An­ton-Paul Es­ter­házy, Erb­prinz

Ge­schich­ten­mit Ge­schich­te Fa­mi­lie Es­ter­házy. Die Hoff­nung, wie­derHerr ih­rer Gü­ter zu­wer­den, ist im­mer­noch auf­recht

Kurier - - Erste Seite - VON GE­ORG MAR­KUS

Die Hoff­nung, im Erb­streit doch noch zu sie­gen, ist bei An­ton-Paul Es­ter­házy groß.

Auf der Vi­si­ten­kar­te von Paul-An­ton Es­ter­házy ist kein Ti­tel ver­merkt. Und das, ob­wohl er sich auch heu­te noch „Erb­prinz“nen­nen dürf­te, wei­ler deut­scher und un­ga­ri­scher Staats­bür­ger ist .„ Ich ha­be den Ti­tel in Ös­ter­reich aber nie ge­führt“, sagt er.

Und doch spie­len die Ti­tel im Rechts­streit der Fa­mi­lie Es­ter­házy ge­gen Ste­fanOt­t­ru­bay, dem Chef der E st er­házy- Be trie­be Gm­bH ., ei­ne gro­ße Rol­le. Ins­be­son­de­re, wasPau­lAn­tons Groß­on­kel Paul V. be­trifft, der einst über das Mil­li­ar­den ver­mö­gen ver­füg­te. Paul E st er­házy durf­te bis zu sei­nem Tod im Jahr 1989 auch in Ös­ter­reich den Ti­tel „Fürst“füh­ren.

Son­der­fall Bur­gen­land

Weil näm­lich das Bur­gen­land dies­be­züg­lich ein Son­der­fall war: Wäh­rend die Adels­ti­tel in der Ers­ten Re­pu­blik ver­bo­ten wur­den, war das im Bur­gen­land­an­ders. Denn­da­sBur­gen­land ge­hör­te 1919, als das „Adels­auf­he­bungs­ge­setz“er­las­sen wur­de, noch nicht zu Ös­ter­reich. Und des­halb konn­ten dort da­mals auch die dies­be­züg­li­chen Pa­ra­gra­fen nicht in Kraft tre­ten. Das ge­schah erst im Jahr 2008, al­so mit fast 90-jäh­ri­ger (sehr ös­ter­rei­chi­scher) Ver­spä­tung!

Rechte­un­dPflich­ten

Paul V. ist al­so 1989 als Fürst ge­stor­ben. Doch dar­um geht es sei­nem Groß­nef­fen gar nicht. Ihm geht’s viel­mehr dar­um, dass das Füh­ren der Adels­ti­tel mit be­stimm­ten Rech­ten und Pflich­ten ver­bun­den war. Und zu den Pflich­ten der Es­ter­házys ge­hör­te es seit drei Jahr­hun­der­ten schon, dass der je­wei- li­ge Fürst sein Ver­mö­gen dem Erst­ge­bo­re­nen der nächs­ten oder über­nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on zu ver­ma­chen hat­te. Und das war (und ist) der heu­te in Un­garn le­ben­der Va­ter von Paul-An­ton.

Ihm hät­te dem­nach die Ver­wal­tung der mil­li­ar­den­schwe­ren Stif­tun­gen über­tra­gen wer­den sol­len und nicht Fürst Pauls Wit­we Me­lin­da, der nach der Rechts­auf­fas­sung von Es­ter­házys An­walt Ma­xi­mi­li­an Schaff­gotsch nur das in der Schweiz per­sön­li­cher­wor­be­ne Ver­mö­gen ih­res Man­nes zu­stand. Über Me­lin­da aber ge­lang­ten auch die Stif­tun­gen an ih­ren Nef­fen Ste­fan Ot­t­ru­bay. Die­ser Streit ist noch nicht aus­ge­foch­ten. „Es war je­den­falls im Sin­ne mei­nes Groß­on­kels“, sagt Pau­lAn­ton Es­ter­házy, „dass sein Nef­fe die Es­ter­házy-Stif­tun­gen über­nimmt“.

Min­des­tens so span­nend wie die Ge­gen­wart ist die Ge­schich­te des 700 Jah­re al­tenGe­schlechts.

– Fürst Paul I. Die Pflicht, dass der Erst­ge­bo­re­ne das Er­be­des je­wei­li­gen Fa­mi­li­eno ber­haupts an­tritt (Pri­mo­ge­ni­tur), wur­de un­ter Paul I. (1635–1713) ge­schaf­fen. Er be­gann mit dem Bau des Schlos­ses Ei­sen­stadt, stand wäh­rend der Zwei­ten­auf Sei­ten der Habs­bur­ger und wur­de als ers­ter Es­ter­házy mit dem Fürs­ten­ti­tel be­lohnt.

– Fürst Paul An­ton Be­deu­tend war auch Paul An­ton Es­ter­házy (1711–1762), der das Schloss Ei­sen­stadt zu ei­nem Kul­tur­zen­trum ers­ten Ran­ges aus­bau­te und der ers­te von drei Es­ter­házy-Fürs­ten war, der Jo­seph Haydn als Ka­pell­meis­ter an­stell­te.

– Fürst Ni­ko­laus I. Auch Ni­ko­laus I. (1714–1790), ge­nannt „der Pracht­lie­ben­de“, be­schäf­tig­te Haydn in sei­nem Orches­ter.

– Fürst Ni­ko­laus II. Ein gro­ßer Mä­zen war auch Ni­ko­laus II. (1765–1833), der Schloss Ei­sen stadt er­wei­tern ließ und bei Lud­wig van Beet­ho­ven die Mes­se in C-Dur in Auf­trag gab. Ni­ko­laus II. führ­te die Fa­mi­lie zum Ze­nit Ih­rer Macht, brach­te sie dann aber durch sein Wir­ken an den Rand des Ruins. Er selbst und spä­te­re Ge­ne­ra­tio­nen bau­ten das ver­lo­re­ne Ver­mö­gen­wie­der auf.

– Fürst Paul V. Auch Paul V. (1901–1989), um­des­senEr­be es im ak­tu­el­len Streit zwi­schen den Fa­mi­li­en Es­ter­házy und Ot­t­ru­bay geht, ver­lor sei­nen Be­sitz. Zu­erst an die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, da­nach in Un­garn und an­de­ren Län­dern an die Kom­mu­nis­ten. Nach Ab­schluss des Staats­ver­trags wur­de der ös­ter­rei­chi­sche Be­sitz re­sti­tu­iert.

Paul-An­ton und sein An­walt glau­ben trotz et­li­cher ver­lo­ren ge­gan­ge­ner Ge­richts ent­schei­de im­mer noch dar­an, dass die Es­ter­házys ei­nes Ta­ges­wie­derHerr über das Jahr­hun­der­te in ih­rem Be­sitz ste­hen­deVer­mö­gen sein­wer­den.

ge­org.mar­[email protected]­ri­er.at

„Es war im Sin­ne mei­nes Groß­on­kels, dass sein Nef­fe – mein Va­ter – die Es­ter­házy-Stif­tun­gen über­nimmt“: Paul-An­ton Es­ter­házy

Ge­spräch: Ge­org Mar­kus, Paul-An­ton Es­ter­házy, An­walt Schaff­gotsch

Von Es­ter­házys ge­för­dert: Jo­seph Haydn, Lud­wig van Beet­ho­ven

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