Schie­ne nur bei Langstre­cke sinn­voll

Gü­ter­trans­port. Im Inland en­den die meis­ten Lkw-Fahr­ten nach höchs­tens 50 Ki­lo­me­tern

Kurier - - WIRTSCHAFT - VON CHRIS­TI­NE KLAFL

An­ge­sichts der schier end­lo­sen Lkw-Ko­lon­nen auf den Au­to­bah­nen kann es kaum über­ra­schen, was jetzt in ein Zah­len­werk ge­gos­sen wur­de: Der Gü­ter­ver­kehr auf den hei­mi­schen Stra­ßen hat auch im Vor­jahr zu­ge­nom­men. 2018 wur­den 574 Mil­lio­nen Ton­nen trans­por­tiert, um 3,1 Pro­zent mehr als im Jahr da­vor. Beim tie­fe­ren Blick in die Er­geb­nis­se hat Kon­rad Pe­sen­dor­fer, Chef der Sta­tis­tik Aus­tria, aber doch ein paar Über­ra­schun­gen pa­rat.

· EU-Ver­gleich Die im Ver­hält­nis zur Wirt­schafts­leis­tung mit Ab­stand höchs­te Trans­port­leis­tung weist Li­tau­en auf, vor Po­len und Lett­land. Ös­ter­reich kommt nicht ein­mal auf ein Zehn­tel der Wer­te Li­tau­ens. „Das hat da­mit zu tun, dass die Dienst­leis­tung in Ös­ter­reich ei­nen viel hö­he­ren An­teil an der Wert­schöp­fung hat als in an­de­ren Län­dern“, sag­te Pe­sen­dor­fer im Klub der Wirt­schafts­pu­bli­zis­ten. Über­setzt heißt das: Di­enst­leis­ter schi­cken in der Re­gel kei­ne Lkw durch die Lan­de. · Lkw/Zug In Ös­ter­reich pas­siert der Trans­port zu 69 Pro­zent auf Stra­ßen (EU 77 Pro­zent) und zu 29 Pro­zent auf Schie­nen (EU 17 Pro­zent). · Hei­mi­sche Fahr­zeu­ge Mehr als zwei Drit­tel des ge­sam­ten

Auf­kom­mens wur­den im Vor­jahr von Fahr­zeu­gen trans­por­tiert, die in Ös­ter­reich re­gis­triert sind. 70 Pro­zent die­ser Fahr­ten en­den nach al­ler­höchs­tens 50 Ki­lo­me­ter. Da­zu zäh­len et­wa Zu­stell­fahr­ten zu Su­per­märk­ten, die Be­lie­fe­rung von Bau­stel­len, das Ein­sam­meln

von Müll oder das Ein­fah­ren der Ern­te. „Für die­se Dis­tan­zen ist die Schie­ne kei­ne pro­ba­te Al­ter­na­ti­ve“, stellt Pe­sen­dor­fer fest. Viel Po­ten­zi­al für das Ver­la­gern von der Stra­ße auf die Schie­ne sieht er aber sehr wohl bei wei­ten Stre­cken, die von oder nach Ös­ter­reich oder qu­er durch ge­hen. Auf den Tran­sit­ver­kehr ent­fal­len 35 Pro­zent der Trans­port­leis­tung, hier wie­der­um geht es vor al­lem um die Lie­fe­run­gen zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en. Durch ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der As­fi­nag hat die Sta­tis­tik

hier viel ver­läss­li­che­re Da­ten als frü­her.

· Öf­ter im Ein­satz Die Men­ge an Gü­tern ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich stär­ker ge­stie­gen als die An­zahl an Fahr­zeu­gen. Das zeigt, dass die Lkw öf­ter im Ein­satz sind.

· Un­sin­ni­ge Fahr­ten Dass ein Lkw Be­ton zur Bau­stel­le lie­fert, wird sich wohl nicht ver­mei­den las­sen. „Aber nicht al­le Fahr­ten sind not­wen­dig“, sagt Pe­sen­dor­fer. Als Bei­spiel nennt er den Trans­port von Obst in ein Land, wo bil­li­ge­re Ar­beits­kräf­te die Früch­te wa­schen. „Das ist ei­ne Fra­ge der Be­prei­sung.“

Sta­tis­tik-Spit­ze

Pe­sen­dor­fers Ver­trag läuft noch bis Jah­res­en­de. Ei­ne Aus­schrei­bung gibt es noch kei­ne, die Be­wer­bungs­frist muss ein Mo­nat lau­fen. Bis die nächs­te Re­gie­rung ak­tiv wird, ist es da zu spät. „Was nicht pas­sie­ren soll­te, ist ei­ne Füh­rungs­lo­sig­keit we­gen ei­ner Nicht-Ent­schei­dung“, sagt Pe­sen­dor­fer. Er will sich je­den­falls wie­der be­wer­ben.

Mehr als zwei Drit­tel des Trans­port­auf­kom­mens ent­fal­len auf Fahr­zeu­ge, die in Ös­ter­reich zu­ge­las­sen sind

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