Die Leicester-Spie­ler schwei­gen aus Re­spekt vor dem Prä­si­den­ten

Be­trof­fen­heit. Kei­ne In­ter­views – das stil­le Ge­den­ken beim Fuchs-Klub an den ver­stor­be­nen Ver­eins­boss.

Kurier - - Sport - VON BERN­HARD HANISCH

Wie es um die Stim­mung beim eng­li­schen Fuß­ball­klub Leicester Ci­ty steht, spie­gelt die Ant­wort von Christian Fuchs wi­der. „In­ter­view­ver­bot“, ant­wor­tet er auf die An­fra­ge, wie denn die La­ge bei sei­nem Ver­ein sei. Sonn­tag, kurz vor Mit­ter­nacht, hat der Ver­ein be­stä­tigt, dass Klub­chef Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha tot ist. Nach dem gest­ri­gen Vor­mit­tags­trai­ning ge­dach­ten die Spie­ler ih­rem Boss vor dem Sta­di­on. Das für Di­ens­tag ge­plan­te Li­ga­cup-Spiel ge­gen Sout­hamp­ton wur­de ab­ge­sagt. Es herrsch­te Schwei­gen, der Ver­ein steht un­ter Schock. Nur über Twit­ter drück­ten die Spie­ler ih­re Be­trof­fen­heit aus. Tor­mann Schmei­chel, der als ei­ner der ers­ten beim bren­nen­den Wrack war. Oder Stür­mer­star Ja­mes Var­dy. Oder Dan Amar­tey, der sich im Spiel da­vor schwer ver­letzt hat­te. Oder Christian Fuchs.

Ös­ter­reichs ehe­ma­li­ger Team­ka­pi­tän twit­ter­te ein Bild von sich mit Sri­v­ad­dha­na­prab­ha und den Wor­ten: „Thank you“. Im Fe­bru­ar 2016 hat Fuchs im KU­RIER über den Mil­li­ar­där aus Thai­land ge­sagt: „Er ist ein net­ter Mann. Er ist je­des Spiel da, kommt vor dem Spiel in die Ka­bi­ne und wünscht uns Glück. Da­nach gra­tu­liert er uns. Und manch­mal fei­ern wir mit­ein­an­der.“Fuchs war im Som­mer 2015 zum Klub ge­kom­men, Leicester spiel­te in die­ser Sai­son gleich vor­ne mit und wur­de gar Meis­ter.

Der Va­ter des Wun­ders

„Fuß­ball-Wun­der“, war noch die de­zen­tes­te Be­schrei­bung der Leis­tung des Klubs aus der – für eng­li­sche Ver­hält­nis­se – Kle­in­stadt (330.000 Ein­woh­ner), der die gro­ßen eng­li­schen Klubs bla­miert hat­te. Die Fans wa­ren dem Thai­län­der dank­bar, der den kri­seln­den Ver­ein 2010 ge­kauft hat­te, da­mals noch in der zweit­höchs­ten eng­li­schen Spiel­klas­se.

Er war bei den Fans be­liebt. Denn: Er führ­te den Klub nicht so, wie manch Neu­rei­cher mit sei­nem Spiel­zeug um­springt. „Er hat das Er­be des Klubs stets re­spek­tiert“, sag­te ein Fan dem KU­RIER bei ei­ner Re­por­ta­ge über Leicester. Nicht nur dort fuh­ren die Spie­ler nach dem Ti­tel­ge­winn im of­fe­nen Bus durch die Stra­ßen, der Klub­chef ließ sie auch in Bang­kok fei­ern.

Im Au­gust 2018, kurz vor Be­ginn der neu­en Meis­ter­schaft, er­schien er über­ra­schend auf dem Trai­nings­ge­län­de. Da­nach muss­ten al­le Spie­ler zum Sta­di­on – 19 Lu­xus­au­tos, la­ckiert in der blau­en Klub­far­be und im Wert von je 100.000 Pfund (da­mals 118.000 Eu­ro) stan­den dort in Reih’ und Glied. Er konn­te es sich leis­ten.

Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha war mit Du­ty-free-Shops zu ei­nem der reichs­ten Män­ner sei­nes Lan­des ge­wor­den. „King Po­wer“heißt die Fir­ma, die auch auf den Leib­chen von Leicester steht und nach der das Sta­di­on be­nannt wur­de. Zu den Spie­len f log er mit dem Hub­schrau­ber in der Klub­far­be, im Mit­tel­kreis lan­de­te er und flog wie­der ab. Sams­tag kam es kurz nach dem Start gleich beim Sta­di­on zum Un­glück. Zwei sei­ner Mit­ar­bei­ter, Pi­lot und CoPi­lo­tin, star­ben eben­falls.

Mai 2016: Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha (2. v. li.) bei der Pa­ra­de mit dem Meis­ter­po­kal durch Bang­kok mit Christian Fuchs (ganz rechts)

„Dan­ke“: Christian Fuchs und Vich­ai Sri­v­ad­dha­na­prab­ha

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