Kurz darf SPÖ und Lans­ky nicht ver­däch­ti­gen

Ibi­za-Af­fä­re. Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung und per­sön­li­ches Ver­spre­chen ge­gen Ver­schwö­rungs­theo­ri­en

Kurier - - Politik - – RAF­FAE­LA LIN­DOR­FER

Ein­ein­halb Mo­na­te ist es her, dass das Ibi­za-Vi­deo, das zum Zer­bre­chen der tür­kis-blau­en Ko­ali­ti­on ge­führt hat, er­schie­nen ist. Noch im­mer kur­sie­ren Ver­schwö­rungs­theo­ri­en rund um die Ent­ste­hung – und die ÖVP hat auch ei­ne: Die SPÖ oder zu­min­dest je­mand aus dem SPÖUm­feld ste­cke da­hin­ter, sag­te Ex-Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz zu­letzt mehr­mals ge­gen­über ver­schie­de­nen Me­di­en.

Das darf er jetzt nicht mehr. Das Wie­ner Han­dels­ge­richt hat ei­nem An­trag der SPÖ recht ge­ge­ben: In ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung wird dem ÖVP-Chef un­ter­sagt, die So­zi­al­de­mo­kra­ten hin­sicht­lich Er­stel­lung oder Ver­öf­fent­li­chung des Vi­de­os öf­fent­lich zu ver­däch­ti­gen. Der „un­be­fan­ge­ne Durch­schnitts­adres­sat“– et­wa ein Zei­tungs­le­ser – be­kom­me durch die in­kri­mi­nier­ten Aus­sa­gen sonst den Ein­druck, dass die SPÖ in die An­bah­nung, Pro­duk­ti­on bzw. Ver­brei­tung des Ibi­za-Vi­de­os in­vol­viert ge­we­sen sein könn­te. Laut Han­dels­ge­richt fehl­ten da­für aber die Be­le­ge. Kurz konn­te auch kei­ne kon­kre­ten nen­nen.

Der ÖVP-Chef be­zieht sich bei sei­nem Ver­dacht auf ei­nen „jun­gen An­walt mit ira­ni­schen Wur­zeln“, ge­gen den er­mit­telt wird, und zog auch des­sen frü­he­ren Ar­beit­ge­ber mit hin­ein: Die Kanz­lei von An­walt Ga­b­ri­el Lans­ky sei ja „ei­ne sehr SPÖ-na­he Kanz­lei“, mein­te Kurz am Mitt­woch auf Puls4 – was Lans­ky nicht auf sich sit­zen ließ und prompt mit ei­ner Kla­ge droh­te.

Ei­ni­gung am Sonn­tag

Am Sams­tag be­kräf­tig­te Kurz den Vor­wurf so­gar noch ein­mal. Tags dar­auf dürf­te er die­se ju­ris­ti­sche Front aber be­frie­det ha­ben: Lans­ky sieht von ei­ner Kla­ge ab, weil Kurz ihm in ei­nem Ge­spräch zu­ge­sagt hat­te, dass der­lei Aus­sa­gen nicht mehr vor­kom­men wer­den, sagt der An­walt.

In ei­nem Ge­spräch am Sonn­tag sei­en die Vor­wür­fe des Ex-Bun­des­kanz­lers er­ör­tert wor­den. Kurz hat­te ja so­gar be­haup­tet, dass die Kanz­lei Lans­ky das Ibi­za-Vi­deo zum Ver­kauf an­ge­bo­ten hat. „Ich ha­be Herrn Kurz wahr­heits­ge­mäß be­rich­tet, dass Rechts­an­walt M., ge­gen den Er­mitt­lun­gen lau­fen, seit über 15 Jah­ren nicht mehr in un­se­rer Kanz­lei tä­tig ist und wir in kei­ner wie auch im­mer ge­ar­te­ten Wei­se mit der Ibi­za-Af­fä­re zu tun hat­ten“, er­klärt Lans­ky.

Und er zeigt sich ver­söhn­lich: „Ich bin über­zeugt da­von, dass es Zei­chen de­mo­kra­ti­scher Dis­kurs­qua­li­tät ist, wenn Spit­zen­po­li­ti­ker den Weg zum Ge­spräch su­chen und er­öff­ne­te Grä­ben wie­der zu schlie­ßen in der La­ge sind.“

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