Auf ei­nen Kaf­fee mit der Chef­re­dak­teu­rin: Was sich kri­ti­sche Le­ser wün­schen

Kurier - - Wien - – HSP

Zu­hö­ren, Selbst­kri­tik üben, an­ders­lau­ten­de Mei­nun­gen ernst neh­men: Was de­mo­kra­ti­sche Grund­tu­gen­den sein soll­ten, droht durch „Echo­kam­mern“wie Face­book oder Twit­ter, die pri­mär Vor­ur­tei­le ver­fes­ti­gen, zu ver­küm­mern.

„Ich will den KU­RI­ER nä­her zu sei­nen Le­sern rü­cken“, ver­spricht un­ter­des­sen Chef­re­dak­teu­rin Mar­ti­na Sa­lo­mon. Demnächst wird ein KU­RI­ER-Le­ser­bei­rat ge­grün­det, mit dem ein in­ten­si­ver Aus­tausch er­fol­gen soll. Am Di­ens­tag wa­ren (zum ers­ten, aber nicht letz­ten Mal) zwan­zig kri­ti­sche Le­se­rin­nen und Le­ser auf ei­nen „Kaf­fee mit der Chef­re­dak­teu­rin“ge­la-

Mei­nungs­aus­tausch.

den, die Brie­fe und eMails an sie ver­fasst hat­ten. „Teils bö­se, teils freund­li­che.“Ei­ne St­un­de wur­de in­ten­siv und oh­ne Ta­bus dis­ku­tiert, über die Blatt­li­nie, über Un­ab­hän­gig­keit.

„Ich will nicht be­lehrt wer­den. Oder dass Moral ge­pre­digt wird“, for­der­te ein Le­ser. Da ha­be sich „viel ge­bes­sert“. Sa­lo­mon ist die Tren­nung von In­for­ma­ti­on und Kommentar ein zen­tra­les An­lie­gen: „Ich will nicht, dass die Mei­nung des Jour­na­lis­ten aus der Zei­tung springt.“

Hat sich die „Po­lit-Aus­rich­tung gra­vie­rend ver­än­dert“? Ist die Dis­tanz zur Re­gie­rung ge­schwun­den? „Mein KU­RI­ER darf nicht zur Kro­ne für Ma­tu­ran­ten wer-

– Ob­jek­ti­vi­tät – Äqui­dis­tanz

den“, for­mu­lier­te ein Le­ser. „Wir ha­ben ei­ne gro­ße Band­brei­te an Mei­nun­gen im Haus“, ent­geg­ne­te Sa­lo­mon: 240 Re­dak­teu­re wür­den nicht über Nacht ih­re Über­zeu­gung än­dern. Das Re­dak­ti­ons­sta­tut ge­steht zu­dem je­dem Jour­na­lis­ten Ge­sin­nungs­frei­heit zu.

Ei­nig sind sich al­le, dass Ver­schrei­ber „des KU­RI­ER nicht wür­dig“sind. Sie pas­sie­ren trotz­dem. Bei Ger­ma­nis­men wie „an Weih­nach­ten“, sträub­ten sich auch ihr die Haa­re, so Sa­lo­mon. Fa­zit: Wir be­mü­hen uns auf­rich­tig. Lei­der nicht im­mer mit Er­folg.

Für man­che Abon­nen­ten är­ger­lich, für die Zei­tung le­bens­wich­tig sind In­se­ra­te. Spe­zi­ell der Wer­be­man­tel der

– Spra­che – Wer­bung

“ Ti­tel­sei­te ist ein Auf­re­ger. Zur Gän­ze wer­de die­se nicht ver­kauft, ver­sprach Sa­lo­mon. Es sei al­ler­dings die größ­te Her­aus­for­de­rung für al­le Me­di­en, dass auch die En­kel­ge­ne­ra­ti­on, die mit Gra­tis­in­hal­ten auf­wächst, noch be­reit ist, für Qua­li­täts­jour­na­lis­mus zu be­zah­len.

– Je ober­fläch­li­cher die Po­li­tik wird, um­so mehr mö­ge die Re­dak­ti­on The­men wei­ter­ver­fol­gen und in die Tie­fe re­cher­chie­ren. In­des kam auch

Tie­fe

Le­ser-Lob nicht zu kurz. So ha­be sich der Sonn­tag-KU­RI­ER „dras­tisch ver­bes­sert“. Und bei 545.000 täg­li­chen Le­sern sei es „irr­sin­nig schwie­rig“, es je­dem Recht zu ma­chen.

Kei­ne Scheu vor kon­tro­ver­si­el­len De­bat­ten: Chef­re­dak­teu­rin Mar­ti­na Sa­lo­mon stand Re­de und Ant­wort

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