Mes­ser­an­grif­fe: Li­be­ra­les Waf­fen­ge­setz als Pro­blem

Kri­mi­nal­sta­tis­tik. La­xe Be­stim­mun­gen: Dol­che und Ein­hand­mes­ser wur­den zu ei­nem Pro­blem­fall.

Kurier - - Rätsel · Österreich - VON DO­MI­NIK SCHREI­BER UND KID MÖCHEL

Ei­ne In­ter­net­sei­te für Mes­ser­fans bringt es ziem­lich ge­nau auf den Punkt: „Man kann das ös­ter­rei­chi­sche Waf­fen­ge­setz hin­sicht­lich Mes­sern mit drei Wor­ten er­klä­ren: Nichts ist ver­bo­ten.“

Tat­säch­lich gilt in der Al­pen­re­pu­blik ei­nes der li­be­rals­ten Waf­fen­rech­te be­züg­lich Hieb- und Stich­waf­fen. Je­der, der über 18 Jah­re alt ist und ge­gen den kein ex­pli­zi­tes Waf­fen­ver­bot be­steht (al­so rund sechs Mil­lio­nen Men­schen), darf ein Spring­mes­ser ein­ste­cken, ei­nen Dolch am Bein fest­ge­bun­den ha­ben und da­zu noch ein Schwert am Gür­tel mit­füh­ren.

Ver­bo­ten sind ei­gent­lich nur ver­steck­te Stich­waf­fen – al­so wenn ein Mes­ser wie ein ganz an­de­rer Ge­gen­stand aus­sieht (bei­spiels­wei­se ein Geh­stock, Han­dy oder Feu­er­zeug) – dar­in dann aber tat­säch­lich ei­ne ge­tarn­te Stich­waf­fe zu fin­den ist.

Kri­mi­nal­sta­tis­tik

Das al­les wird zu­neh­mend zu ei­nem Pro­blem. Vor al­lem Stich­waf­fen mit lan­ger Klin­ge (Dol­che, Ma­che­ten) und so­ge­nann­te Ein­hand­mes­ser (Sprin­ger, Läu­fer, But­ter­fly) sind der­zeit die Sor­gen­kin­der der Po­li­zei, das be­rich­te­te Franz Lang, in­te­ri­mis­ti­scher Ge­ne­ral­di­rek­tor für die Öf­fent­li­che Si­cher­heit, bei ei­nem Hin­ter­grund­ge­spräch im In­nen­mi­nis­te­ri­um.

Die­se Pro­blem­fel­der ha­ben sich auch durch ei­ne Ana­ly­se im Res­sort ge­zeigt. Die­se so­ge­nann­te „SOKO Frau­en­mor­de“ wur­de von Ex-In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl ein­ge­setzt, die ge­nau­en Er­kennt­nis­se da­zu wer­den erst im Herbst ver­öf­fent­licht.

Fix ist, dass die Zahl der An­grif­fe mit Hieb- und Stich­waf­fen stark zu­ge­nom­men hat. Me­di­en ver­glei­chen ger­ne die Jah­re 2008 und 2017, um ei­ne dra­ma­ti­sche Stei­ge­rung in­ner­halb die­ser zehn Jah­re um 200 be­zie­hungs­wei­se 400 Pro­zent zu do­ku­men­tie­ren.

Im De­tail bie­tet sich aber ein sehr ei­gen­ar­ti­ges Bild – ei­gent­lich gibt es den enor­men Sprung (mit ei­ner Ver­vier­fa­chung) nur vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010. Da­nach bleibt die Zahl der An­grif­fe mehr oder we­ni­ger kon­stant, es gibt nur mehr ei­ne mi­ni­ma­le Stei­ge­rung in den fol­gen­den Jah­ren.

Ein di­rek­ter Zu­sam­men­hang mit der Flücht­lings­wel­le (2015) kann al­so nicht her­ge­stellt wer­den, das Pro­blem ist schon da­vor ent­stan­den. Die über­wie­gen­de Zahl der­ar­ti­ger An­grif­fe und Kör­per­ver­let­zun­gen pas­siert aber oh­ne­hin in­ner­halb von Eth­ni­en – al­so Af­gha­nen ge­gen Af­gha­nen oder auch Ös­ter­rei­cher ge­gen Ös­ter­rei­cher.

Die Politik re­agier­te zu­letzt mit Waf­fen­ver­bots­zo­nen und (seit Jah­res­be­ginn mit) Mes­ser­ver­bo­ten für Asyl­wer­ber. Ob die­se bei­den Maß­nah­men et­was ge­bracht ha­ben, da­zu gibt es bis­her noch kei­ne va­li­den Be­le­ge. Ei­ne Bi­lanz zu den Mes­ser­ver­bo­ten konn­te we­der die Wie­ner Po­li­zei noch das In­nen­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge zur Ver­fü­gung stel­len.

„In­ti­mi­zi­de“

Be­züg­lich der Mord-Ana­ly­se ist das Pro­blem aber oh­ne­hin nicht die Blut­tat auf of­fe­ner Stra­ße an ei­ner un­be­kann­ten Per­son. Der über­wie­gen­de Teil al­ler Tö­tungs­de­lik­te sind so­ge­nann­te „In­ti­mi­zi­de“, wie Ge­ne­ral Lang be­ton­te. Das be­deu­tet, dass es sich um Part­ner (oft in der Tren­nungs­pha­se) han­delt, bei de­nen dann auch noch il­le­ga­le Dro­gen oder Al­ko­hol im Spiel sind.

Er­leich­tert wird dies si­cher auch durch die li­be­ra­le Ge­setz­ge­bung. In Deutsch­land oder der Schweiz et­wa dür­fen mit­ge­führ­te Mes­ser­klin­gen im Nor­mal­fall kei­ne fünf Zen­ti­me­ter über­ra­gen, Ein­hand­mes­ser sind teil­wei­se kom­plett ver­bo­ten.

Bei Mes­sern ist sehr viel er­laubt, Deutsch­land ist weit stren­ger

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