Mu­si­cal­nach­wuchs: Ich bin ein Star, wer holt mich ab?

Un­ter­hal­tung. Ab­sol­ven­ten­vor­sin­gen in Wi­en

Kurier - - Kultur - VON MAR­KUS SPIE­GEL

Wie je­des Jahr ha­ben die Ab­sol­ven­ten des Fa­ches „Mu­si­ka­li­sches Un­ter­hal­tungs­thea­ter“von fünf Uni­ver­si­tä­ten (Wi­en, Ber­lin, Mün­chen, Es­sen und Os­na­brück) die Ge­le­gen­heit, sich ih­ren künf­ti­gen Ar­beit­ge­bern vor­zu­stel­len. Im Au­di­to­ri­um sit­zen In­ten­dan­ten, Dra­ma­tur­gen, Cas­ter, Agen­ten und be­gut­ach­ten in­ter­es­siert den Nach­wuchs. Es ist kein Wett­streit der Uni­ver­si­tä­ten un­ter­ein­an­der, son­dern die ers­te Ge­le­gen­heit, nach vier Jah­ren Aus­bil­dung „de­nen im Saal“zu zei­gen, was man kann – und sich für ein even­tu­el­les En­ga­ge­ment zu emp­feh­len. „Vom Fleck weg“wird man sel­ten en­ga­giert, da müss­te schon ei­ne Va­kanz vor­lie­gen. Aber es kommt vor!

War man bis jetzt ei­ne ver­schwo­re­ne Jahr­gangs­ge­mein­schaft im ge­schütz­ten Bio­top, wird dies da­mit be­en­det. Auf sie war­tet die sehr har­te Rea­li­tät ih­res Be­ru­fes, mit dem sie viel­leicht zu vie­le Il­lu­sio­nen ver­knüp­fen. Der Kon­kur­renz­druck ist je­den­falls enorm.

Nur Muth

Mit­te Jän­ner war es wie­der so weit. Man traf sich dies­mal in Wi­en im MUTH im Au­gar­ten. Fast 300 Leu­te im Saal und 40 Ab­sol­ven­ten auf der Büh­ne, die in Grup­pen nach ih­ren Hoch­schu­len ge­ord­net in ein­stün­di­gen Show­blö­cken auf­tre­ten. Es be­gin­nen die Wie­ner, die Pri­vat­uni­ver­si­tät Mu­sik und Kunst. Die­se Aus­bil­dungs­stät­te und ih­re Do­zen­ten sind an sich hoch re­pu­tiert. Das stammt noch aus der Zeit von Ab­tei­lungs­lei­ter und Re­gis­seur Er­hard Pau­er, der mitt­ler­wei­le pen­sio­niert ist. Er trat im­mer für ei­ne Spit­zen­för­de­rung ein und hat­te da­mit recht. Zu sei­nen Ab­gän­gern ge­hö­ren: Lu­kas Per­man, Mark Sei­bert, Bet­ti­na Mönch, Ire­na Flu­ry und Johanna Ar­rouas. Pau­ers Nach­fol­ger, der Ame­ri­ka­ner Micha­el Sch­nack, hat ein an­de­res Kon­zept. Er will pri­mär En­sem­blemit­glie­der aus­bil­den. Mit die­sem Jahr­gang wird man kaum für Auf­se­hen sor­gen. Viel­leicht mit Inés Vogt, die be­reits mehr­fach aus­ge­zeich­net wur­de. Die Re­ak­ti­on im Saal war ver­hal­ten. Das kann den Ziel­set­zun­gen des neu­en Rek­tors Andre­as Mail­ath-Po­kor­ny nicht ent­spre­chen, da er sei­ne Uni­ver­si­tät als füh­ren­des Haus eta­blie­ren möch­te. Wenn man das will, ist ein Um­den­ken drin­gend ge­bo­ten.

Es­sen: Zwölf Punk­te

Von Re­gis­seur und Stu­di­en­lei­ter Pe­ter Lund und sei­ner Hoch­schu­le der Küns­te Ber­lin war nichts an­de­res zu er­war­ten als ei­ni­ge erst­klas­si­ge Ab­sol­ven­ten, von de­nen man ger­ne künf­tig mehr hö­ren möch­te.

Die­ses Jahr wa­ren die Ab­sol­ven­ten der Folk­wang Uni­ver­si­tät der Küns­te aus Es­sen un­um­strit­ten die kla­re Num­mer eins. Da ha­ben die Pro­fes­so­ren Patri­cia Mar­tin und Gil Meh­mert ein klei­nes Wun­der voll­bracht. Die Ho­mo­ge­ni­tät und die Qua­li­tät der Ab­sol­ven­ten wa­ren wirk­lich be­ein­dru­ckend, ih­re Show hat­te Klas­se.

Für ei­nen Stu­di­en­platz in Wi­en be­wer­ben sich pro Jahr rund 200 Per­so­nen, von de­nen acht auf­ge­nom­men wer­den. Wenn es zwei oder mehr Stu­den­ten durch ih­re Aus­bil­dung er­mög­licht wird sich er­folg­reich auf pro­fes­sio­nel­len Büh­nen zu be­haup­ten, wä­re das Ziel schon er­reicht. Zum Star wird man nicht aus­ge­bil­det, aber als Stu­die­ren­der mit viel Tech­nik aus­ge­stat­tet. Ein Quänt­chen Nar­ziss­mus und Ehr­geiz sind oh­ne­hin Vor­aus­set­zung. Man ist ei­ne Büh­nen­per­sön­lich­keit – oder auch nicht. Viel­leicht auch ein Star. Und dann darf man sich fra­gen „Wer holt mich ab?“

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