Roadtrip durch Latein­ame­ri­ka

Wi­der­stän­di­ge ko­lum­bia­ni­sche Bau­ern, ein ar­gen­ti­ni­scher But­ler und ei­ne wil­de Tän­ze­rin aus Chi­le

Kurier - - KULTUR -

Das ers­te star­ke Wo­che­n­en­de hat das Wie­ner Film­fes­ti­val Vi­en­na­le be­reits hin­ter sich, aber Men­schen mit Ta­ges­frei­zeit kön­nen sich auch un­ter der Wo­che be­reits ab dem spä­ten Vor­mit­tag mun­ter ins Film­pro­gramm stür­zen. Dass Vi­en­na­le-Che­fin Eva San­gior­gi ei­ne be­son­de­re Lie­be für das la­tein­ame­ri­ka­ni­sche Ki­no hat, lässt sich un­schwer am Pro­gramm nach­voll­zie­hen.

So er­öff­net das Me­tro Ki­no am Mon­tag­vor­mit­tag als ers­tes sei­ne Pfor­ten und zeigt ei­nen Film aus der Pro­gramm­schie­ne His­to­rio­gra­fie/Re-Wri­ting His­to­ry th­rough Ci­ne­ma. Die­se wid­met sich re­stau­rier­ten Ar­bei­ten aus der jün­ge­ren Film­ge­schich­te und prä­sen­tiert ein zen­tra­les Werk des po­li­ti­schen Ki­nos Latein­ame­ri­kas: „Nu­e­s­tra voz de tier­ra, me­mo­ria y fu­tu­ra/Our voice of Earth, Me­mo­ry and Fu­ture“(1981) von Mar­ta Ro­d­ri­guez und Jor­ge Sil­va be­fasst sich mit der jahr­hun­der­te­lan­gen Un­ter­drü­ckung der Bau­ern und der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung Ko­lum­bi­ens, die mit den spa­ni­schen Ero­be­rern un­ter dem Kreuz der ka­tho­li­schen Kir­che ih­ren An­fang nahm.

Ro­d­ri­guez und Sil­va be­rich­ten über den un­er­müd­li­chen Wi­der­stand der Men­schen und be­zie­hen in ih­re Ar­beit die in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung ein, mit der sie über län­ge­re Zeit zu­sam­men leb­ten. Un­ter de­ren Ein­fluss be­kam ihr Film ein vi­su­ell mar­kant ver­än­der­tes Kon­zept (Mon­tag, 11.00 Uhr, Me­tro­ki­no).

Wer in Latein­ame­ri­ka ver­wei­len will, kann im Me­tro­ki­no gleich sit­zen blei­ben und im Rah­men des Pro­gramms „Bra­si­li­en ent­flammt!“ei­ne

Sta­ti­on auf der „Road­map des bra­si­lia­ni­schen Ki­nos“be­su­chen: Der bra­si­lia­ni­sche Do­ku­men­tar­fil­me­ma­cher Joào Mo­rei­ra Sal­les be­gann im Jahr 1992 das Por­trät des But­lers „San­tia­go“– so auch der Film­ti­tel – zu dre­hen. Der Ar­gen­ti­ni­er ar­bei­te­te 30 Jah­re lang als But­ler im Haus­halt von Sal­les’ Fa­mi­lie in Rio de Janei­ro. Nach­dem Sal­les über Ta­ge mit dem da­mals 80-jäh­ri­gen ge­dreht hat­te, ent­schied er, dass er sei­nen Film nicht be­en­den könn­te. Er leg­te das Ma­te­ri­al bei­sei­te und fi­na­li­sier­te den Film­schnitt erst im Jahr 2005. Her­aus kam ein fas­zi­nie­ren­der, selbst­re­fle­xi­ver Film, der ge­nau­so viel über den Fil­me­ma­cher selbst wie auch das Sub­jekt sei­ner Do­ku­men­ta­ti­on er­zählt (Mon­tag, 13.30 Uhr, Me­tro­ki­no).

Flam­men­wer­fer

Ei­ner der Haupt­fil­me aus dem mon­täg­li­chen Abend­pro­gramm stammt von dem chi­le­ni­schen Re­gis­seur Pa­blo Lar­raín („Ja­ckie“, „Ne­ru­da“):

Mit sei­nem bi­zar­ren Por­trät ei­ner jun­gen Frau na­mens „Ema“er­weist sich Lar­raín ein­mal mehr als der un­be­re­chen­ba­re Re­gis­seur, der er ist: Ema ist ei­ne an­ar­chi­sche Tän­ze­rin, die am liebs­ten ei­nen Street Style na­mens Reg­gae­ton tanzt und ger­ne mit Flam­men­wer­fern Au­tos ab­fa­ckelt.

Gleich­zei­tig ist Emas Le­ben total aus den Fu­gen: Mit ih­rem Mann, ei­nem Cho­reo­gra­fen – ge­reizt ge­spielt von dem me­xi­ka­ni­schen StarSchau­spie­ler Ga­el Gar­cía Ber­nal

– ver­bin­det sie bes­ten­falls Hass-Lie­be. Au­ßer­dem hat Ema das Sor­ge­recht für ih­ren Ad­op­tiv­sohn ver­lo­ren, was sie zu fre­ne­ti­schen Ge­gen­maß­nah­men grei­fen lässt.

New­co­me­rin Ma­ria­na Di Gi­ro­la­mo spielt Ema mit ei­ner un­ge­brems­ten Ener­gie, mit der sie ihr ge­sam­tes Um­feld elek­tri­siert – so­wohl tän­ze­risch wie auch se­xu­ell. Ge­ra­de die ex­zes­si­ven Tanz­se­quen­zen of­fen­ba­ren viel von der Fas­zi­na­ti­on, die Lar­raín für sei­ne Haupt­fi­gur hegt. Die Hand­lung – von der es nicht über­mä­ßig viel gibt – nimmt selt­sa­me Wen­dun­gen. Doch es ist vor al­lem der pul­sie­ren­de Rhyth­mus, der den Film vor sich her­treibt und kon­stant Span­nung er­zeugt (Mon­tag, 20.45 Uhr, Gar­ten­bau, 2. 11., 23.45 Uhr Gar­ten­bau).

Ei­nen span­nen­den Ein­blick in la­tein­ame­ri­ka­ni­sches Ki­no bie­tet auch der Bra­si­lia­ner Kle­ber Men­don­ca Fil­ho mit sei­nem schrä­gen Sci-FiWes­tern „Ba­curau“. Die Be­völ­ke­rung ei­nes Dor­fes wehrt sich in die­ser bit­ter­bö­sen Po­lit­sa­ti­re ge­gen blut­rüns­ti­ge Ein­dring­lin­ge: Stark be­setzt mit der tol­len Sô­nia Bra­ga und ei­nem – wie im­mer – si­nis­tren Udo Kier (Di­ens­tag, 20.30 Uhr Gar­ten­bau, Mitt­woch, 23.00 Uhr Gar­ten­bau).

New­co­me­rin Ma­ria­na Di Gi­ro­la­mo mit dem me­xi­ka­ni­schen Star-Schau­spie­ler Ga­el Gar­cía Ber­nal in Pa­blo Lar­raíns „Ema“

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