Tür­kis-Blau: Die Chan­cen für ei­ne Fort­set­zung der Ko­ali­ti­on

Kurier - - Politik -

Fros­ti­ge Stim­mung. In vie­len Po­li­tik­be­rei­chen wa­ren sich Tür­kis und Blau in ein­ein­halb Jah­ren ge­mein­sa­mer Re­gie­rung weit­ge­hend ei­nig – auch bei der Mi­gra­ti­on. ÖVP-Ob­mann Kurz will an sei­nem re­strik­ti­ven Asyl-Kurs fest­hal­ten, wie er erst am Di­ens­tag be­ton­te (sie­he un­ten). Dass Kurz und Ex-Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Mar­ga­re­the Schram­böck mitt­ler­wei­le ei­ne „prag­ma­ti­sche Lö­sung“für die rund 900 Asyl­wer­ber in Leh­re wol­len, hat die FPÖ zwar ver­ur­teilt, wür­de sie aber wohl ver­schmer­zen.

In­nen­mi­nis­te­ri­um

In der Fra­ge, von wel­cher Par­tei das In­nen­mi­nis­te­ri­um künf­tig ge­führt wer­den soll, ha­ben sich ÖVP und FPÖ zahl­rei­che Un­freund­lich­kei­ten aus­ge­rich­tet. Die Volks­par­tei stell­te klar, man be­an­spru­che das In­nen­res­sort wie vor der Ära von Her­bert Kickl wie­der für sich. Die FPÖ hat seit­dem ei­nen Sch­lin­ger­kurs hin­ge­legt – von Kickl oder ei­nem an­de­ren FPÖ-In­nen­mi­nis­ter als Ko­ali­ti­ons­vor­aus­set­zung bis zu ei­nem Ver­zicht reich­ten die Wort­mel­dun­gen. FPÖ-Chef Ho­fer hat sich mitt­ler­wei­le auf die For­mel fest­ge­legt: Kickl sei der op­ti­ma­le In­nen­mi­nis­ter, des­sen Rück­kehr ins Amt ist aber kei­ne Ko­ali­ti­ons­be­din­gung.

ÖVP-Län­der

Ex-Kanz­ler Kurz sag­te auch nach dem Bruch sei­ner tür­kis­blau­en Ko­ali­ti­on, die Zu­sam­men­ar­beit ha­be in­halt­lich meist gut funk­tio­niert. Al­ler­dings gilt die Lust der schwar­zen Lan­des­haupt­leu­te auf ei­ne tür­kis-blaue Neu­auf­la­ge im Bund als be­grenzt. Die Lan­des­haupt­män­ner im Wes­ten – Mar­kus Wall­ner, Gün­ther Plat­ter und Wil­fried Has­lau­er – sind schwarz-grün-af­fin und re­gie­ren har­mo­nisch mit den Ökos. Kurz dürf­te sich bei der be­vor­ste­hen­den Re­gie­rungs­bil­dung mit sei­nen Lan­des­par­tei­chefs ab­stim­men.

Die ÖVP hat in ihr Wahl­pro­gramm im Au­gust un­ter an­de­rem ein Ver­bot der Iden­ti­tä­ren auf­ge­nom­men. Sie will das Ver­eins­recht so än­dern, dass die rechts­ex­tre­men Iden­ti­tä­ren auf­ge­löst wer­den kön­nen. Das führ­te zu ei­ner ab­leh­nen­den Re­ak­ti­on der FPÖ.

Für die Frei­heit­li­chen geht es in der Fra­ge aber nicht nur um die Iden­ti­tä­ren, son­dern ge­ne­rell dar­um, ih­re rech­ten Rän­der bei Lau­ne zu hal­ten. Noch im Früh­jahr wa­ren die Blau­en – da­mals frei­lich noch in der Re­gie­rung – öf­fent­lich auf ma­xi­ma­le Dis­tanz zu den Iden­ti­tä­ren be­dacht. (Al­ler­dings konn­ten zahl­rei­che per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen auf­ge­deckt wer­den.)

Nun warnt Ho­fer an­ge­sichts ei­nes mög­li­chen Ver­bots der Iden­ti­tä­ren vor ei­ner „Ge­sin­nungs­dik­ta­tur“. Die FPÖ sieht sich da­bei auf ei­ner Li­nie mit Bun­des­prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len und Jus­tiz­mi­nis­ter Cle­mens Ja­blo­ner.

Ge­mein­sam­kei­ten

In vie­len Fra­gen wür­den sich ÖVP und FPÖ in­halt­lich ge­nau­so leicht fin­den wie bei den letz­ten Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen 2017: So­wohl bei ei­ner bes­se­ren Do­tie­rung des Heers als auch beim Ver­spre­chen, kei­ne neu­en Steu­ern ein­zu­füh­ren, wird man sich schnell ei­nig wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.