Pra­xis­taug­lich­keit der Kas­sen­fu­si­on frag­lich: Wun­der­wuz­zi ge­sucht

So­zi­al­ver­si­che­rung. DieRe­form­bleibt um­strit­ten, den ro­tie­ren­denVor­sitz nen­nen In­si­der „Kas­perl­ka­rus­sell“. Of­fen ist auch, wer denKas­sen-Ko­loss ma­na­gen soll.

Kurier - - Politik - VON MICHA­EL BACHNER

Mit dem Be­schluss der Kas­sen­fu­si­on im Mi­nis­ter­rat hat die Bun­des­re­gie­rung ei­nen kon­tro­ver­si­ell dis­ku­tier­ten Schritt ge­setzt. Die Kri­tik an der So­zi­al ver­si ch erungs­re form reißt nicht ab. Nicht zu­letzt des­halb, weil Tür­kis- Blau trotz mas­si­ver Be­den­ken vom Rech­nungs­hof ab­wärts nur ge­ring­fü­gi­ge Än­de­run­gen amBeg uta ch tungs ent­wurf vor­ge­nom­men hat.

So rich­tig span­nend wird es frei­lich erst im Früh­jahr. Dann star­tet die Um­set­zung ei­ner für hei­mi­sche Ver­hält­nis­se wirk­lich be­mer­kens- wer­ten Groß fu­si­on zur Ös­ter­rei­chi­schen G es und heits­kas­se(ÖGK) und ih­ren neun Lan­des fi­lia­len, den bis­he­ri­gen Ge­biets kran­ken­kas­sen.

Die Re­de ist von ei­nem Be­trieb mit 19.000 Mit­ar­bei­tern, ei­nem Um­satz von 14 Mil­li­ar­den Eu­ro und 7,1 Mil­lio­nen Kun­den – den Ver­si­cher­ten. Dem nicht ge­nug, ist die ÖGK von St­un­de Null an von et­li­chen Ver­fas­sungs­kla­gen be­droht. Noch da­zu müs­sen ih­re Ent­schei­dungs­trä­ger den heik­len Aus­gleich zwi­schen den In­ter­es­sen des Bun­des, der Län­der und des neu­en Dach­ver­bands fin­den.

Viel wird al­so von der neu­en Füh­rung ab­hän­gen. Um­so mehr ver­wun­dert, dass die Re­gie­rung auf die Er­fah­rung der„ al­ten Ha­sen“ wie­et­wa Haupt­ver­bands­chef Alex­an­der Biach weit­ge­hend ver­zich­tet.

Klar ist nur: Ab 1. April 2019 über­nimmt ein Ar­beit­ge­ber-Ver­tre­ter die ers­te Ob­mann­schaft in der neu­en ÖGK, und zwar bis 30. Ju­ni 2020. Da­nach soll der Vor­sitz halb­jähr­lich zwi­schen Di­enst­ge­bern und Di­enst­neh­mern­wech­seln. Die­sel­be Ro­ta­ti­on kommt in der Pen­si­ons­ver­si­che­rung (PVA).

Wer der ers­te ÖGK-Chef sein wird, ist fünf Mo­na­te vor sei­nem oder ih­rem Start „to­tal of­fen“, wie ein füh­ren­der Ar­beit­ge­ber-Ver­tre­ter sagt. Nach­satz: „Wie so oft­wird ein Wun­der­wuz­zi ge­sucht.“

Dem nicht ge­nug, sieht die obers­te Lei­tung im neu­en Dach­ver­band wie­der völ­lig an­ders aus. Dort soll der Vor­sitz jähr­lich­wech­seln. Das heißt: Je­des Jahr kommt ein neu­er Dach­ver­bands­chef aus denRei­hen­der­fün­fTrä­ger, die er ko­or­di­nie­ren soll – Ge­sund­heits­kas­se, Pen­si­ons­ver­si­che­rung, Selbst­stän­di­gen-Ver­si­che­rung, Be­am­ten-Ver­si­che­rung un­dUn­fall­ver­si­che­rung.

7Chefs in5 Jah­ren

Es mu­tet ab­surd an, aber: Die halb­jähr­li­che Ro­ta­ti­on in der ÖGK und PVA führt im Dach­ver­band zu sie­ben ver­schie­de­nen Vor­sit­zen­den in ei­ner fünf­jäh­ri­gen Funk­ti­ons­pe­ri­ode.

Wie das je­mals pra­xis­taug­lich ge­lebt wer­den soll, ist selbst In­tim-Ken­nern der So­zi­al­ver­si­che­rung noch mehr als un­klar. „Kas­perl­ka­rus­sell“ist einBe­griff, der her­um­geis­tert. „Hüh-Hott-Ma­nage­ment“ein­an­de­rer. In­der et­was sper­ri­gen Spra­che der Haupt­ver­band-Stel­lung­nah­me zur Re­form­hieß es da­zu: „Das ist or­ga­ni­sa­to­risch, ma­na­ge­ri­ell und wirt­schaft­lich dys­funk­tio­nal.“

Haupt­ver­band­sA­lex­an­der Biach soll im neu­en Dach­ver­band kei­ne Rol­le mehr spie­len

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.