Mehr­heit der EU-In­nen­mi­nis­ter wür­de mit Kickl mit­zie­hen

Kurier - - Politik - – R. LINDORFER

Brief an Brüs­sel. In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl sucht auf EUEbe­ne Mit­strei­ter da­für, kri­mi­nell ge­wor­de­ne Asyl­wer­ber und an­er­kann­te Flücht­lin­ge leich­ter ab­zu­schie­ben. Der EU-Kom­mis­si­on in Brüs­sel schick­te er ei­nen ent­spre­chen­den Brief. Die­se will „zur ge­ge­be­nen Zeit ant­wor­ten“.

Kickl will beim Ab­schie­ben „ein bis­serl krea­tiv“wer­den. Was for­dert er von der EU-Kom­mis­si­on ein?

An­lass für Kickls Brief an Brüs­sel ist die Er­mor­dung ei­ner jun­gen Frau durch ei­nen Flücht­ling, der zu­vor mehr­mals straf­fäl­lig ge­wor­den ist. Sei­ne frü­he­ren Ver­bre­chen aber wa­ren nicht schwer. Da­her durf­te dem jun­gen Mann laut gel­ten­der EU-Sta­tus­richt­li­nie der Asyl­sta­tus nicht ab­er­kannt wer­den. Dies will Kickl än­dern: Nach mehr­ma­li­gen leich­te­ren Ver­ge­hen soll ei­ne Aber­ken­nung und ei­ne Ab­schie­bung mög­lich sein.

Wird Kickl das durch­set­zen kön­nen?

In den nächs­ten Mo­na­ten nicht. Zwar sieht dies ei­ne knap­pe Mehr­heit der EU-In­nen­mi­nis­ter ähn­lich: Auch Flücht­lin­ge, die wie­der­holt nicht-schwe­re Straf­ta­ten be­gan­gen ha­ben, sol­len ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen. Die Re­de wä­re et­wa von Kör­per­ver­let­zung. La­den­dieb­stäh­le wä­ren zu we­nig. Doch als KoGe­setz­ge­ber hat das EU-Par­la­ment bei den Ver­hand­lun­gen mit­zu­re­den. Dort legt man sich quer: Ab­schie­bun­gen sol­len wei­ter nur nach Ver­ur­tei- lun­gen we­gen schwe­rer Straf­ta­ten durch­ge­führt wer­den.

Die Schwe­re ei­nes Ver­bre­chens ent­schei­det über ei­ne Ab­schie­bung?

Aus der Ju­di­ka­tur er­gibt sich, dass et­wa Mord, Ver­ge­wal­ti­gung oder be­waff­ne­ter Raub als be­son­ders schwe­re Straf­ta­ten zu ei­nem Ver­lust des Asyl­sta­tus füh­ren kön­nen – der­je­ni­ge gilt dann als „nicht schutz­wür­dig“bzw. als Ge­fahr für die All­ge­mein­heit. Üb­li­cher­wei­se braucht es ei­ne rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lung. Das Ge­setz lässt aber et­was Spiel­raum: So heißt es, dass das Asyl­amt je­man­dem den Schutz­ti­tel ver­weh­ren kann, wenn nur die An­nah­me be­steht, dass er et­wa ei­nen Mord be­gan­gen hat. Ob er tat­säch­lich ab­ge­scho­ben wird, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt. Die Jus­tiz hat ja die Pflicht, Straf­ta­ten zu ver­fol­gen und kann den Ver­däch­ti­gen nicht ein­fach au­ßer Lan­des brin­gen.

Wer Asyl be­kommt und wer nicht, ent­schei­den doch die Staa­ten und nicht die Kom­mis­si­on. Wo­zu al­so ein Brief an Brüs­sel?

Um die EU-Flücht­lings­po­li­tik bes­ser zu ma­na­gen, braucht es ein ge­mein­sa­mes eu­ro­päi­sches Asyl­recht. Das wird seit Jah­ren mit Mü­he ver­han­delt, ei­ne Ei­ni­gung ist nicht in Sicht. Wann kri­mi­nel­le Flücht­lin­ge ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen, ist Teil die­ser Ver­hand­lun­gen. Die Kom­mis­si­on kann Druck ma­chen.

– I. STEINER-GASHI, BRÜS­SEL

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