Fai­rer Han­del, für al­le ein­seh­bar

Le­bens­mit­tel. UN-Er­näh­rungs­ex­per­te Schmid­hu­ber will mit Block­chain-Tech­no­lo­gie Kon­trol­len er­leich­tern

Kurier - - Wirtschaft - VON ANDRE­AS ANZENBERGE­R

Der Ro­bo­ter jä­tet prä­zi­se. Die com­pu­ter­ge­steu­er­te Ma­schi­ne kann Nutz­pflan­zen von Un­kraut un­ter­schei­den und Letz­te­re vom Feld ent­fer­nen. Pflan­zen­schutz­mit­tel wer­den nicht be­nö­tigt. Jo­sef Schmid­hu­ber von der Er­näh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der UNO (FAO) hat ein Fo­to von der Jät­ma­schi­ne zur Win­ter­ta­gung des Öko­so­zia­len Fo­rums ins Aus­tria Cen­ter Wi­en mit­ge­bracht. „Wir brau­chen mehr Tech­no­lo­gie, um nach­hal­tig pro­du­zie­ren zu kön­nen“, be­tont der stell­ver­tre­ten­de FAO-Di­rek­tor für Han­del, Markt und Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on.

Da­zu ein Bei­spiel: Die Block­chain-Tech­no­lo­gie wer­de be­reits für die Kon­trol­le der Kenn­zeich­nung von Fair­Tra­de-Pro­duk­ten wie Ka­kao ge­tes­tet, so Schmid­hu­ber. Der­zeit wird die­se Tech­no­lo­gie vor al­lem für Kryp­towäh­run­gen wie Bit­co­in ge­nutzt.

Al­le se­hen es

Der gro­ße Vor­teil da­bei: Al­le In­for­ma­tio­nen sind für al­le ein­seh­bar. Nach­träg­li­che Ve­rän­de­run­gen der In­for­ma­tio­nen sind nicht mög­lich.

Als Ge­gen­bei­spiel nann­te Schmid­hu­ber den Im­port von be­son­ders bil­li­gen Ba­na­nen in die EU. Bei den nied­ri­gen Prei­sen „ha­ben die Pro­du­zen­ten kei­ne Mög­lich­keit, Um­welt- und So­zi­al­stan­dards ein­zu­hal­ten“. Die bil­li­gen Ba­na­nen sind der­zeit in Deutsch­land sehr be­liebt.

Der FAO-Ex­per­te ist über­zeugt, dass mo­der­ne Tech­no- lo­gi­en wie smart far­ming in all sei­nen Va­ri­an­ten zur Not­wen­dig­keit wer­de. Es rei­che nicht mehr aus, wie in der Ver­gan­gen­heit nur auf Quan­ti­tät zu set­zen. Auch wenn die Welt­be­völ­ke­rung deut­lich wach­sen wird.

Ak­tu­ell be­merkt der stell­ver­tre­ten­de FAO-Di­rek­tor bei ei­ni­gen Agrar­pro­duk­ten „ei­nen Preis­druck nach un­ten“. Da­für gibt es auch po­li­ti­sche Grün­de. Chi­na hat im ver­gan­ge­nen Jahr zum ers­ten Mal we­ni­ger So­ja im­por­tiert als im Jahr zu­vor. Hin­ter­grund ist der Han­dels­streit mit den USA. Die So­ja­prei­se sind in den USAdar­auf- hin um 10 Pro­zent und mehr ge­fal­len.

Auch Kli­schees sor­gen für fal­sche Vor­stel­lun­gen. Die all­seits be­lieb­te Vor­stel­lung, dass die Klein­bau­ern in Afri­ka, Asi­en oder Süd­ame­ri­ka ei­nen wich­ti­gen Bei­trag der Er­näh­rung der Welt­be­völ­ke­rung leis­ten kön­nen, ist laut den Zah­len der FAO ei­ne Il­lu­si­on. Welt­weit nut­zen nur zwei Pro­zent der Bau­ern Flä­chen, die grö­ßer sind als 20 Hekt­ar. Die Klein­bau­ern pro­du­zie­ren „vor al­lem für die Ei­gen­ver­sor­gung“, weiß Schmid­hu­ber. „Die gro­ßen Be­trie­be pro­du­zie­ren die Über­schüs­se.“

Mas­si­ve Ver­lus­te

Da­zu kommt, dass in Ent­wick­lungs­län­dern bis zu 30 Pro­zent der Ern­te durch schlech­te Be­din­gun­gen beim Trans­port oder bei der La­ge­rung ver­lo­ren geht. Hier sieht die FAO auch mas­si­ven Hand­lungs­be­darf.

Auch Stu­di­en, die et­wa er­klä­ren, wie man die Welt al­lein ve­ge­ta­risch er­näh­ren kann, sind mit Vor­sicht zu ge­nie­ßen. Ge­trei­de wird vor al­lem in Ost­ös­ter­reich an­ge­baut, wäh­rend in den west­li­chen Bun­des­län­dern die Wei­de­wirt­schaft do­mi­niert.

Man kann na­tür­lich aus­rech­nen, wie hoch die Er­trä­ge sind, wenn man auch in We­st­ös­ter­reich oder an­de­ren Re­gio­nen der Welt auf Feld­früch­te um­stel­len wür­de. Al­ler­dings wä­ren die Er­trä­ge deut­lich nied­ri­ger und die Prei­se deut­lich hö­her . Die so pro­du­zier­ten Le­bens­mit­tel wä­ren viel zu teu­er und da­her un­ver­käuf­lich.

Der Lap­top als Gr­und­aus­stat­tung für die mo­der­ne Land­wirt­schaft

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