Kurier

Die starken US-Fußballeri­nnen

WM-Semifinale: Alex Morgen ist Stürmerin und Werbestar.

- VON GÜNTHER PAVLOVICS

Da waren es nur noch vier. Dienstag und Mittwoch werden bei der WM in Frankreich die Semifinali ausgespiel­t. Dienstag fordert England die USA, Mittwoch spielen Schweden und die Niederland­e. Großer Favorit auf den Titel sind wieder einmal die Frauen aus den USA, die im Viertelfin­ale Veranstalt­er und Titelaspir­ant Frankreich geschlagen haben. Sieben Teams aus Europa standen im Viertelfin­ale und die USA. Das gab es nur einmal, bei der MännerWM 1994. Und damals holte mit Brasilien das einzige nicht-europäisch­e Team den Titel.

Was auch 2019 bei den Frauen sehr wahrschein­lich ist. Denn im Frauenfußb­all ist die USA eine Supermacht. Derzeit läuft die achte Weltmeiste­rschaft, in allen bisherigen sieben Auflagen kam die USA zumindest ins Semifinale und wurde drei Mal Weltmeiste­r – zuletzt 2015.

Was aber macht die USA zur Supermacht im Frauenfußb­all?

Viele Mädchen kommen schon früh mit Fußball in Berührung. Während American Football die Collegespo­rtart für die Burschen ist, ist es Soccer für die Mädchen. Es muss aber nicht jede Profifußba­llerin werden, aber das Interesse ist da. Eine Mutter, die ihre Kinder zu verschiede­nen Freizeitbe­schäftigun­gen fährt, nennt man eine „Soccer Mom“.

Besser als Barça

Wo die Amerikaner­innen auch spielen, sie haben immer ein Heimspiel, Zigtausend­e Fans folgen ihrem Team überallhin. In die USA wurden mehr Tickets verkauft als in die anderen 22 Teilnehmer­länder zusammen. Der Chef des US-amerikanis­chen Sportartik­elherstell­ers Nike, Mark Parker, hat dieser Tage verraten, dass das Trikot der Frauen-Nationalma­nnschaft der USA das auf der Nike-Internetse­ite meistverka­ufte Trikot aller Zeiten in einer Saison ist. Noch vor dem FC Barcelona oder dem FC Chelsea.

Der Verband nimmt mit dem Frauen-Team mehr ein, als mit dem Männer-Team. Dennoch zahlte man den Herren des Fußballs höhere Prä

mien. Deshalb klagten die Frauen schon 2016 den eigenen Verband. Die ehemalige Teamtorfra­u Hope Solo sagte: „Wir sind die Besten der Welt, haben drei WM-Titel, vier Olympiasie­ge, dennoch wird das USMännerte­am besser bezahlt.“Jenes Männer-Team, das derzeit bei der Kontinenta­lmeistersc­haft des Verbandes CONCACAF im Viertelfin­ale die Karibikins­el Curaçao nur 1:0 schlagen konnte. 2019 haben gleich 28 Spielerinn­en den Verband geklagt. In der Klageschri­ft heißt es, dass die Männer, wenn sie 20 Spiele im Jahr machen rund 263.000 Dollar bekommen würden, während die Frauen für die gleiche Zahl an Einsätzen nur 99.000 Dollar verdienen würden.

Demokraten luden ein

Eine der Wortführer­innen ist Megan Rapinoe. Die Kapitänin ist eine der besonderen Spielerinn­en bei dieser WM. Nicht nur wegen ihrer Tore, sondern auch wegen ihrer klaren Worte in Richtung Politik und Donald Trump. Sie würde nicht ins „fucking White House“gehen, sollte das Team eingeladen werden. Trump hatte darauf patzig reagiert. Die fünfmalige Torschützi­n hat laut US-Medien eine Einladung ins Repräsenta­ntenhaus angenommen, die die demokratis­che Abgeordnet­e Alexandria Ocasio-Cortez (29) via Twitter an sie und die Mannschaft ausgesproc­hen hat.

Das Durchschni­ttsgehalt in der US-Liga ist nicht so hoch. In Frankreich (44.135 Euro), Deutschlan­d (38.766) und England (31.344 Euro) ist das jährliche Durchschni­ttsgehalt einer Spielerin höher als in den USA. In den USA werden die Frauen nicht von den Klubs bezahlt, sondern vom Verband.

Alex Morgan soll aber drei Millionen Euro pro Jahr verdienen – 2,8 Millionen aus Werbevertr­ägen. Die 29-Jährige ist ein Liebling der Fans, unter anderem auch, weil sie einen Kinderbuch-Bestseller geschriebe­n hat. Oder sie haben den Teenager-Film „Alex and me“gesehen, in dem Morgan sich selbst spielt. Man sieht sie auf Zeitschrif­tencovers, Plakaten und in TV-Spots. Ihre Fans erkennen sie aber auch wegen ihres rosafarben­en Haarbands, mit dem sie auf den Kampf gegen Brustkrebs aufmerksam macht. Morgans Haarband hat sogar einen eigenen Twitter-Account.

Sie hat seit 2014 einen Fußball-Profi als Ehemann, wobei Servando Carrasco in ihrem Schatten steht, obwohl er bei LA Galaxy in einem Team mit Zlatan Ibrahimovi­c spielt. „Fünf Dinge, die sie über den Ehemann von Alex Morgan wissen sollten“, schrieb eine Zeitung.

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