Ma­schek mit Best-of-Mer­kel

Po­lit­sa­ti­re. Ma­schek über Mer­kel, Ibi­za, Ein­schüch­te­rung und vor­aus­ei­len­den Ge­hor­sam

Kurier - - Kultur - www.ma­schek.org stadt­saal.com

Pe­ter Hör­m­an­s­eder mit Blick durch die Bril­le des Ana­ly­ti­kers.

WER­NER RO­SEN­BER­GER

Ein Abend „mit fast al­len Mer­kel-Num­mern, die Ma­schek je­mals ge­macht ha­ben“ist an­ge­kün­digt. Und das sind vie­le. Ge­nug für ein Deutsch­land-Spe­cial. Ein „Best of “.

An­ge­la, die dem Kurz Bas­ti die Schul­ter tät­schelt, oder Oba­ma, Pu­tin und Trump trifft. Sa­ti­risch über­spitzt, wie man es von den – vor al­lem aus der ORF-Sen­dung „Will­kom­men Ös­ter­reich“– be­kann­ten Ver­bal­ka­ri­ka­tu­ris­ten kennt: „Ma­schek Macht Mer­kel“(17. und 18. 9. und am 27. 2. 2020 im Stadt­saal).

„Die­se Mer­kel-Fi­gur, die bei den Deut­schen dies- und jen­seits un­se­rer Gren­zen gut an­kommt, ist – ne­ben Pu­tin – die Kon­stan­te in un­se­rem künst­le­ri­schen Le­ben und hat sich bei uns ein biss­chen ver­selbst­stän­digt“, sagt Ro­bert St­a­chel im KU­RI­ER-Ge­spräch.

Und al­les ist mehr als bloß Jux und Blö­de­lei. Bei Ma­schek wird die po­li­ti­sche und me­dia­le Ins­ze­nie­rung mit Schmäh durch­schau­bar.

„Das ist mir sehr wich­tig“, so St­a­chel. „Ka­ba­rett hat viel zu lan­ge mit po­li­ti­schen Mei­nun­gen ope­riert. Wir su­chen den Per­spek­ti­ven­wech­sel, den ana­ly­ti­schen Blick. So et­was wie ei­nen Durch­blick an­zu­bie­ten, fin­de ich wich­ti­ger, als Mei­nun­gen vor­zu­kau­en oder Wahr­hei­ten ver­brei­ten zu wol­len, die es oh­ne­hin nicht gibt.“

Unernst und doch ernst Sa­ti­ri­ker und Po­li­ti­ker in ei­ner Per­son – das geht für Ma­schek gar nicht.

St­a­chel wun­dert sich, wenn Jan Böh­mer­mann plötz­lich SPD-Vor­sit­zen­der wer­den will: „Was Böh­mer­mann vor­hat, kann ich noch nicht er­ken­nen, aber dass Son­ne­born auf die erns­te po­li­ti­sche Büh­ne ge­gan­gen ist, fin­de ich falsch. Sa­ti­re und Po­li­tik sind für mich wie Kir­che und Staat aus­ein­an­der­zu­hal­ten.“Sonst wird schnell ein ni­hi­lis­ti­scher und letzt­lich zer­stö­re­ri­scher Zu­gang zur Po­li­tik dar­aus.

Da sei eher noch zu ver­ste­hen, wenn So­zi­al­de­mo­kra­ten sa­gen: „Ihr macht uns die Ar­beit so schwer, weil uns die Leu­te nicht mehr ernst neh­men.“Dar­über kön­ne man re­den.

Die Reaktionen der Be­trof­fe­nen sind höchst un­ter­schied­lich: „Von über­schwäng­li­chem Lob, al­so töd­li­cher Umar­mung, die es von al­len Sei­ten gibt“, so St­a­chel, „so­gar von Nor­bert Ho­fer, der mein­te, wie toll er uns fin­det.“Bis zum Be­lei­digt­sein. Denn am meis­ten ver­letzt durch spit­zen Po­in­ten zeig­ten sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten.

