Ge­fähr­det: Säug­lin­ge, Sucht­kran­ke, Mi­gran­ten

Schutz. Da­mit man Schmer­zen nicht über­sieht

Kurier - - Lebensart -

Au­ßer De­menz­kran­ken wid­met sich die Schmerz­ge­sell­schaft im Rah­men der Schmerz­wo­chen noch wei­te­ren Per­so­nen­grup­pen, die ge­fähr­det sind, dass ih­re Schmer­zen über­se­hen oder falsch ein­ge­schätzt wer­den. „Da­zu zäh­len al­le, die nicht oder nicht aus­rei­chend für sich spre­chen und ei­ne Schmerz­the­ra­pie ein­for­dern kön­nen“, er­klärt Prä­si­den­tin Ga­b­rie­le Grögl-Arin­ger.

In die­se Grup­pe fal­len et­wa Säug­lin­ge. „Die Be­hand­lung von Schmer­zen bei Frau­en wäh­rend der Schwan­ger­schaft, der Ge­burts­pe­ri­ode und der Still­zeit ist oft­mals mit Un­si­cher­heit und Ängs­ten we­gen ei­ner mög­li­chen Schä­di­gung des Ba­bys ver­bun­den“, be­tont Grögl-Arin­ger. Die Schmerz­me­di­zi­ner wol­len In­for­ma­ti­ons­de­fi­zi­te be­he­ben und die Emp­feh­lun­gen der in­vol­vier­ten ärzt­li­chen Fach­grup­pen bün­deln.

Ei­ne we­nig be­ach­te­te Grup­pe sind Sucht­pa­ti­en­ten, die ent­we­der Opi­oi­de kon­su­mie­ren oder in ei­nem Sub­sti- tu­ti­ons­pro­gramm sind. Die­se wer­den Dank der The­ra­pi­en äl­ter – und ha­ben mit neu­en Pro­ble­men zu kämp­fen, sagt Wolf­gang Jaksch vom Wie­ner Wil­hel­mi­nen­spi­tal. „Durch die Er­satz­the­ra­pie ha­ben sie häu­fi­ger, in­ten­si­ver und frü­her Schmer­zen als Ge­sun­de.“Lei­der wür­den kla­re Emp­feh­lun­gen feh­len. Jaksch for­dert ei­ne struk­tu­rier­te Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Sucht- und Schmerz­me­di­zi­nern.

Wo vie­le Mi­gran­ten le­ben, sind auch ih­re Schmer­zen ein The­ma für Ärz­te. Je­ne, die un­frei­wil­lig ih­re Hei­mat ver­las­sen, be­las­tet ei­ne schlech­te In­te­gra­ti­on, weiß Jaksch. „Das wirkt auch schmerz­för­dernd.“Stu­di­en zei­gen, dass tür­ki­sche Mi­gran­ten der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on vier Mal öf­ter un­ter chro­ni­schen Kopf­schmer­zen lei­den, als Mi­gran­ten der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on. Pro­ble­ma­tisch er­wei­sen sich in der Schmerz­me­di­zin wei­ters Sprach­bar­rie­ren. Jaksch for­dert in­ter­kul­tu­rel­le Teams und pro­fes­sio­nel­le Dol­metsch­diens­te in den Spi­tä­lern.

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