Neue We­ge im Kampf ge­gen den Miss­brauch

Ge­walt-Prä­ven­ti­on. Die BSO schult Trai­ner in den Ver­ei­nen und Ver­bän­den. Das Be­wusst­sein da­für ist stark ge­stie­gen.

Kurier - - Sport - VON PE­TER KARLIK

„Gut“, sagt ein Kind üb­li­cher­wei­se auf die Fra­ge sei­ner El­tern, wie denn das Trai­ning war. Ei­ne Ant­wort, die wohl je­der Va­ter und je­de Mut­ter kennt. Kin­der wür­den nicht an­ders re­agie­ren, selbst wenn ih­nen Schreck­li­ches angetan wur­de. „Tä­ter be­rei­ten oft über Jah­re ih­re Ta­ten vor. In die­sem Mo­ment ha­ben die Op­fer gar nicht das Be­wusst­sein, dass et­was nicht stimmt“, sagt Fer­di­nand Kainz, der das Pro­jekt Si­cher­heit4Kids ge­grün­det hat.

Im KU­RIER-Talk am Mitt­woch (19.15 Uhr) dis­ku­tie­ren Kainz und An­na-Ma­ria Wies­ner von der Bun­des­S­port­or­ga­ni­sa­ti­on (BSO) mit Eli­sa­beth Au­er über das The­ma und die in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit ein­ge­lei­te­ten Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men.

Der Mul­ti­pli­ka­tor

Fer­di­nand Kainz ist ei­ner der Mul­ti­pli­ka­to­ren, die im Rah­men des Pro­gramms der BSO zur Prä­ven­ti­on ge­schaf­fen wur­den. Sie sind An- sprech­part­ner, sor­gen für Be­wusst­seins­bil­dung und ver­an­kern die Prä­ven­ti­on se­xua­li­sier­ter Ge­walt in den Struk­tu­ren des Ver­bands oder Ver­eins. „Wir be­su­chen Ver­ei­ne und ge­ben Tipps, wel­che Maß­nah­men zu tref­fen sind. Wich­tig ist, dass ne­ben den Trai­nern auch je­mand vom Vor­stand da­bei ist“, sagt Kainz. Da­mit ist si­cher­ge­stellt, dass es in der Klub­füh­rung Rü­cken­de­ckung für Ve­rän­de­run­gen gibt.

Öff­nung des Trai­nings

In der Pra­xis gibt es für die Ver­ei­ne fol­gen­de Tipps: Trai­ner zie­hen sich nie gleich­zei­tig mit den Kin­dern um oder ge­hen gleich­zei­tig du­schen. Die jun­gen Sport­ler müs­sen das Han­dy vor der Ka­bi­ne ab­ge­ben. El­tern sol­len im­mer das Trai­ning be­su­chen kön­nen. Au­ßer­dem gibt es in den Schulun­gen Tipps für die An­spra­chen der Trai­ner.

Ei­ner der fünf Punk­te des im Jän­ner 2018 vor­ge­stell­ten BSO-Pro­gramms ist, dass Ver­ei­ne Straf­re­gis­ter­be­schei­ni­gun­gen (Kin­der/Ju­gend­für­sor­ge) der Trai­ner ein­ho­len und das auch nach au­ßen kom­mu­ni­zie­ren sol­len. 34 Ver­bän­de ha­ben ei­nen ent­spre­chen­den Pa­ra­gra­fen in ih­ren Sta­tu­ten auf­ge­nom­men. Ei­ne po­si­ti­ve Fol­ge er­klärt An­na-Ma­ria Wies­ner: „Leu­te mit ge­wis­sen Nei­gun- gen wer­den sich hü­ten, sich bei ei­nem Ver­ein vor­zu­stel­len, der ge­nau prüft.“

Ge­nau das for­dern im­mer mehr El­tern von den 15.000 Sport­ver­ei­nen in Ös­ter­reich ein. „Vor vier Jah­ren war es noch un­vor­stell­bar, dass vor ei­nem Camp nach der Si­cher­heit ge­fragt wur­de“, sagt Wies­ner. Das sei erst nach der in Ös­ter­reich auf­ge­kom­me­nen #MeTooDe­bat­te ent­stan­den.

Kei­ne Zah­len

Zah­len zu Über­grif­fen gibt es in Ös­ter­reich nicht. Man kön­ne aber da­von aus­ge­hen, dass im Sport we­ni­ger pas­siert als in der Fa­mi­lie. In Deutsch­land sorg­te 2016 ei­ne Stu­die un­ter 1800 Ka­der­sport­lern und -sport­le­rin­nen für Auf­se­hen, da ein Drit­tel al­ler Be­frag­ten Er­fah­rung mit se­xu­el­ler Ge­walt ge­macht hat. „Da wir ähn­li­che Sport-Struk­tu­ren ha­ben, müs­sen wir da­von aus­ge­hen, dass die Zah­len bei uns ähn­lich sind“, sagt Wies­ner.

Ku­rier-Talk auf schauTV: Eli­sa­beth Au­er dis­ku­tiert mit An­na-Ma­ria Wies­ner (re.) und Fer­di­nand Kainz

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