An­ar­chi­scher Zu­gang Durch Pe­ter Hör­m­an­s­eder und sein fast schon ner­di­ges In­ter­es­se an der EU ha­ben Ma­schek un­ter den Hu­mo­ris­ten ei­nen klei­nen Markt­vor­sprung bei EU-The­men: „Wir ma­chen da als Ös­ter­rei­cher ein eu­ro­päi­sches Pro­gramm.“

Ein neu­es mit dem Ti­tel „Vox po­pu­li“(ab April 2020) im Ra­ben­hof. „Mein Zu­gang muss da­bei im­mer an­ar­chisch oder – was mir noch lie­ber ist – ana­ly­tisch sein“, so St­a­chel. „Aber nie­mals ideo­lo­gisch.“

Durch das Ibi­za-Vi­deo be­ka­men FPÖ-Po­li­ti­ker als Lach­num­mer so­gar in­ter­na­tio­nal Auf­merk­sam­keit. „Spä­tes­tens da sah man, dass die­se Re­gie­rung nicht gut war für Ös­ter­reich“, so Hör­m­an­s­eder. „Es war schwie­rig für uns, mit dem Ibi­za-Ma­te­ri­al et­was zu ma­chen. Denn es ist al­lein schon so un­ge­heu­er­lich, was da zu se­hen ist. Ei­ne Lö­sung war ein Zeit­sprung: Stra­che und Gu­de­nus müs­sen in ei­ner gu­ten Welt so­fort ar­beits­los sein. Denn es kann nicht sein, dass de­nen noch ir­gend­wer ei­nen Job gibt. Im End­ef­fekt ging es nur dar­um: Was tun mit Men­schen, die plötz­lich nicht mehr in der so­zia­len Hän­ge­mat­te der po­li­ti­schen Be­zah­lung lie­gen dür­fen und oh­ne Qua­li­fi­ka­ti­on ein Ar­beits­ver­hält­nis fin­den sol­len?“

Das gro­ße The­ma Po­li­tik „Will­kom­men Ös­ter­reich“ist und bleibt „ei­ne Su­per­platt­form“für Ma­schek. „Mit der Chan­ce, je­de Wo­che ei­nen Kom­men­tar ab­zu­ge­ben. Das hält uns in­halt­lich am Le­ben, weil man stän­dig ge­for­dert ist“, sagt St­a­chel. „Un­se­re Sa­chen müs­sen nicht im­mer wahn­sin­nig in­tel­li­gent sein, aber ir­gend­ei­nen Aspekt des gro­ßen The­mas Po­li­tik tref­fen – Me­di­en, Selbst­dar­stel­lung, Bot­schafts­über­mitt­lung –, dann funk­tio­niert für uns ei­ne Num­mer.“Und wann wird der mensch­li­che Beep über das Wort Neo­na­zi ge­legt? „Wenn der ORF ei­ne ver­al­te­te Rechts­mei­nung hat“, so Hör­m­an­s­eder. „Das ist in der Sa­che Stra­che so ein­fach zu sa­gen. Der ORF als Her­aus­ge­ber kann na­tür­lich sa­gen: Wir wol­len kei­ne Kla­ge ris­kie­ren. Aber es gab in den letz­ten Jah­ren so vie­le Re­cher­chen, die be­le­gen, dass Stra­che tat­säch­lich im neo­na­zis­ti­schen Um­feld un­ter­wegs war. Da ist das Tat­sa­chen­sub­strat mehr als nur Sub­strat. Ich sag­te auch wei­ter öf­fent­lich: Dass Stra­che ein Neo­na­zi war. Ei­ne Kla­ge kam nie.“St­a­chel er­gänzt: „Dass der ORF im vor­aus­ei­len­den Ge­hor­sam ei­nen Bei­trag aus der TVthek nahm, muss­te FPÖ und Stra­che freu­en. Das zeigt schön auf, wo sie hin woll­ten, hät­te man sie ge­las­sen: in Rich­tung Vik­tor Or­bán. Der ORF sagt bes­ser nichts ge­gen die FPÖ, sonst gibt es Schwie­rig­kei­ten. Das geht in dem Fall nicht über den klas­si­schen Rechts­staat, son­dern über Ein­schüch­te­rung. Und der Bru­der der Ein­schüch­te­rung ist der vor­aus­ei­len­de Ge­hor­sam. So war für uns är­ger­lich, dass es kei­ne FPÖ-Kla­ge, son­dern ei­ne Wei­sung aus dem ei­ge­nen Haus gab.“

Die Syn­chro­ni­sa­ti­ons­ka­ba­ret­tis­ten Ma­schek in der Zwei­er­be­set­zung: Ro­bert St­a­chel (links) und Pe­ter Hör­m­an­s­eder (rechts) ma­chen ei­nen Abend mit Mer­kel-Num­mern und da­zu im Bild als Ges­te die Rau­te der Macht

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