­tel­ten Bom­ben ent­hiel­ten teil­wei­se Glas­split­ter, zu­min­dest ei­ne da­von­war al­sRohr­bom­be aus­ge­führt.

Und was macht Do­nald Trump? Er führt Wahl­kampf und gibt Voll­gas im End­spurt vor den Kon­gress­wah­len am 6. No­vem­ber. Die Zu­rück­hal­tung, die der Prä­si­dent in der ers­ten Re­ak­ti­on auf die At­ten­ta­te ge­übt hat­te, wird nun zur schar­fenWahl­kampf­mu­ni­ti­on.

Trum­plobt sich­ge­wohn­t­aus­führ­lich, auch an­ge­sichts der Bom­ben­pa­ke­te. In An­spie­lung auf sei­ne Kri­ti­ker, die ihn für die ag­gres­si­ve Stim­mung im Land ver­ant­wort­lich ma­chen, mein­te er scherz­haft: „Sehr Ihr, wie gut ich­mich ver­hal­te?“

In sei­nem ers­ten Tweet am Don­ners­tag gab er trotz- dem wie­der ein­mal den Me­di­en und ih­ren „Fa­ke News“die Schuld an der Spal­tung Ame­ri­kas in zwei ver­fein­de­te La­ger: „Ein sehr gro­ßer Teil des Zorns, den wir heu­te se­hen, wird durch die ab­sicht­lich fal­schen und in­kor­rek­ten Be­rich­te der eta­blier­ten Me­di­en her­vor­ge­ru­fen, dieic hals Fa­ke News be­zeich­ne“,t wit­tert eT rump.

Und wei­ter: „Es ist so schlimm und hass­er­füllt ge­wor­den, dass es jeg­li­cher Be­schrei­bung spot­tet. Die eta­blier­ten Me­di­en müs­sen ih­re Sa­che in Ord­nung brin­gen, SCHNELL.“

Was zu hef­ti­gen Kom­men­ta­ren führ­te: Der Prä­si­dent be­trei­be „vic­tim bla­ming“, das heißt, er ver­höh­ne die Op­fer und wol­le da­mit sa­gen, wer den Prä­si­den­ten­kri­ti­siert, ist­selbst­schuld, wenn ihm je­mand ei­ne Bom­be schickt. Und da­bei ha­be Trump höchst­per­sön­lich die po­li­ti­sche At­mo­sphä­re ver­gif­tet, was mitt­ler­wei­le nicht mehr nur in der po­li­ti­schen De­bat­te zu spü­ren sei, son­dern schon im täg­li­chen Zu­sam­men­le­ben. Kom­pro­mis­se, mit de­nen al­le Sei­ten le­ben könn­ten, las­sen sich im­mer schwe­rer fin­den.

Tat­säch­lich wa­ren al­le Bom­ben an Per­so­nen ge­rich­tet, die be­vor­zug­te Hass­ob­jek­te der ra­di­ka­len po­li­ti­schen Rech­ten in den USA sind: Grup­pen wie die „Al­tRight“, die sich im­mer wie­der de­mons­tra­tiv hin­ter Trump ge­stellt ha­ben.

DerChef­des­Sen­der­sCNN, Jeff Zu­cker, wies die wie­der­hol­ten Vor­wür­fe Trumps zu­rück. „Das Wei­ße Haus ver­steht über­haupt nicht die Schwe­re der An­grif­fe auf die Me­di­en. Der Prä­si­dent und ins­be­son­de­re­der Pres­se­spre­cher de­s­Wei­ßen Hau­ses soll­ten ver­ste­hen, dass ih­reWor­te Fol­gen ha­ben.“New Yorks de­mo­kra­ti­scher Bür­ger­meis­ter Bill de Bla­sio sprach von ei­nem „Ter­ror­akt, der dar­auf ab­zielt, un­se­re freie Pres­se und die An­füh­rer un­se­res Lan­des durch Ge­walt­ta­ten zu un­ter­gra­ben.“

Ag­gres­sionimFi­na­le

Die Bom­be imCNN-Ge­bäu­dew ar an­den vonTrump­ge feu­er­ten CIA-Chef JohnB­renna­na dres­siert, der für den Sen­der als Ex­per­te tä­tig ist. Der sag­te anTrump­ge rich­tet: Der Prä­si­dent ha­be zu oft Hass­ge­füh­le, wenn nicht so- gar Ge­walt an­ge­sta­chelt. „Er soll­te nicht die Trom­meln des Has­ses, der Ver­bit­te­rung und des Krie­ges schla­gen.“

Trum­p­auf Tour

„Die eta­blier­ten Me­di­en müs­sen ih­re Sa­che in Ord­nung brin­gen, SCHNELL.“Do­nald Trump Tweet

„DasWei­ße Haus ver­steht die Schwe­re der An­grif­fe auf die Me­di­en über­haupt nicht.“Jeff Zu­cker CNN-Chef

Der Prä­si­dent hat sich seit Wo­chen in­ten­siv in den Wahl­kampf für die Kon­gress­wah­len ein­ge­schal­tet. Oh­ne­hin oft imLand­un­ter­wegs, ab­sol­viert er der­zeit fast täg­lich ei­nen gro­ßen Auf­tritt. Ging es zu­erst vor al­lem dar­um, die ei­ge­nen Er­fol­ge in den Mit­tel­punkt zu­stel­len, ha­tTrump in­zwi­schen wie­der auf sei­ne be­währ­te Tak­tik um­ge­stellt, und die lau­tet: Fron­tal­an­griff auf die De­mo­kra­ten und ih­re an­geb­lich so­zia­lis­ti­sche Po­li­tik. Selbst die jüngs­te Auf­re­gung rund um den Marsch Tau­sen­der Ein­wan­de­rer aus Mit­tel­ame­ri­ka, die über Me­xi­ko die USA er­rei­chen wol­len, wur­de von Trump als Wahl­kampf mu­ni­ti­on be­nützt. Al­lein die ver­fehl­te Einw an de­rungs po­li­tik der De­mo­kra­ten, so pol­tert der Prä­si­dent, ha­be die­se Men­schen qua­si an­ge­lockt. Das von sei­nem Pres­ti­ge pro­jekt, der Mau­er an der Gren­ze zu Me­xi­ko, noch kein Me­ter steht, lässt der Prä­si­dent der­zeit un­er­wähnt.

Po­li­zei­groß­ein­satz vor dem CNN-Bü­ro in New York. Das hoch­ex­plo­si­ve Bom­ben­pa­ket wur­de recht­zeitg ent­schärft

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