Blaue Zeit­rech­nung nach Stra­che

FPÖ-Be­schlüs­se. Stra­che wird sus­pen­diert, spä­te­rer Aus­schluss bleibt mög­lich

Kurier - - NR-WAHL 2019 - JO­HAN­NA HA­GER GILBERT NOVY

Es dau­ert zehn Mi­nu­ten, bis Hein­zChris­ti­an Stra­che sei­ne 15-jäh­ri­ge po­li­ti­sche Kar­rie­re in ei­nem Wie­ner Wein­lo­kal für be­en­det er­klärt. „Das be­deu­tet nicht nur, dass ich mei­ne Par­tei­mit­glied­schaft ru­hend stel­le, son­dern, dass ich mit dem heu­ti­gen Tag auch jeg­li­che po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tät ein­stel­le und auch kein Amt und kei­ne po­li­ti­sche Funk­ti­on mehr an­stre­be.“Stra­che ist Di­ens­tag­vor­mit­tag sicht­lich er­freut ob der Heer­schar an Jour­na­lis­ten, die sich ein­ge­fun­den ha­ben. Das ist neu.

Be­kannt ist Be­ob­ach­tern sei­ne Vor­be­rei­tungs­map­pe in Blau und das Re­de­ma­nu­skript, in dem je­de Zei­le mit den über­gro­ßen Buch­sta­ben mit gel­ben Leucht­stift an­ge­stri­chen ist. Wie zur Vi­ze­kanz­ler-Zeit. Doch die ist vor­bei. Zum Schluss be­dankt sich Stra­che mehr­fach für die An­we­sen­heit der Me­di­en, man se­he sich viel­leicht in pri­va­ter Run­de wie­der. „Ich stel­le fest, dass wir ei­nen wun­der­vol­len Spät­som­mer­tag ha­ben“, sagt der 50-Jäh­ri­ge. Und: „Al­les im Le­ben hat ei­nen Sinn, und die­sen Sinn wird man da oder dort viel­leicht erst spä­ter er­fas­sen.“Stra­che wirkt weh­mü­tig. Er weiß, dass das Schein­wer­fer­licht ihm nur mehr an die­sem 1. Ok­to­ber gel­ten soll. Denn es dau­ert nur St­un­den, bis die neue Zeit­rech­nung in Blau be­ginnt. Rund vier St­un­den brau­chen das FPÖ-Prä­si­di­um und der Vor­stand, um ihr Be­ra­tungs­er­geb­nis öf­fent­lich zu ma­chen. Kurz vor 19 Uhr gilt das Schein­wer­fer­licht Nor­bert Ho­fer.

Dem neu­en FPÖ-Chef. Und der lässt die Ent­schei­dung Stra­ches nicht auf sich be­wen­den. Weil das FPÖ-Par­tei­sta­tut streng ge­nom­men gar kei­ne Ru­hend­stel­lung vor­sieht, be­schließt der FPÖ-Vor­stand Hein­zChris­ti­an Stra­che zu sus­pen­die­ren. Soll­te sich der Ver­dacht bei den Er­mitt­lun­gen rund um die Spe­sen-Af­fä­re er­här­ten, dro­he Stra­che auch der Aus­schluss, so Ho­fer. Die FPÖ will sich nicht nur vom Ex-Chef for­mal dis­tan­zie­ren, son­dern auch neu auf­stel­len. Mit­tels Grup­pen.

Ei­ne Re­form-Grup­pe, ge­lei­tet vom Wel­ser Bür­ger­meis­ter Andre­as Rabl, soll für die not­wen­di­gen In­no­va­tio­nen und den neu­en Auf­tritt der Par­tei sor­gen.

Mit da­bei ist Salz­burgs Lan­des­che­fin Mar­le­ne Sva­zek.

Ei­ne Grup­pe, die sich um Richt­li­ni­en in Sa­chen Fi­nan­zen und Trans­pa­renz küm­mert, lei­tet Ober­ös­ter­reichs Lan­des­chef Man­fred Haim­buch­ner mit Wirt­schafts­ex­per­ten. Ehr­wür­di­ge FPÖ-Funk­tio­nä­re sol­len zu­dem ei­nen Wei­sen­rat bil­den. Die­ser soll über Aus­schlüs­se ent­schei­den. Wer den bei­den letzt­ge­nann­ten Grup­pen an­ge­hö­ren wird, das woll­te Ho­fer nicht sa­gen. Un­ge­wiss ist, was mit Phil­ip­pa Stra­che pas­siert. Ob der Wie­ner Lan­des­lis­te-Drit­ten ein Man­dat zu­steht, das ste­he erst mit dem amt­li­chen En­d­er­geb­nis am Don­ners­tag fest und ha­be die Wie­ner FPÖ zu ent­schei­den, so Ho­fer. Fix ist, dass Ho­fer als Drit­ter Na­tio­nal­rats­prä­si­dent vor­ge­schla­gen wer­den wird und Her­bert Kickl Klub­chef wird. Phil­ip­pa Stra­che war bei der Wahl Drit­te auf der Wie­ner Lan­des­lis­te

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.