Kli­ma­wan­del: Bau­ern ver­dien­ten 2018 um zehn Pro­zent we­ni­ger

Tro­cken­heit und Hit­ze ver­ur­sach­ten mas­si­ve Er­trags­ein­bu­ßen

Kurier - - Erste Seite - VON ANDRE­AS ANZENBERGE­R

Grü­ner Be­richt. Nach zwei Jah­ren mit Ein­kom­mens­zu­wäch­sen gab es im Vor­jahr für die hei­mi­schen Land­wir­te Ein­bu­ßen. Ex­tre­me Wet­te­rer­eig­nis­se und er­höh­ter Schäd­lings­druck ha­ben die Ern­te­er­trä­ge et­wa bei Zu­cker­rü­ben oder Kar­tof­feln mas­siv ver­rin­gert. Da­zu sind noch zu­sätz­li­che Kos­ten für die Tier­füt­te­rung ge­kom­men. Be­trie­be mit Bio­land­wirt­schaft wa­ren we­ni­ger von den Ein­kom­mens­ein­bu­ßen be­trof­fen als kon­ven­tio­nel­le Be­trie­be. Die Prei­se bei Bio­le­bens­mit­teln sind sta­bi­ler und die Sub­ven­tio­nen deut­lich hö­her.

Groß ist bes­ser

Auch Be­trie­be, die im Haupt­er­werb ge­führt wer­den, sind von den Ein­kom­mens­ver­lus­ten we­ni­ger stark be­trof­fen als Ne­ben­er­werbs­be­trie­be.

Der neue Grü­ne Be­richt über die Land- und Forst­wirt­schaft macht auch deut­lich, dass kaum ein Be­trieb oh­ne Sub­ven­tio­nen über­le­bens­fä­hig wä­re. Dem­nächst wird in Brüs­sel über die Neu­re­ge­lung der EU-Sub­ven­tio­nen für die Bau­ern ent­schie­den.

WIRT­SCHAFT

Es war kein gu­tes Jahr für die hei­mi­schen Bau­ern. 2018 sind die Ein­künf­te aus Land­und Forst­wirt­schaft in Ös­ter­reich ver­gli­chen mit dem Vor­jahr um zehn Pro­zent ge­sun­ken. Der Grund da­für ist laut dem „Grü­nen Be­richt“der Kli­ma­wan­del. We­gen Tro­cken­heit, Hit­ze, ex­tre­men Re­gen­fäl­len und Schäd­lings­be­fall sind die Ern­te­er­trä­ge ins­be­son­de­re bei Kar­tof­feln oder Zu­cker­rü­ben dras­tisch zu­rück­ge­gan­gen.

Da­zu kommt, dass mehr Fut­ter­mit­tel zu­ge­kauft wer­den muss­ten, weil we­gen der Hit­ze we­ni­ger Gras­fut­ter zur Ver­fü­gung stand. Au­ßer­dem ist der Preis für Schwei­ne­fleisch ge­sun­ken.

Bei den hei­mi­schen Bi­o­be­trie­ben be­tru­gen die Er­trags­ein­bu­ßen le­dig­lich zwei Pro­zent. Der Grund da­für sind deut­lich hö­he­re Sub­ven­tio­nen, hö­he­re Prei­se und ein sta­bi­le­res Markt­seg­ment bei den Bio­le­bens­mit­teln. Bio gilt nach wie vor als Pre­mi­um­pro­dukt.

Struk­tur­wan­del

Die Zah­len sind auch ein Be­leg für den Struk­tur­wan­del in der hei­mi­schen Land­wirt­schaft. Klei­ne Struk­tu­ren sind im­mer we­ni­ger kon­kur­renz­fä­hig. Bi­o­be­trie­be sind ge­mes­sen an der Durch­schnitts­flä­che grö­ßer als kon­ven­tio­nel­le Be­trie­be.

Wäh­rend bei den Haupt­er­werbs­land­wir­ten das Mi­nus bei den Ein­kom­men le­dig­lich fünf Pro­zent be­trug, wa­ren es bei den Ne­ben­er­werbs­bau­ern mehr als zehn Pro­zent. Auch hier ist die Be­triebs­grö­ße wohl ein wich­ti­ger Fak­tor.

Das ist auch der Grund für das Ost-West-Ge­fäl­le bei den Bau­ern-Ein­kom­men. Die grö­ße­ren Be­trie­be sind im Os­ten. Das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men je Be­trieb be­trug 2018 in Nie­der­ös­ter­reich 30.676 Eu­ro. In Ti­rol wa­ren es nur 16.445 Eu­ro.

Ge­ne­rell kann man als Haupt­er­werbs­be­trieb deut­lich mehr ver­die­nen als im Ne­ben­er­werb. Ein gu­tes Bei­spiel da­für sind die Wein­bau­ern. Dort sind die Ein­kom­men laut Sta­tis­tik stär­ker zu­rück­ge­gan­gen als in an­de­ren land­wirt­schaft­li­chen Be­rei­chen. Doch das gilt nur für ei­nen Teil der Win­zer.

Qua­li­tät zählt

Es gibt auch vie­le Wein­bau­ern, die mit ih­ren Qua­li­täts­wei­nen im Vor­jahr ein sehr gu­tes Ge­schäft ge­macht ha­ben. Im Bil­ligs­eg­ment gab es al­ler­dings we­gen der gro­ßen Ern­te­men­ge ei­nen mas­si­ven Preis­ver­fall. Ne­ben­er­werbs­bau­ern, die sich kaum um den Wein­gar­ten küm­mern kön­nen, be­kom­men 0,35 Cent für ein Ki­lo Trau­ben. Spit­zen­wein­gü­ter, wie die Do­mä­ne Wach­au, zah­len ih­ren Ge­nos­sen­schafts­mit­glie­dern für die bes­te Trau­ben-Qua­li­tät zwi­schen vier und fünf Eu­ro das Ki­lo.

Der „Grü­ne Be­richt“zeigt auch, wie stark die hei­mi­schen Land­wirt­schaft von Sub­ven­tio­nen ab­hän­gig ist. Oh­ne mas­si­ve Zu­schüs­se wä­re kaum ein Be­trieb über­le­bens­fä­hig.

Der­zeit wird in Brüs­sel über deut­li­che Kür­zun­gen bei den künf­ti­gen EU-För­de­run­gen für die Land­wirt­schaft dis­ku­tiert. Die ös­ter­rei­chi­schen Agrar­po­li­ti­ker ha­ben be­reits ge­gen die Spar­plä­ne pro­tes­tiert.

We­gen der Wet­ter­ka­prio­len mit Tro­cken­heit oder Hit­ze sind die Ern­te­er­trä­ge in der hei­mi­schen Land­wirt­schaft deut­lich ge­sun­ken

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