Um­fra­ge: Mehr­heit für Pfle­ge­ver­si­che­rung

KU­RI­ER-OGM-Be­fra­gung. ÖVP und SPÖ de­bat­tie­ren auf ih­ren Klau­su­ren über die Pfle­ge von mor­gen

Kurier - - Politik - – MICHA­EL BACHNER

In die Pfle­ge flie­ßen 6,5 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr. Den Lö­wen­an­teil zahlt der Bund mit 2,5 Mil­li­ar­den beim Pfle­ge­geld, da­hin­ter kom­men mit 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro schon die Be­trof­fe­nen selbst – für das Heim oder die Pfle­ge da­heim (den Rest steu­ern Län­der und Ge­mein­den bei).

Ei­ne ak­tu­el­le OGM-Um­fra­ge im Auf­trag des KU­RI­ER zeigt auf, wie es wei­ter­ge­hen könn­te. An­ge­sichts des zu er­war­ten­den ho­hen zu­sätz­li­chen Fi­nanz­be­darfs in den kom­men­den Jah­ren wer­den po­li­tisch zwei Va­ri­an­ten dis­ku­tiert: Die Fi­nan­zie­rung aus dem Bud­get, sprich aus dem all­ge­mei­nen Steu­er­auf kom­men. Oder die Fi­nan­zie­rung über ei­ne ver­pflich­ten­de Pfle­ge­ver­si­che­rung für al­le Be­rufs­tä­ti­gen.

Die­ser Ver­si­che­rungs­an­satz wur­de 1995 in Deutsch­land ge­wählt. Wie bei der ge­setz­li­chen Kran­ken, Un­fall oder Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung wird den Ar­beit­neh­mern auch für das Ri­si­ko, ein Pfle­ge­fall zu wer­den, ein be­stimm­ter Pro­zent­satz vom Brut­to­lohn (drei Pro­zent in Deutsch­land) ab­ge­zo­gen.

Letz­te­re Va­ri­an­te be­vor­zugt auch die Mehr­heit der Ös­ter­rei­cher, wie die OGMUm­fra­ge zeigt. 41 Pro­zent spre­chen sich für ei­ne ver­pflich­ten­de Pfle­ge­ver­si­che­rung aus, 36 wür­den der Lö­sung über das Bud­get den Vor­zug ge­ben. In­ter­es­sant ist, so OGM-Chef Wolf­gang Bach­may­er, dass vor al­lem die An­hän­ger von ÖVP und Ne­os, ab­ge­schwächt auch je­ne der FPÖ, eher zur Pfle­ge­ver­si­che­rung nei­gen. Die Wäh­ler von SPÖ und Grü­nen ten­die­ren hin­ge­gen zur Steu­er­lö­sung.

Schon zu spät?

Auf ih­rer Klub­klau­sur in St. Wolf­gang be­schäf­tigt sich die Volks­par­tei mit den di­ver­sen Fra­gen rund um die Pfle­ge. Im Früh­jahr soll es da­zu ei­ne par­la­men­ta­ri­sche En­que­te da­zu ge­ben, sag­te ÖVP-Klub­chef Au­gust Wögin­ger im Ge­spräch mit dem KU­RI­ER. Auch die bei­den Fi­nan­zie- rungs­fra­gen wür­den in­ten­siv dis­ku­tiert, so Wögin­ger, der kein be­son­de­rer Freund der Pfle­ge­ver­si­che­rung ist. Denn sie er­hö­he die Lohn­ne­ben­kos­ten und ver­teu­re da­mit den Fak­tor Ar­beit. Au­ßer­dem daue­re es min­des­tens sie­ben bis acht Jah­re bis in ei­ner sol­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung aus­rei­chend Fi­nanz­mit­tel auf­ge­baut wä­ren. Wögin­ger: „Die Fra­ge ist al­so, sind wir da nicht schon zu spät dran?“

An der Pfle­ge­pro­ble­ma­tik kommt frei­lich auch die Op­po­si­ti­on nicht vor­bei.

Ne­ben dem Ärz­te­man­gel und den ho­hen Mie­ten ist die Pfle­ge­mi­se­re auch auf der SPÖ-Klub­klau­sur am Don­ners­tag und Frei­tag in Wi­en The­ma. SPÖ-Che­fin Pa­me­la Ren­di-Wa­gner will da­zu un­ter an­de­rem mit 200 Bür­ger­meis­tern in Dia­log tre­ten.

Zur nö­ti­gen Ent­las­tung der pfle­gen­den An­ge­hö­ri­gen mel­det sich ak­tu­ell In­grid Ko­ro­sec, Prä­si­den­tin des Se­nio­ren­bun­des, zu Wort. Die frü­he­re ÖVP-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin regt an, dass die seit 2014 mög­li­che Pfle­ge­ka­renz und Pfle­ge­teil­zeit stär­ker be­wor­ben wird und end­lich auch zu ei­nem Rechts­an­spruch für die Be­trof­fe­nen wird. Ko­ro­sec er­in­nert: „Der­zeit ist noch die Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers er­for­der­lich.“

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